Kopftuchverbot im Lehramt – ein Eingriff in die Religionsfreiheit ?

Fereshta Ludin, eine afghanische Frau, wurde trotz deutscher Staatsbürgerschaft, erfolgreichem Abitur, gemeistertem Lehramtstudium in Englisch, Deutsch und Gemeinschaftskunde, sowie einem Referendariatsabschluss mit der Note 1,3, das Unterrichten in Baden-Württemberg untersagt. Gerichte und Behörden waren der Meinung, dass aufgrund Ihres Kopftuchs und dem Verzicht es abzulegen, Sie nicht in der Lage sein sollte zu Unterrichten. Eine Klage im Jahre 2003, vor dem Bundesverfassungsgericht, verlor Sie, was das Land Baden-Württemberg im Anschluss dazu brachte das Kopftuch ganz im Lehramt zu verbieten. Das Bundesverwaltungsgericht hat am 24. Juni 2004, das neue Schulgesetz als verfassungsgemäß bestätigt. Dabei soll eine Neutralität im Klassenzimmer, gegenüber Religion, Politik und Weltanschauung entstehen. Das Tragen von christlichen oder jüdischen Symbolen, wurde jedoch nicht verboten. Niedersachsen und Bayern folgten Baden-Württemberg und verbieteten ebenfalls das Tragen eines Kopftuchs, da dies gegen die Gleichheit von Männern und Frauen ein Symbol setzen würde.

Am 27.01.2015, über 10 Jahre später, gab es ein neues Urteil vom Bundesverfassungsgericht, welches besagte: ,,dass ein pauschales Verbot religiöser Bekundungen in öffentlichen Schulen durch das äußere Erscheinungsbild von Pädagoginnen und Pädagogen mit deren Glaubens- und Bekenntnisfreiheit nicht vereinbar ist“. Dieses Gesetz sorgte dafür, dass Muslimische Lehrerinnen wieder Ihr Kopftuch im Unterricht tragen dürfen. Es gibt jedoch ausnahme Fälle, bei denen die Lehrerinnen das Kopftuch ablegen müssen, sobald eine Gefahr für den Schulfrieden oder die Neutralität besteht, welche jedoch hinreichend bewiesen werden muss. Zurzeit darf es kein pauschales Verbot geben, jedoch weichen die Bundesländer jeweils etwas voneinander ab.

Meiner Meinung nach ist das Verbieten des Kopftuchs für Lehrerinnen, ein klarer Eingriff in die Religionsfreiheit, welche die Toleranz für fremde Kulturen/Religionen negativ beeinflusst. Es kann sein, dass es für einige SchülerInnen und Eltern vorerst schwer ist zu akzeptieren, dass das Kopftuch keineswegs ein Symbol der Unterdrückung ist. Jedoch das Kopftuch aus dem Lehramt zu verbannen, würde diese Unsicherheit nicht beseitigen sondern unterstützen, da man nur das Fürchtet, was man nicht kennt. Anstatt die Kinder aufzuklären, verbreitet man Angst und Distanz gegenüber dem Islam, was schlussendlich die deutsche Gesellschaft spaltet. Es enttäuscht und beschämt mich zu erfahren, dass Deutschland über 10 Jahre gebraucht hat, ein Gesetz, welches ganz klar gegen die Gleichberechtigung und Religionsfreiheit verstößt, ungeltend zu machen. Ich bin mir sicher, dass derjenige der sich schonmal unvoreingenommen mit dem Islam beschäftig oder Kontakt zu einem Muslimen hatte, nichts gegen eine Kopftuchtragende Lehrerin hat. Sobald man anfängt das Kopftuch bei einer Lehrerin zu verbieten, steht nichts im Weg das Kopftuch auch für Schülerinnen oder in weiteren Berufen, wenn nicht sogar ganz in Deutschland, zu verbieten. Aber vorallem stört es mich, das dieses Gesetz ausschließlich gegen den Islam war, da z.B. christliche LeherInnen weiterhin ein Kreuz tragen durften. Es muss endlich zwischen dem Islam und den Islamisten differenziert werden, denn die Religion an sich zielt ausschließlich auf Frieden ab, wobei Islamisten, genau so wie z.B. radikale Christen, den Glauben so interpretieren, sodass dieser die eigenen Ziele verherrlicht und legitimiert. Nur weil es schlechte Menschen gibt, die an eine Religion glauben und dies für gewaltätige oder unmenschliche Taten benutzen, wird nicht die Religion an sich schlecht und es sollte auch nicht so aufgefasst werden.

Im allgemeinen finde Ich, dass das Verbieten des Kopftuches im Lehramt definitiv ein Eingriff in die Religionsfreiheit war und schlussendlich bin Ich froh, dass dies, wenn auch sehr spät, zumindest größtenteils verbessert wurde. Ich bin der Meinung, dass das Effektivste gegen voreingenommen Hass/Abscheu bei Religionen, die Weiterbildung und Aufklärung der SchülerInnen ist, sodass mit den aufkommenden wahlberechtigten Generationen ein tolaranteres Deutschland geschaffen werden kann.

Ein interresanter Erfahrungsbericht: https://www.uni-bremen.de/fileadmin/user_upload/fachbereiche/fb12/fb12/pdf/A-IB/Studium/Erfahrungsbericht_Studentin_mit_Kopftuch.pdf

Quellen:

https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2015/bvg15-014.html

https://kommunal.de/lehrerin-mit-kopftuch-das-urteil-ist-da

https://www.lpb-bw.de/kopftuchstreit

https://www.landeskirche-hannovers.de/evlka-de/presse-und-medien/nachrichten/2004/01/13-1565

https://de.wikipedia.org/wiki/Fereshta_Ludin

Religionen und Sterbehilfe – Stundenzusammenfassung 11.11.2020

Ethikunterricht K2, 11.11.2020, 11:25-13.00 Uhr, verfasst von Iduna (14.11.2020)

Thema: Religion und Religionskritik: Sterbehilfe

Referentin (Kürzel): Sü

Anwesend: 9 von 15 Schülern

Ablauf/ Gliederung:

  • Einstieg in das Thema durch Zitat von Prof. Dr. Udo Reiter
  • Kritische Auseinandersetzung der Schüler mit Reiters Position
  • Interview der „Zeit“ mit Uwe-Christian Arnold
  • Beschäftigung mit den Standpunkten verschiedener Religionen zum Thema Sterbehilfe (Gruppenarbeit) und kurze Vorstellung

Ich habe trotz 47 Jahren im Rollstuhl ein schönes, selbstbestimmtes Leben geführt und möchte nicht als Pflegefall enden, der von anderen Leuten gefüttert und abgeputzt werden muss

Prof. Dr. Udo Reiter, MDR-Intendant a. D.

Reiter beging im Alter von 70 Jahren Suizid was zur Frage führte, wie die Grundeinstellung der anwesenden SchülerInnen zu diesem Thema war. Durch die Methode einer Stimmungslinie wurde deutlich, dass alle Anwesenden grundsätzlich der Meinung waren, dass Sterbehilfe erlaubt sein sollte.

Überzeugende Argumente waren hierfür, das der Mensch frei über sein Leben entscheiden und dementsprechend auch die Freiheit über seinen Todeszeitpunkt haben sollte. Außerdem sollte jeder Mensch seine Würde auch im hohen Alter bewahren können. Sowohl eine lange Leidensphase, in der der Mensch vollkommen auf Andere angewiesen wäre, als auch eine unkontrollierte Selbsttötung ohne professionelle Hilfe würden diese Würde beschädigen. Zudem würden eventuell auch unabhängige Menschen mit belastet werden. Beispielsweise wäre es möglich, das ein sehr kranker Mensch nicht mehr leben möchte und sich, weil er keine Sterbehilfe bekommt, vor einen Zug stürzt. Das wäre nicht nur für den Betroffenen würdelos und um einiges brutaler, sondern würde auch Verwandte und die Zugpassagiere mehr treffen.

Wichtig erschien jedoch auch, dass der Mensch in einer Verfassung sein müsste, in der er noch klar über seine Zukunft entscheiden könnte.

Argumente gegen Sterbehilfe sind oftmals religiöser Art, womit wir uns später genauer befassten. Auch, dass der Weg zum Tod erleichtert wird, spricht gegen diese Hilfe. Menschen, die vor der eigentlichen Brutalität eines Suizids zurückschrecken, könnten sich viel schneller für die professionelle und weniger schmerzhafte Variante entscheiden. Auch die Angst vor Missbrauch führen Gegner der Sterbehilfe auf. Zudem wird der Betroffenen einem sehr starken Druck ausgesetzt. Manche könnten sich für den Tod entscheiden, um ihre Familie zu entlasten.

„Würde“ ist auch für den ehemaligen Arzt Uwe-Christian Arnold ein wichtiger Aspekt. Er begleitete viel Schwerstkranke und beging nach einer Krebserkrankung Suizid. In einem Interview, welches er zuvor mit der „Zeit“ führte, erklärte er, viele Menschen würden lieber in „in absehbarer Zeit qualvoll [..] sterben, als […] auf unbestimmte Zeit und unerträgliche Weise [weiterzuleben]“. Die Grenze sei vom individuellen Empfinden abhängig und das eigene Entscheiden über diese Grenze gehöre zur Menschenwürde. Der Arzt hingegen, sei nur verpflichtet, die Entscheidung zu prüfen. Auch Verwandte würden beim assistierten Suizid nicht entscheiden, sondern allein der Betroffene selbst. Deshalb hält Arnold die Angst vor Missbrauch beispielsweise für Theorie. Selbst wenn er grundsätzlich für ein „Recht auf letzte Hilfe“ ist, sagt auch er manchmal „nein“ zu seinen Patienten. Ohne Bedenkzeit und gründliche Gespräche würde der niemandem „helfen“ so wie er es ausdrückt. An ein Leben nach dem Tod oder ein Jenseits glaubt Arnold nicht.1

Grundsätzlich wird Sterbehilfe in passive, indirekte und aktive Sterbehilfe sowie Assistenz zur Selbsttötung gegliedert. Passive Sterbehilfe bedeutet, dass auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichtet, indirekte, dass der Tod als Nebenwirkung bei einer Behandlung in kauf genommen und Assistenz zur Selbsttötung, dass das tödliche Medikament bereit gestellt wird, der Patient es sich jedoch selbst zuführen muss. Aktive Sterbehilfe ist die Tötung eines Patienten, auf dessen Wunsch hin.

Sterbehilfe ist eine weitverbreitete ethische Fragestellung, weshalb es sehr viel unterschiedliche Positionen gibt. Sowohl Religionen und Philosophen, als auch die Gesetzgebenden haben sich eine Meinung zu diesem Thema gebildet.

Im Islam wird der Körper als Leihgabe Gottes verstanden. Der Mensch, also der Inhaber des Körpers ist für ihn verantwortlich und soll ihn erhalten. Gleichzeitig wird jedoch auch aufgeführt, dass der Tod nicht verzögert werden darf. Im Koran wird Leid als „Wille Gottes“ beschrieben und das Leben als Prüfung wahrgenommen. Dementsprechend lehnen Muslime Sterbehilfe grundsätzlich ab. Durch verschiedene Interpretationen und Übersetzungen gibt es jedoch ein sehr großes Spektrum an Positionen und Meinungen im Islam.

Auch Buddhisten lehnen Sterbehilfe ab. Für sie ist das Leben ein Kreislauf und Suizid würde lediglich dazu führen, neu geboren zu werden (Reinkarnation). Die Leiden wären dadurch jedoch nicht verschwunden. Einen Tod aus Mitleid oder Liebe gibt es im Buddhismus nicht. Sowohl der Helfer, als auch der Patient würde durch diese Tat schlechtes Karma erfahren. Passive Sterbehilfe ist im Vergleich zur aktiven jedoch erlaubt.

Der Utilitarist Peter Singer findet, dass die Wünsche und Präferenzen eines Menschen auf Grund dessen Bewusstsein über sie, an erster Stelle stehen sollen. Aus diesem Grund hält er Mord beispielsweise für verwerflich. Die Zukunftsvorstellungen des Opfers würden dabei nämlich durchkreuzt werden. Sterbehilfe unterstützt er, da der Tod hier eine Präferenz ist. Auch aktive Sterbehilfe lehnt er nicht ab.

Gesetzlich wurde Sterbehilfe so festgelegt, dass die geschäftsmäßige Förderung untersagt war. Ein kommerzieller Hintergrund war also Strafbar. Passive Sterbehilfe, sowie Assistenz zur Selbsttötung hingegen war erlaubt. Der Artikel §217, der dies festlegte wurde am 26.02.2020 jedoch für nichtig erklärt und die Debatte über ein neues Gesetz ist noch nicht abgeschlossen.

Gerade deshalb ist es äußerst wichtig, sich selbst eine Meinung zu diesem Thema zu bilden und eventuell mit Verwandten darüber zu sprechen. Es keinen richtigen Weg, trotzdem muss in der Gesetzgebung ein allgemeines Recht gelten. Wie hier die Grenzen zwischen Selbst- und Fremdbestimmung verlaufen wird auch in Zukunft eine spannende Frage bleiben.

Anhang

  • Quelle der Zitate, Fußnote 1:Textausschnitt von „Es gibt ein Recht auf letzte Hilfe“
    • Hier Link zum ganzen Interview:
  • Genauere Erklärung zu Arten der Sterbehilfe

https://www.meinepatientenverfügung.de/ratgeber/ethische-hintergruende/sterbehilfe/