Heute schon getwittert?

Social Media ist im Alltagsleben ständig präsent: Sitzt man in der Bahn, so sieht man viele Menschen, die Bilder auf Instagram, Facebook und Co. anschauen oder Nachrichten schreiben. Bei Konzerten sieht man immer in fast jeder hochgestreckten Hand ein Smartphone, um ein Video des Konzerts auf Instagram hochzuladen, und so manche Menschen sieht man sogar beim Fahrrad oder Auto fahren Nachrichten tippen.

Social Media hat auf den ersten Blick nur Vorteile, man kann so mit seinen Freunden in Kontakt bleiben, egal, wo sie sich im Moment befinden, kann deren Bilder anschauen oder witzige Memes mit ihnen teilen.

Neben dem Austausch mit Freunden dienen aber Instagram, Facebook etc. auch der Selbstdarstellung, man zeigt der Welt, was man macht, man zeigt sich selbst von der Seite, wie man von anderen gesehen werden will. Für viele Menschen sind die Likes, die ihre Bilder bekommen, sehr wichtig und dienen als Selbstbestätigung. So hat eine Studie der Freien Universität Berlin belegen können, dass bei Likes das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert wird – auch ein Grund dafür, dass rund 100.000 der Kinder und Jugendlichen in Deutschland abhängig von Social Media sind.
Man bemüht sich ständig, sich selbst möglichst gut darzustellen und es findet auch ein Vergleich mit anderen statt. Jedes spannende Event des Lebens muss sofort mit der Kamera festgehalten werden, um es dann mit anderen zu teilen. Dabei spielt natürlich unterbewusst immer dieser bereits erwähnte Wunsch nach Bestätigung und Anerkennung eine große Rolle und bringt uns dazu, schöne Momente mit der Kamera festzuhalten und zu später zu posten.

Doch dadurch vergisst man auch, den Moment zu genießen! Man betrachtet die Welt nicht mehr als Akteur, sondern als Zuschauer, wenn man z.B. ein Video von einem Konzert macht. Man ist so konzentriert darauf, dass das Video möglichst gut wird, dass man vergisst, das Konzert zu genießen. Am Ende hat man dann ein paar Likes oder „Gefällt mir- Angaben“, aber nichts von dem Abend mitgenommen. Denn wer ein Video aufnimmt, kann nicht gleichzeitig ekstatisch tanzen und /oder applaudieren.

Bei dieser Aufnahme sieht man allein in einem Umkreis von wenigen Metern drei Smartphones.

Wir erleben weniger , sind in gewisser Weise wie der Protagonist von Max Frischs Roman Walter Faber, der ständig filmt, bloß um nichts erleben zu müssen, man reduziert die Wirklichkeit zu einem zweidimensionalen Film . Anstatt zu erleben, was die Sinneseindrücke mit uns machen, was ein bestimmter Geruch, eine bestimmte Wahrnehmung in uns auslösen, sind wir zu beschäftigt, den „Teilen“-Button zu drücken.

Zudem ist es erschreckend, wie viel Zeit die Nutzung von Social Media in Anspruch nimmt. Laut der Studie der DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) verbringen Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren durchschnittlich rund zweieinhalb Stunden täglich mit sozialen Medien. Wenn man das auf das gesamte Leben hochrechnet, ist das sehr viel Lebenszeit, die man damit verbringt, Bilder von Menschen anzuschauen, die man eventuell nicht einmal kennt oder nicht mag.

Kritisch zu sehen ist auch, dass Social Media niemals wirklichen Kontakt zwischen Menschen ersetzen kann. Im Gegenteil, es führt oft eher zu Konflikten, da Missverständnisse auftreten. Anstatt Differenzen persönlich zu regeln, lädt man seine Wut oder seine Enttäuschung über WhatsApp ab- weil’s einfacher ist. Natürlich ist es vollkommen legitim, über Social Media mit seinen Freunden in Kontakt zu bleiben oder allgemein zur Kommunikation zu nutzen, aber man muss sich dabei der oben genannten Aspekte bewusst sein. Und letztendlich geht auch nichts über das persönliche Gespräch, da man so viel mehr Dimensionen wahrnimmt, als wenn man chattet.

Und wie auch schon Epikur gesagt hat: „Von allem, was die Weisheit für die Glückseligkeit des ganzen Lebens bereitstellt, ist der Gewinn der Freundschaft das bei weitem Wichtigste.“

 

Ich persönlich nutze natürlich WhatsApp, Instagram und Co., aber gerade in letzter Zeit ist mir bewusst geworden, wie viel Zeit die Nutzung von Social Media in Anspruch nimmt. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich eher gezeichnete Bilder von anderen anschaue, anstatt selbst kreativ zu sein und etwas zu zeichnen. Einen Großteil der Zeit, die man für Social Media verwendet, könnte man darin investieren, sich selbst zu entfalten und Dinge zu tun, die einem Spaß machen und die einen erfüllen. Zudem ist es oft so, dass man sich mit den Künstlern im Internet vergleicht und dann deprimiert ist, weil man denkt, man könne sowieso nie so gut werden wie die anderen. Dementsprechend ist man dann eher geneigt, erst gar nichts auszuprobieren. Deshalb habe ich auch jetzt in den Ferien Social Media Detox gemacht, dh. (mit einer Unterbrechung von einem Tag) fast zwei Wochen ohne Internet verbracht, was ich als echt befreiend empfunden habe, vor allem, da ich auch mehr Zeit hatte, um zu zeichnen 😉 Dennoch finde ich nicht, dass man gleich ganz ohne Social Media leben muss, man muss sich nur bewusst sein, wie stark und oft man es nutzt und ob man nicht vielleicht lieber den Moment genießen sollte.

Wie steht ihr dazu? Könntet ihr es euch vorstellen, eine Woche ohne Internet zu verbringen? Oder seid ihr der Meinung, dass die Vorteile von Social Media bei Weitem überwiegen?

LG Entschlossenheit 😊

 

Zum Weiterlesen: Woran erkennt man eine Abhängigkeit von Social Media?
https://ccam-ascor.nl/research-measures/166-engels/research-measures/484-social-media-disorder-scale
Selbsttest https://www.jumpradio.de/thema/selbsttest-internetsucht-100_showImage-frage-test-internetsucht-106_zc-e6ab0709.html

 

 

Quellen:

 

4 Antworten auf „Heute schon getwittert?“

  1. Hallo Entschlossenheit 🙂

    Erst gestern Abend saß ich mit meinen Freunden zusammen und die erste Stunde unseres Treffens haben wir damit verbracht, aufs Handy zu starren und uns damit zu beschäftigen, anstatt zu reden. Da ist mir auch mal wieder aufgefallen wie selbstverständlich Social-Media und Internet in unserem Leben sind und dass diese „Abhängigkeit“ oft zum Alltag wird bzw. gehört. Man hat sein Handy immer dabei und ist innerhalb von Sekunden Online, worunter dann die Kommunikation leidet. Klar ist dies nicht immer der Fall, aber man sieht tagtäglich Menschen, die zwar nebeneinander sitzen aber lieber aufs Smartphone sehen, als sich zu unterhalten. Das ist sehr schade, denn im Grunde lebt Freundschaft oder allgemein das Sozialleben von Kommunikation und gemeinsamen Unternehmungen lebt und ein Abend gemeinsam am Handy zu verbringen, zählt nicht so ganz dazu.
    Auch wenn ich diese Entwicklung absolut nicht mag, muss ich doch sagen, dass ich es nicht schaffen würde eine Woche ohne Internet zu verbringen, denn ich schaue auch Filme oder Serien online. Aber unabhängig davon überwiegen die Vorteile von Social Media für mich ohnehin, da es einfach unheimlich praktisch ist, jederzeit nach der Wettervorhersage zu schauen oder irgendetwas googlen zu können, was einen gerade beschäftigt. Egal ob das nun eine Wissensfrage ist oder ein Rezept, man findet alles online.
    Allerdings bin ich dafür, dass Handy auch mal wegzustecken, bei Konzerten zum Beispiel genießt man es viel mehr, wenn man nicht mitfilmt. Und auch ich und meine Freunde haben es letztendlich geschafft uns vom Handy loszureisen, uns rauszusetzen und über Gott und die Welt zu reden und das war im Endeffekt sehr viel besser als irgendwelche Bilder auf Instagram anzusehen.

    Viele Grüße,
    Freiheit

  2. Hallo 🙂
    Ich stimme dir in vielem deiner genannten Aspekte vollkommen zu. Ich finde, dass Social Media in der heutigen Gesellschaft kaum noch wegzudenken und schon lange kein Fremdwort mehr ist. Vor allem wächst der zunehemnde Konsum von Social Media Plattformen immerzu mit der aktuellen Jugend heran. Kaum einer hat kein WhatsApp, Snapchat oder Instagram mehr. Natürlich muss man bei dem Thema in Betracht ziehen, dass das Internet an sich Teil der Entwicklung unserer Zeit ist. Die Digitalisierung kann meiner Meinung nach nicht mehr wirklich gestoppt werden. Schließlich hat man nach Erfindungen wie Telefon, Fernseher und Computer immer weiter Dinge erfunden und hergestellt. Es ist also völlig normal, dass sich die Technologie mit der Zeit immerzu weiterentwickelt.
    Ich finde dennoch, dass diese Entwicklung einfach unglaublich schnell vorschreitet und rasant an einem vorbeigeflogen kommt. Wenn man vor zwanzig Jahren gesagt hätte, dass man einmal von überall auf der Welt mit jedem vernetzt ist und mit einem kabellosen Display in der Hosentsche rumläuft, wäre es eine absurde Idee gewesen. Beispielsweise erzählt mir meine Mutter manchmal, wenn ich mich über das kaputte WLAN aufrege, dass sie als Kind zum Telefonieren zur Nachbarin gehen musste, weil sie die einzige im Dorf war, die ein Teflon besaß.
    Zudem finde ich auch, dass Social Media viele Türen öffnet und keineswegs nur im negativen Sinne zu verstehen ist. Ja, man kann Freundschaften schließen und Kontakt zu Menschen welttweit pflegen, was ersichtlich positive Vorteile mit sich bringt. Doch wenn ich von Dingen wie „IBF“ (Internet Best Friend) höre, kann ich nur mit dem Kopf schüttlen. Es fehlt immerzu an Persönlichkeit und Authentik. Konversationen die im echten Leben „face-to-face“ stattfinden sind nun mal die besten und finde ich auch die, bei denen man am meisten über eine andere Person lernen kann und eine Beziehung aufbauen kann. Viel zu sehr sind wir heutzutage auf unser Handy fixiert und das soziale Leben spielt sich eher auf Social Media Kanälen ab.
    Wenn ich an dein Beispiel mit den Konzerten denke, sehe ich mich selbst in der Rolle der Person, die ein gutes Video für ihre Snapchat Story filmen will. Immer öfter sage ich mir selbst: „Leg dein Handy weg und genieße den Moment!“

  3. Hallo

    ich bin selbst natürlich bei Social Media Plattformen wie Whatsapp oder Snapchat aktiv. Ich habe aber nicht das Problem, nicht ohne Internet leben zu können. Vor allem in der letzten Zeit nicht, da ich von der Schule her sehr viel zu tun hatte. Mir waren diese ständigen Nachrichten auch vorher nur noch lästig und so habe mein Smartphone ca. eine Woche garnicht benutzt.
    Aber generell hast du natürlich recht mit der Tatsache, dass Social Media heutzutage kaum mehr wegzudenken ist. Ich finde es echt erschreckend, wie sehr sich die Gesellschaft geändert hat. Das Schlimmste aber ist, wenn man z.B. in einem Restaurant sitzt und die Anderen nichts besseres zu tun haben, als alle zehn Sekunden auf ihre Handys zu schauen, dass sie ja keine Nachricht verpassen und dann womöglich die Welt untergeht.
    Natürlich hat diese Form der Kommunikation viele Vorteile, denn früher musste man Brieftauben schicken und heute muss man sich nicht einmal mehr Bewegen, da dank Sprachsteuerung alles problemlos einfach geworden ist. Aber diese Konversationen sind wegen dem viel zu geringen Aufwand auf ein sehr unpersönliches und oberflächliches Level abgerutscht.
    Da finde ich Methoden wie den „Handystapel“ sehr gut, wo derjenige, der als erster auf sein Handy schauen will, die ganze Rechnung zahlen muss. Die Methode ist zugegeben etwas radikal aber auf jeden Fall wirksam.

    Gruß bongo

  4. Halli Hallo,
    ich kann mich nicht eindeutig dazu äußern, ob ich der Meinung bin, dass die Vorteile der sozialen Medien überwiegen, jedoch weiß ich wie absurd unser Verhalten und der Umgang mit den elektronischen Geräten ist (ich hoffe ich spreche hierbei nicht nur von mir). Egal ob wir auf einem Konzert sind, im Restaurant oder in der Bar mit Freunden, irgendwo im Club feiern, auf der Terrasse zu Hause oder einfach in der Schule oder unterwegs, unser Handy ist unser stetiger Begleiter.
    Mit Snapchat, Instagram, Facebook und WhatsApp teilen wir so viel wie möglich aus unserem alltäglichen Leben und dabei ist so viel endlos unnötiges. Dein Beispiel vom filmen eines Konzerts bringt Erinnerungen, an ein besonderes Ereignis, auch wenn man diese anders in Erinnerung behalten könnte, aber jeden Tag sein essen zu fotografieren, schwarze knaps zu verschicken um die flammen aufrecht zu erhalten, oder versteckt endlos viele „#“ unter sein Instagram Bild zu setzen, um möglichst viele likes zu bekommen ist genauer betrachtet ziemlich sinnfrei, aber leider auch das worauf in unserer Generation wert gelegt wird.
    Ich kann mir gerade nicht vorstellen eine Woche ohne Internet zu sein, aber bei dem Gedanke kommt ein gewisser Reiz, dies einmal auszuprobieren, gute Idee!

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