Obdachlosen helfen

Soll man Obdachlosen helfen- ja oder nein?

Betrachtet man diese Frage, so wird wohl jeder Mensch intuitiv sagen, ja, natürlich soll man Obdachlosen helfen. Dennoch ist es in der Realität oft so, dass viele Menschen ohne einen zweiten Blick an einem Bettler vorbeilaufen. Woran liegt das? Und was sind Gründe dafür, Obdachlosen zu helfen?

Das Zitat von Jean de La Bruvére, „Es ist schön, den Augen dessen zu begegnen, den man soeben beschenkt hat“, deutet an, dass es einem selbst Freude machen kann, andere durch ein Geschenk zu erfreuen.
Das hat wohl auch jeder schon selbst erlebt, wenn man erwartungsvoller in Bezug auf die Freude der Freunde/Familienmitglieder ist, wenn diese das sorgsam ausgewählte Geschenk auspacken, als gegenüber den Geschenken, die man von ihnen erhält.

Nach Kant hat aber diese Handlung mit der Absicht, anderen Menschen Freude zu bereiten, keinen sittlichen Wert, es ist eine Handlung aus Neigung. Man sollte aber solche Handlungen nicht aus Neigung, sondern aus Pflicht tun, also sich durch Vernunft zu dieser Handlung zu entscheiden, erst dann hat eine Handlung einen wahren sittlichen Wert. Wie gelangt man also durch Vernunft zu dem Willen, Obdachlosen zu helfen?

Dazu muss man den kategorischen Imperativ anwenden: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“. Man stellt fest, dass es erstrebenswert ist, wenn die Maxime, „Helfe Obdachlosen“ allgemeines Gesetz werde, da es dadurch längerfristig vielen Menschen besser geht. So kann man die Frage, ob man Obdachlosen helfen sollte, also auch aus Sicht von Kant bejahen, nicht nur durch den allgemeinen Menschenverstand oder die Freude, die man selbst beim Geben empfindet.

Auch aus der christlichen Sicht ist es erstrebenswert, seinen Nächsten etwas Gutes zu tun wie das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ besagt. Aber dennoch ist es so, dass viele Menschen die Augen verschließen und an den Bettlern vorbeieilen. Doch was sind die Gründe hierfür?

Zum Einen kann man sagen, dass viele Menschen Angst haben, dass die Bettler das Geld, das sie von ihnen erhalten, für Dinge wie Alkohol oder Zigaretten ausgeben. Zum anderen herrscht bei vielen auch die Befürchtung vor, die Bettler müssten das „erwirtschaftete“ Geld wieder an eine Art Bettlermafia abgeben.

Doch vielen dienen diese Gründe nur als Vorwand, sich nicht mit der Situation von armen Menschen vor ihrer Nase zu befassen, sie schieben diese Gründe vor, um ihr Gewissen zu beruhigen. Denn wenn man wirklich helfen will, dann findet man eben einen Weg, um diese Befürchtungen zu umgehen. So könnte man zum Beispiel den Obdachlosen fragen, ob er etwas essen möchte oder einen Kaffee trinken will. Auch so kann man den Menschen helfen, denn Hilfe impliziert ja nicht nur finanzielle Hilfe.

Dennoch ist es schwierig, denn man kann schließlich nicht allen helfen, denn es gibt ja nicht nur einen Bettler, sondern sehr viele. Wo soll man anfangen und wo soll man aufhören?
Trotz dessen bin ich eindeutig der Meinung, dass man Obdachlosen helfen sollte, egal in welcher Form, Geld oder Essen, wobei ich auch eher zu Essen tendiere. Und wenn man niemals anfängt zu helfen, dann ändert sich ja nie etwas und für diese Menschen bedeutet eine kleine Geste oft schon sehr viel…  Also, nach Mahatma Gandhi:

Be the change that you wish to see in the world.”

Was ist eure Meinung dazu? Gebt ihr Obdachlosen oder Bettlern Geld, wenn ihr einen seht oder nicht? Wenn ja/nein, warum?

 

PS: Wer sich noch mehr für das Thema interessiert, auf YouTube gibt es viele Videos dazu, wie z.B. das hier: https://www.youtube.com/watch?v=PYRBpo0eFpU

 

Quellen: Heftaufschriebe, Gehirn 😀

2 Antworten auf „Obdachlosen helfen“

  1. Hey Entschlossenheit!

    Ich persönlich gebe Obdachlosen meistens kein Geld, das liegt aber eher daran, dass ich oft mit meinen Eltern unterwegs bin und diese das auch kaum machen. Ich schätze also, ich tue es schlichtweg aus Gewohnheit nicht. Dennoch fühle ich mich jedesmal schlecht wenn ich Bettler sehe und ihnen nichts gebe, da es ihnen ja offensichtlich schlechter geht als mir und ich die Möglichkeit habe, sie zu erfreuen oder ihnen wenigstens mit etwas zu Essen zu helfen. Denn generell bin ich auch der Meinung, dass Essen eine bessere Spende ist, als Geld, denn wie du schon sagtest, man weiß nie, was mit diesem Geld passiert.
    Ich glaube aber auch, dass ein Grund für die Ignoranz und das Wegsehen der Menschen, die Flucht aus der Realität sein kann. Manche wollen vielleicht einfach nicht wahrhaben, dass es Missstände gibt, oder Leute, die es nicht so gut haben wie sie, weil sie sich dann schlecht fühlen oder erkennen, dass sie eigentlich viel mehr tun und helfen könnten.
    Egal was der Grund sein mag, dass sie wegsehen, es gibt immerhin einige Menschen, die jedem Bettler etwas geben und nie wegsehen und das ist auch etwas gutes. Denn es muss letztlich jeder selber entscheiden, ob er guten Gewissens wegsehen kann oder nicht und diese Entscheidung ist nicht immer einfach.

    Viele Grüße Freiheit 🙂

  2. Super wichtiges Thema! Leider trotzdem eines womit man sich zu wenig beschäftigt während man selbst ein Luxus Leben genießt. Die Schere zwischen arm und reich wird immerzu größer und das merkt man vor allem in Großstädten. Ich finde es wirklich erschreckend, wie man beispielsweise Geschäftsleute komplett beschäftigt mit sich selbst an bettelnden Obdachlosen vorbeilaufen sieht. An guten Tagen bekommen sie wahrscheinlich gerade Mal so viel Geld, wie andere bei Starbucks für ihren täglichen Kaffee zahlen.
    Ich selbst gebe Obdachlosen ab und zu Kleingeld, wenn ich gerade welches griffbereit habe. Andere, die zum Beispiel ein Instrument spielen oder singen, bekommen eigentlich immer etwas Geld von mir. Natürlich weiß man nie, ob das Geld dann sinnvoll verwendet wird, aber ich finde der gute Wille zählt. Und bevor man sich darüber Gedanken macht, den Leuten misstraut und dann keinen Cent dalässt, setze ich lieber auf die Chance, dass der Bettler das Geld für etwas Lebensmittel und Kleidung ausgibt.
    Das Problem das ich bei der ganzen Sache habe, ist, dass ich mir immer denke, ob das jetzt so viel bringt, wenn ich einem Bettler von Millionen ein bisschen Geld gebe. Aber wie du schon im obigen Zitat geschrieben hast: „Be the Change you want to see in the world!“

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