Protokoll 10. Oktober 2016

Gymnasium Gerabronn, Ethikkurs 2015-2017

Stundenzusammenfassung vom 10.10.2016,  7:45 – 9:20 Uhr

17 Anwesende

Referentin: Sü

Thema: Gerechtigkeit/ Gedankenexperiment nach John Rawls


Gliederung der Stunde:

  1. WG-Gründung / Gedankenexperiment nach John Rawls
  2. John Rawls

1. WG-Gründung / Gedankenexperiment nach John Rawls

Zu Beginn der Stunde wurden wir in drei Gruppen aufgeteilt. Jede bekam eine individuelle, aber ähnliche Aufgabe:

Wir sollten uns vorstellen, gemeinsam in einer WG zu leben und nun Regeln für die Verteilung der Ausgaben und anfallenden Aufgaben aufstellen. Jeder Person wurde eine bestimmte Rolle zugeteilt. Die erste Gruppe (1) wusste zu Beginn keine Rollenverteilung, die zweite Gruppe (2) hingegen schon, bekam die Informationen jedoch erst kurz vor Schluss gesagt. Die letzte Gruppe (3) wusste von Anfang an, wer welche Rolle spielt. Somit kamen unterschiedliche Ergebnisse heraus:

Gruppe (1):

  • viele Regeln
  • gerechte Aufteilung der Miete (800€) → jeder zahlt gleich viel
  • Haushaltskasse, um „Grunddinge“ zusammen einzukaufen
  • Dienste, wie Putzen, Müll rausbringen, Bad und Einkaufen werden aufgeteilt
  • das eigene Zimmer wird selbst geputzt
  • am Wochenende wird gemeinsam ein Essensplan für die kommende Woche erstellt
  • Besuch und Party müssen vorher abgesprochen werden

⇒ allgemein gehaltene Regeln

Gruppe (2):

  • Putzplan;  wer sich nicht daran hält, muss einen ausgeben  (Sanktion)
  • Party ja; falls Prüfungen am nächsten Tag, Musik leise machen
  • persönliche Gegenstände werden mit farbigen Tapes gekennzeichnet
  • 2 duschen Morgens, 2 Abends

⇒ wenige Regeln/ es werden weniger Bereiche abgedeckt, aber leichter zum Einhalten

⇒ nachdem Rollen bekannt waren: wir ändern fast nichts. Jeder kann sich die Miete leisten und muss folglich auf Sonderwünsche verzichten. Außerdem muss bei Partys auf Petra Rücksicht genommen werden, da sie Migräne hat.

Gruppe (3):

  • jeder zahlt 160€ Miete und 40€ Haushaltsgeld → Essen, Trinken (kein Alkohol) und „Putzzeug“
  • Udo (Musiker) probt, wenn Petra nicht da ist. → Rücksicht
  • jeder hat pro Tag 20 Minuten im Bad
  • Koch-/Putzplan für gemeinsame Räume
  • Veganer sind unerwünscht
  • eine Einkaufsliste, auf die jeder seine Wünsche schreibt
  • geraucht wird nur auf dem Balkon
  • keine Hausparties vor Donnerstag
  • Nachtruhe von Montag bis Mittwoch ist 00 Uhr

⇒ Rücksicht und faire Verteilung von Aufgaben

 

2. John Rawls

In der zweiten Stunde arbeiteten wir dann mit dem Buch auf den Seiten 218 und 219. Hier klärten wir die Frage der sozialen Gerechtigkeit nach Ansicht des amerikanischen Philosophen John Rawls.

Gerechtigkeit ist – Fairness

M2:  Theorie der Gerechtigkeit als Fairness

I.

  • die Übereinkunft auf die Gerechtigkeitsstrukturen bezieht sich auf die gesellschaftliche Grundstruktur
  • es sind Grundsätze, die vernünftige und freie Menschen im Zustand der Gleichheit in ihrem eigenen Interesse annehmen würden
  • an diese muss man sich anpassen
  • die Grundsätze bestimmen die Art der gesellschaftlichen Zusammenarbeit

Seine Theorie ist ein Gesellschaftsvertrag

II.

  • ursprüngliche Situation der Gleichheit ist genauso viel wert, wie der Naturzustand/Urzustand (herkömmliche Theorie des Gesellschaftsvertrages)
  • Urzustand ist eine theoretische Situation. Keiner kennt seine gesellschaftliche Stellung/ Klasse/ seinen Status, oder seine Gaben, wie Intelligenz
  • keine Vorstellung über Gut und Böse
  • „Die Grundsätze der Gerechtigkeit werden hinter einem Schleier des Nichtwissens festgelegt.“ (S. 219, Z. 40ff.)
  • Keiner wird bevorzugt oder benachteiligt → Grundsätze der Gerechtigkeit sind Ergebnis einer fairen Verhandlung

III.

  • Urzustand = angemessener Ausgangszustand      → sichert Fairness
  • Grundsätze der Gerechtigkeit werden in einer fairen Ausgangssituation festgelegt
  • Gerechtigkeit ≠ Fairness
  • Nach festgelegter Gerechtigkeitsvorstellung wählen wir eine Verfassung/Gesetzgebungsverfahren

⇒ Funktion der Grundsätze

IV.

  • Gerechtigkeitsgrundsätze:
  1. „Jedermann soll gleiches Recht auf das umfangreichste System gleicher Grundfreiheiten haben, das mit dem gleichen System für alle anderen verträglich ist. (=Gleichheitsprinzip)“
  2. „Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten sind so zu gestalten, dass (a) vernünftigerweise zu erwarten ist, dass sie zu jedermanns Vorteile dienen, und (b) sie mit Positionen und Ämtern verbunden sind, die jedem offenstehen. (=Differenzprinzip)“    (S. 219, Z. 72ff.)
  • dem ersten Grundsatz geht der Zweite voraus
  • bei Verletzung des ersten Grundsatzes darf ich dies nicht durch größere gesellschaftliche oder wirtschaftliche Vorteile begründen

Abschließend haben wir nochmals über unsere WG Regeln gesprochen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Gruppe eins und zwei ebenfalls wie Rawls erst unabhängig zum Einkommen und Zustand die Regeln aufgestellt haben. Gruppe eins hat zudem mehr nach dem Gleichheitsprinzip entschieden, während Gruppe drei mehr nach dem Differenzprinzip entschied.

Ein Kritikpunkt zu den Grundsätzen war, dass die Einbeziehung von Gut und Böse fehlt, sodass man nicht weiß, dass es z.B. nett wäre, eine Party ausfallen zu lassen, wenn einer auf eine Prüfung lernen muss.

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