Gibt es ohne Gott keine Moral ?

In unserer heutigen Welt, in der viele Menschen mit unterschiedlichen Religionen und auch solche ohne Religion leben, kommt kein Mensch auf die Idee, jemanden mit einer anderen Weltanschauung zu missbilligen, keine Moral zu besitzen. Dennoch gibt es viele verschiedene Ansichten zu diesem Thema. Manche argumentieren, dass moralische Werte die dein Handeln beeinflussen auch ohne religiöse Überzeugung existieren können. Wieder andere vertreten die Meinung, dass eine moralische Grundlage, die unser aller Handeln beeinflusst, nicht ohne eine höhere Macht möglich ist.

In diesem Blog werde ich versuchen diese beiden Ansichten zu vergleichen und zu diskutieren, ob es ohne Gott keine Moral gibt.

Viele Philosophen gehen davon aus, dass man auch ohne einen Gott moralisch Gut handeln kann. Herbert Schnädelbach gehört zu solchen Philosophen die diese Ansicht vertreten: „Wer behauptet, wenn die Menschen nicht an Gott glauben, dann ist die Moral bodenlos, der ist historisch und philosophisch ungebildet. Wir wissen seit Aristoteles, dass die praktische Philosophie, die sich über Fragen der Gerechtigkeit und des guten, gelingenden Lebens Gedanken macht, auf eigenen Füßen steht.“ Zudem werden die Menschen nicht nur durch ihren eigenen Glauben beeinflusst, welche ihrer Handlungen moralisch „gut“ oder vertretbar sind. Denn alle Menschen leben zum einen in einem mehr oder weniger sicheren Sitten-, Moral- und Wertegefüge, dass sicherstellt, was erlaubt ist und was nicht. Zum anderen reicht daher auch die Orientierung an der Vernunft und dem eigenen Gewissen um zu bewerten, welche Handlung moralisch vertretbar ist. Des Weiteren gibt es Gesetze die für jeden Menschen gelten und an die er sich halten muss. Somit ist auch der Dostojewski-Ausspruch „Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt“ grundsätzlich falsch. Da auch ohne Gott unser moralische Handeln von vielen Faktoren beeinflusst und eingeschränkt wird, wie zum Beispiel durch die Grundgesetze oder die Erziehung der Eltern. Wenn wir das Beispiel der Erziehung näher betrachten wird deutlich, dass die Eltern den Kindern im frühen Alter schon Impulse mit auf den Weg geben, wie sie sich moralisch gut verhalten, wie zum Beispiel Tischmanieren oder der Umgang mit anderen Menschen.

Im Gegensatz dazu steht die Aussage von Papst Benedikt XVI.. Er hat beispielsweise mehr als einmal vorgebracht, dass Moral, so sie nicht gottgegeben sei, keine andere Quelle haben könne, zumindest gewiss keine menschengemachte. Damit steht er nicht alleine da, viele Menschen glauben, dass sie nur gutes tun können, wenn sie an Gott glauben. Eine Studie namens „The Global God Divide“, die in sechs Kontinenten und 34 Ländern durchgeführt wurde, verdeutlicht nochmals wie viele Menschen moralisches Handeln mit Gottesglauben verknüpfen. Etwa 45 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass der Glaube an Gott eine entscheidende Rolle spielt, um moralische Werte zu haben. Da man beispielsweise durch die Zehn Gebote schon eine klare Vorstellung vorgelegt bekommt wie man moralisch „gut“ leben kann und sollte.

Jean-Paul Satre hat damals auch schon in seinem Buch L’existentialisme est un Humanisme einen ähnlichen Ansatz verfolgt: „Wenn wiederum Gott nicht existiert, so finden wir uns keinen Werten, keinen Geboten gegenüber, die unser Betragen rechtfertigen. So haben wir weder hinter uns noch vor uns, im Lichtreich der Werte, Rechtfertigungen oder Entschuldigungen.” Dadurch macht er nochmals deutlich, dass der Mensch ohne den Glauben an einen Gott keine Vorschriften oder Regeln hat, mit denen er sein Leben auf eine moralische Weise führen kann.

Wie man sehen kann, gibt es viele verschiedene Ansätze zu dem Thema, ob es ohne Gott keine Moral gibt. Meiner Meinung nach kann man auch ohne den glauben an Gott ein Leben mit Moral führen, da die eigene Moral nicht nur von dem Glauben abhängig ist, sondern noch von vielen anderen Faktoren beeinflusst wird, wie zum Beispiel die Erziehung der Eltern, das eigene Gewissen oder die vorgeschriebenen gesetzlichen Vorlagen.

2 Kommentare

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Moral, ein sehr interessantes Wort mit vielen verschiedenen Fassetten. Ich finde es sehr spannend,dass du dir dieses Thema ausgesucht hast,da es definitiv kein leichtes ist. Es ist sehr schwer, Moral eine klare Definition zu geben, da jeder etwas anderes darunter versteht. Das hast du ja bereits gut aufgezeigt. Allerdings denke ich, kann man den Wert eines moralischen Handels unterschiedlich einstufen. Zunächst ist klar, dass wir Menschen jede menge Fehler machen und dies nicht gerne zugeben, da wir somit eine Schwäche zeigen, die uns angreifbar macht. Da kommt auch direkt mein erster Gedanke zum Vorschein, in dem ich dir widersprechen würde. Denn durch unser Ego haben wir oft das Problem, dass wir nach unserem Wohlbefinden handeln, also dass wir darauf achten,dass immer der beste mögliche Betrag für uns herauskommt, was moralisches Handeln erheblich einschränkt. Dementsprechend würde ich sagen, dass moralische Handeln, durch den Glauben an Gott um einiges ehrlicher und leichter wird, da man es von ihm vorgelebt bekommt. Denn die Intension hinter dem moralischen Handeln kann noch so gut sein, am Ende geht es einem immer wieder um die Anerkennung von anderen, die man dafür bekommt.

Hallo,
Dein Blog Post ist mir sofort aufgefallen und ich wollte ihn unbedingt lesen, da dieses Thema sehr diskussionsfähig und geradezu zeitlos ist. Du hast schon ziemlich viele verschiedene Ansichten erläutert, welche ich sehr interessant finde.
Ich persönlich bin der Ansicht, dass es auch ohne Gott eine Moral gibt. Das begründe ich mit der Meinung, dass moralische Haltungen aus mehreren Quellen resultieren, die nicht unbedingt gottgegeben sind, wie soziale Werte, Sittengefühle, Gesetze, Erziehung und eigenes Gewissen. Hierbei stimme ich dem von dir erwähnten Philosophen Herbert Schnädelbach völlig zu denn ich finde auch, dass man sich zunächst Gedanken über die jeweilige Situation machen sollte und dann durch den Einfluss der soeben genannten Faktoren eine Entscheidung nach seiner eigenen Moral trifft. Obwohl Sartre betont, dass ohne Gott keine vorgegebenen Werte existieren, impliziert das für mich, dass gerade deswegen der Mensch zur eigenen und bewussten Entscheidung gezwungen ist. Ich sehe sogar auch die Gefahr, das Gebote und Verbote in Religionen (die z.B. in religiösen Schriften erläutert werden) dazu führen könnten, dass Menschen sich hinter diesen Regeln verstecken und die Selbstreflexion und das Hinterfragen der religiösen Moral verlernen. Wenn Moral nämlich von einer angeblich höheren, unfehlbaren Quelle kommt, kann das schnell dazu führen, dass Handlungen, die eigentlich gegen die Vernunft oder das Mitgefühl gehen, trotzdem als „moralisch richtig“ angesehen werden, weil sie „Gottes Wille“ sind. Beispiele hierfür wären die Kreuzzüge und ich denke viele von uns wissen, dass Bethlehem seit vielen Jahrhunderten aufgrund von Religion eine umkämpfte Stadt ist. Aber ist es denn, wenn man religiös ist, richtig, seinen Glauben gewaltsam durchzusetzen oder auch ohne Einverständnis zu missionieren?
Ich bin also insgesamt auch der Ansicht, dass es auch ohne Religion eine Moral gibt und möchte sogar die religiöse Moral, die bereits des Öfteren für Macht missbraucht worden ist und deren oft unhinterfragten Folgen kritisieren.

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