Sollte man als Christ Organspender sein?

In der Bundesrepublik Deutschland leben derzeit circa 83,5 Millionen Einwohner (Datenstand 23.10.2025). Davon sind 84% Organspenden gegenüber positiv eingestellt (Stand 2022). Dennoch besitzen laut Stand 2022 nur etwa 40 % der Deutschen einen Organspendeausweis, was heute rund 33,4 Millionen Menschen entspricht. Gleichzeitig sterben täglich etwa drei von 8.500 wartenden Patient*innen aufgrund fehlender Spenderorgane. Natürlich ist die Entscheidung, ob man selbst Organspender werden möchte oder nicht, etwas persönliches, dennoch ist es interessant, die individuelle „Verpflichtung“ der Menschen auch im Hinblick auf religiöse Überzeugungen zu analysieren. Aufgrund meines eigenen Glaubens habe ich mich bezüglich des Christentums informiert.

Die Organspende ist eine der wichtigsten Weiterentwicklungen der modernen Medizin. Häufig rettet sie den betroffenen Erkrankten das Leben, wobei sie in speziellen Fällen auch zu einer Verbesserung der Lebensqualität angewandt wird, die nicht unbedingt ein Überlebensrisiko der Betroffenen als Ursprung hat (beispielsweise Gesichtstransplantationen). In dem Blogpost beziehe ich mich nur auf die Postmortale Organspende, jedoch ist es wichtig zu erwähnen, dass es auch noch das Prinzip der Lebendspende gibt.

Die sogenannte Postmortale Organspende beschreibt den Vorgang der Organspende, nachdem zwei Neurofachärzte bei dem Spender zweifelsfrei der Hirntod festgestellt haben. Anschließend wird die DSO (Deutsche Stiftung Organspende) über einen möglichen Spender informiert. Diese überprüft dann die Bereitschaft für die Organspende.
In Deutschland gilt derzeit die Regelung zur Organspende, die Entscheidungslösung (Bereitschaftslösung). Um als Organspender infrage zukommen gibt es zwei Möglichkeiten: 1. Die Person stimmt ausdrücklich zu Lebzeiten zu oder 2. die nächsten Angehörigen entscheiden stellvertretend für den Verstorbenen. Hierbei sollten die Angehörigen sich wirklich in den Verstorbenen hineinversetzen und in dessen Sinne entscheiden, ohne ihre eigene Meinung einfließen zu lassen.
Bei der ersten Möglichkeit, gibt es verschiedene Möglichkeiten seine Zustimmung zur Organspende festzuhalten. Mögliche Wege sind: ein Organspendeausweis, einer Patientenverfügung/-Vollmacht oder eine Eintragung in das Onlineregister. Bei einer Organspende können 6 Organe sowie verschiedene Gewebe entnommen werden. Sowohl der Spender kann zu Lebzeiten seine Spende begrenzen, als auch die Angehörigen (falls man z.B. das Herz nicht spenden möchte). Falls der Verstorbene Organspender ist, werden alle wichtigen Daten des Spenders an die europäische Vermittlungsstelle Eurotransplant weitergegeben, um einen oder mehrere Empfänger mit den passenden medizinischen Parameter zu ermitteln. Nach der Ermittlung der Empfänger werden die passenden und benötigten Organe vom Spender entnommen und möglichst schnell zu den Empfänger transportiert und implantiert. Die Zeitspanne zur Organentnahme nach dem Tod ist sehr kurz. In Deutschland dauert es meistens 12 bis 18 Stunden vom Nachweis des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls bis zur Entnahme, da die Organe eine gute Durchblutung benötigen, um transplantationsfähig zu bleiben. Für Gewebe ist die Zeit länger, da diese auch ohne Durchblutung noch bis zu 72 Stunden nach dem Herzstillstand entnommen werden können.

Die Frage ob man als Christ Organe spenden sollte, wird von der evangelischen und katholischen Kirche klar positiv beantwortet. Eines der überzeugendsten Argumente für eine Organspende ist die Liebe und das Mitgefühl, die eine solche Handlung anderen gegenüber zum Ausdruck bringt. Dieses Zeichen der Nächstenliebe (Markus 12,31 – Auszug: „…Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst…„) sollte jedoch freiwillig sein. Christen betrachten das Leben und den Körper als ein Geschenk Gottes, das dazu dient, Gutes zu tun. In diesem Sinne kann eine Organspende als Ausdruck selbstloser Hingabe verstanden werden, wie sie auch von Jesu selbst gepredigt wurde. Da der Leib Jesu im Christentum als Opfer für die Erlösung der Menschheit gilt, sehen Christen es als sinnvoll an, seinem Beispiel zu folgen und durch den eigenen Tod einem anderen Menschen ein neues, gesundes Leben zu ermöglichen. Außerdem kann man eine Organspende als Beweis des Lichtes der Welt sehen, dass die Christen laut der Bibel darstellen (Matthäus 5,13-16  „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“).

Häufig argumentieren einige christliche Gegner der Organspende, dass der menschliche Leib vollständig bleiben müsse, um nach dem Tod unversehrt in den Himmel aufsteigen zu können. Diese Überlegung kann jedoch einfach widerlegt werden, da Christen an Gottes Allmacht glauben, welche dann natürlich auch beinhaltet, dass er Organspender genauso auffahren lassen kann, wie Unfallopfer oder ähnliche. Des Weiteren zweifeln viele Menschen (auch Nichtchristen) daran, dass ein Ausfall aller Hirnfunktionen (Hirntod) wirklich schon das Ableben der Person bedeutet, oder ob dieser Zustand eine Übergangsphase darstellt, die nicht gestört werden sollte. Dieser Meinung kann man nicht wirklich entgegenargumentieren, jedoch ist es unmöglich nach einem Hirntod wieder bewusst weiterzuleben, was dafür spricht, dass das Leben für sich schon beendet ist.

Meiner Meinung nach ist die Organspende als Christ eine hervorragende Geste, die zum Ende eines mit Gott geführten Lebens von einer verwirklichten Nächstenliebe zeugt. Jedoch schließe ich mich der Meinung der katholischen und evangelischen Kirche an, dass es eine selbstständige und aktiv gewählte Entscheidung sein sollte, bei der keinerlei Einfluss von außen auf einen selbst genommen werden soll.

Da die Zeit zur möglichen Organentnahme begrenzt ist und Angehörige in einer Situation von Trauer und seelischer Belastung nicht zusätzlich mit dieser schwerwiegenden Entscheidung konfrontiert werden sollen, ist es sinnvoll, die Entscheidung zur Organspende bereits zu Lebzeiten zu treffen und diese sowohl in einem Organspendeausweis als auch im Online-Register festzuhalten (ab 16 Jahren möglich).

Mich würde sehr interessieren, wie ihr zur Organspende im Generellen steht und wie ihr mit Hinblick auf das Christentum urteilen würdet. Schreibt mir das doch gerne in die Kommentare😉.

Quellen:

Patientenverfügung digital, aufgerufen am 30.10.2025
https://www.patientenverfuegung.digital/blog/organspende-in-deutschland-aktuelle-zahlen-fakten-und-hintergruende#demografische-faktoren-bei-der-organspende

Organspende Informationsforum, aufgerufen am 01.11.2025
https://www.organspende-info.de/organspende/
https://www.organspende-info.de/erfahrungen-und-meinungen/religionen/christentum/

Deutsche Stiftung Organtransplantation, aufgerufen am 02.11.2025
https://www.dso.de/organspende/allgemeine-informationen/organspende-in-deutschland/ablauf-einer-organspende

Bundesgesundheitsministerium, aufgerufen am 02.11.2025
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/organspende/faqs.html#collapse-control-735

Frageforum, aufgerufen am 02.11.2025
https://www.gotquestions.org/Deutsch/organspende.html

Statistisches Bundesamt, aufgerufen am 31.12.2025
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/_inhalt.html?cms_gtp=151954_

AOK-Versicherung Informationszentrum, aufgerufen am 31.12.2025
https://www.aok.de/pk/organspende/hirntoddiagnostik/

Nachrichtenzentrum, aufgerufen am 31.12.2025
https://www.t-online.de/gesundheit/aktuelles/id_100757040/organspendeausweis-fuenf-wichtige-fakten-die-sie-kennen-sollten.html

Bibelübersetzungsvergleich, Quellen:

Bibelübersetzungsvergleich, aufgerufen am 31.12.2025
https://bibeltext.com/mark/12-31.htm

Online-Bibel, aufgerufen am 31.12.2025
https://www.bibleserver.com/LUT/Matth%C3%A4us5

1 Kommentar

Kommentieren →

Hallo, ich bin auf deinen Blogpost gestoßen, da Organspende für mich ein wichtiges Thema ist. Zunächst finde ich den Aufbau deines Blogpostes Toll, er ist aisfürhrlich geschrieben und die Argumente werden gut dargelegt, dennoch lässt sich vermuten, dass du selbst eine extrem Christliche Person bist, und es dir schwer fällst die Weltliche sicht außerhalt von „Bibelvorschriften“ zu erläutern.
Organspende ist für mich ein zutiefst christlicher Akt der Nächstenliebe, das ist zu erst meine grundlegende Meinung als evangelischer Christ. Wer nach seinem Tod einem anderen Menschen das Leben rettet oder entscheidend verbessert, handelt ganz im Sinne Jesu, der selbst sein Leben für andere hingegeben hat. Umso unverständlicher ist es, dass die Kirchen zwar die Organspende grundsätzlich befürworten, sich aber oft hinter dem Argument der „völlig freien Entscheidung“ zurückziehen, anstatt eine klare moralische Orientierung zu geben. Gerade die Kirche hätte die Verantwortung und die Möglichkeit, deutlicher zu vermitteln, dass Organspende kein ethisches verwerfliches Handeln ist. In einer Gesellschaft, in der viele Menschen auf ein Spenderorgan warten, wirkt kirchliche Zurückhaltung weniger wie Neutralität und mehr wie verpasste Verantwortung ebenso wie bei anderen Thematiken welche etik und moral in Frage stellen. Ich bin überzeugt davon, das der hang zu Kirche nichts darüber aussagt wie gläubig man ist oder ob man ein guter Christ ist, denn wenn man wirklich auf einen Gott vertraut, dann vertraut man auch das er/sie/es einen liebt egal welche Enscheidung man trifft. Entscheidungen die das Leben anderer Mitmenschen ermöglichen sollten niemals als falsch angesehen werden und wenn eine Kirche, Gemeinde oder Sekte dies tut dann liegt der Fehler an dieser Gemeinschaft und nicht an der Entscheidung Organspender/in zu sein.

Schreibe einen Kommentar zu WortWandler Antwort abbrechen