Ist der Mensch in seinen Entscheidungen frei?

Man geht zum Bäcker und kauft sich eine Brezel – Eine freie Entscheidung. Im Alltag muss man ständig Entscheidungen treffen. Doch sind diese Entscheidungen immer frei? Oder haben wir überhaupt die Möglichkeit frei zu entscheiden? Und wie definiert man überhaupt eine freie Entscheidung?

Die Frage nach der Freiheit ist nicht so leicht zu beantworten, da das Wort „Freiheit“ sehr komplex und verschiedendeutig ist.

Fakt ist, dass man oft durch verschiedene Einflüsse Entscheidungen trifft. Dieses Phänomen wird auch vielseitig eingesetzt, zum Beispiel in der Politik oder im Marketing. Aber ist die Entscheidung dann überhaupt noch frei, wenn man durch äußere Einflüsse quasi manipuliert wird? Ich finde es kommt darauf an, ob wir uns den äußeren Einflüssen bewusst sind und noch einmal darüber nachdenken oder ob wir uns den äußeren Einflüssen einfach hingeben. Wenn einem also zum Beispiel die Eltern ständig sagen, dass man wegen irgendetwas unbedingt zum Arzt muss und man dann deshalb zum Arzt geht, war es keine freie Entscheidung. Aber wenn ich mir dann darüber nocheinmal Gedanken machen und zum Entschluss komm, dass die Eltern recht haben, weil der Arzt mir helfen kann und mein Leiden verringern kann und ich dann deswegen zum Arzt geh, dann sehe ich es als freie Entscheidung. Was äußere Einflüsse angeht haben wir also wenigstens noch die Möglichkeit frei zu entscheiden. Hierzu ist das bewusst werden einer Handlung und auch das kritische Hinterfragen wichtig.

Was ist jetzt aber, wenn ein Junge beispielsweise ein rosanes T-Shirt tragen will, aber seine Freunde ihn dadurch auslachen würden und seine Ehre verletzt werden würde? Er hat zwar immernoch die Freiheit sich für oder gegen das T-Shirt zu entscheiden, jedoch wird dies eingeschränkt ohne, dass er was dagegen tun könnte, weil das was er eigentlich machen will, negative Folgen für ihn haben würde, was er wiederum auch nicht will. Wäre diese Entscheidung komplett frei würde er sich für das T-Shirt entscheiden, da er nun aber immernoch die Möglichkeit hat sich dafür zu entscheiden, ist die Entscheidungsfreiheit nur Teilweise eingeschränkt.

Zudem wird die Freiheit unserer Entscheidungen auch durch andere Dinge eingeschränkt. So schränken beispielsweise Eltern die Entscheidungsfreiheit ihrer Kinder ein, was wiederum daran liegt, dass das Gesetz sagt, dass man erst mit 18 alle Entscheidungen selbst treffen kann (in Deutschland). Zudem wird die Freiheit der Entscheidungen auch sonst durch das Gesetz eingeschränkt, da man ansonsten mit den Konsequenzen leben muss. Jedoch tut dies die Entscheidung eigentlich wieder nur beeinflussen, denn man könnte sich ja letztendlich doch dafür entscheiden auch wenn man dann eben mit den Konsequenz leben müsste. In anderen Ländern mit einem anderen politischen und gesellschaftlichen System ist dieser Einfluss sogar noch viel größer.

Viele meinen, dass wir keine freien Entscheidungen treffen und wollen dies damit beweisen, dass Hirnforscher herausgefunden haben, dass die Entscheidungen in unserem Gehirn schon lange bevor wir uns bewusst uns für etwas zu entscheiden gefallen sind. Jedoch stellt sich mir die Frage was daran ein großer Beweis sein soll, denn unser Gehirn gehört letztlich zu uns dazu und nur weil uns erst später bewusst wird, was wir wollen heißt das ja nicht, dass wir das nicht wollen. Denn wenn man damit argumentiert, würden quasi alle im Hirn vorgehende Prozesse nicht zu uns gehören und somit hätten wie auch gar kein wollen oder kein Bewusstsein.

Ähnlich zu bewerten ist das ganze mit den menschlichen Trieben. Wenn wir hunger haben, dann essen wir etwas. Diese Entscheidung treffen wir nicht bewusst sondern wir tun dies, weil wir das Verlangen und den Trieb danach haben. Jedoch sind es trotzdem noch wir selbst, die dieses Verlangen haben und die dann etwas essen wollen. Hierbei geht die Handlung und die Entscheidung dazu also eigentlich auch von uns aus, nur ist es eher eine Entscheidung aus dem Unterbewusstsein als eine aktive Entscheidung.

Letztendlich kann man sagen, dass wir größtenteils zumindest die Möglichkeit haben frei zu entscheiden. Jedoch sind wir auch sehr beeinflussbar bzw manipulierbar, weshalb eine kritische Denkweise notwendig ist, um frei zu entscheiden. Minderjährige können nicht alles frei entscheiden, da dies gesetzlich festgelegt und auch gesellschaftlich akzeptiert ist. Kindern muss eine kritische Denkweise auch erst beigebracht werden, damit sie überhaupt fähig sind frei zu entscheiden und frei zu handeln, weshalb es natürlich richtig ist ihnen diese Freiheit stark einzuschränken.

Ich hoffe ich konnte euch zum krübeln anregen. Was meint ihr, kann der Mensch frei entscheiden? Wie würdet ihr „Freiheit“ definieren? Und wären Menschen im allgemeinen frei, wenn sie frei in ihren Handlungen und Entscheidungen wären? Schreibt gerne etwas zu dem Thema in die Kommentare.

Quellen

Sind wir in unseren Entscheidungen frei?

https://www.goethe.de/de/m/kul/ges/eu2/fre/21228192.html

https://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/06/Entscheidungsfreiheit

Eine Antwort auf „Ist der Mensch in seinen Entscheidungen frei?“

  1. Hallo roastbeefschwabe,
    das Thema Entscheidungsfreiheit ist vor allem heute, wo immer mehr Einschränkungen unser Leben dominieren, ein äußerst interessantes Thema. Ich denke, dass Menschen durchaus in der Lage sind freie Entscheidungen zu treffen, zumindest habe ich das Gefühl selber über den Großteil meiner Taten selbstständig zu entscheiden. Man hat immer eine Wahl, auch wenn man sich die Alternative oft selbst suchen muss. Das Abgeben von Entscheidung kann jedoch das Leben deutlich einfacher und angenehmer gestalten. Ein Beispiel wären Zwangsehen. Die Betroffenen werden, wie der Begriff schon sagt gezwungen den anderen zur Frau oder zum Mann zu nehmen. Jedoch bestehen trotzdem immer noch Möglichkeiten, wie die Flucht aus der Region und Kultur, den Mord des Gatten, bzw. der Gattin oder Selbstmord. Dieses Beispiel macht allerdings auch klar, dass es oft Sinn gibt sich externen Anweisungen zu beugen, auch wenn dies zu ungewollten Zuständen führt. Ich denke dieser Gehorsam ist Teil der Selbsterhaltung des Menschen. Wenn man dennoch eine Entscheidung gegen das Verlangen einer deutlich mächtigeren oder sogar gefährlichen Person oder Gruppe fällt, muss man nicht nur gegen diesen „Gegner“ kämpfen, sondern auch noch gegen diesen Überlebensinstikt, welcher stumpfes Gehorchen zur Erhaltung des physischen Wohls fordert.
    Außerdem gibt es auch noch andere Triebe, welche die Meinungsfreiheit einschränken. Der innere Schweinehund kann einen oft zu etwas führen, obwohl man sich bewusst, dagegen, bzw. dafür entscheiden hat. Ob es sich dabei um Vorsätze handelt, wie mehr Sport zu machen oder mehr zu lernen, oder um Angewohnheiten, aus denen man gerne ausbrechen würde, wie Dogenkonsum, Spielsucht oder ungesunde Ernährung. Ohne Motivation und einen sinnvollen Plan, kann selbst der beste Wille nicht siegen.
    Darüber hinaus werden wir, wie du schon erwähnt hast, permanent von unserer Umwelt geprägt, bzw. manipuliert. Auch die Geschichte zeigt, dass es möglich ist, breiten Bevölkerungsschichten den freien Willen unbemerkt zu entreißen. Z.B. in dem Nationalsozialismus hat man es geschafft unzählige Soldaten zu Gräueltaten zu mobilisieren und einen großen Teil der restlichen Gesellschaft blind für diese Ungerechtigkeiten zu machen. Deshalb bin ich mir oftmals nicht sicher, bei welchen es sich um meine eigenen Entscheidungen handelt und welche mir eingepflanzt wurden, ohne dass ich mir darüber bewusst bin.
    Menschen, welche an das Schicksal glauben, sind davon überzeugt, dass alles vorherbestimmt ist und es folglich keinen freien Willen geben kann. Diese Vorstellung teile ich zwar nicht, allerdings hat jedes Ereignis oder Handlung, welche stattfindet oder auch nicht Konsequenzen. Diese vorhergegangenen Ereignisse beeinflussen jede einzelne Entscheidung die wir treffen. Deshalb könnte ich mir durchaus vorstellen, dass unser freier Wille nicht wirklich frei ist, da unser Geist geprägt ist und diese Prägungen wiederrum unsere Entscheidungen mitbestimmen. Uns würde sozusagen vorgegaukelt über einen freien Willen zu verfügen.
    Manchmal habe ich jedoch das Gefühl, dass mein Leben zu sehr von außen bestimmt wird. Spiegeln meine Ziele wirklich das wider, was ich erreichen möchte oder sind sie der Wunsch von jemand anderem?
    Besonders bezüglich der Schule habe ich oft das Gefühl, ich würde meine Zeit ohne Vorschriften ganz anders nutzen und nach anderen Fähigkeiten streben. Natürlich habe ich die Möglichkeit keine Zeit mehr für Lernen zu verwenden, jedoch würde dies zu unangenehme Konsequenzen in meinem weiterführenden Leben führen. Andererseits frage ich mich, ob es immer so gut ist, wenn man stets einen komplett freien Willen hat. Würde dann nicht die Triebe schnell wieder überhandnehmen und den freien Willen auf diese Weise wieder zerstören?
    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich zwar finde, dass wir in gewissem Maße über Willensfreiheit verfügen, jedoch sind wir anfällig für das, was um uns herum geschieht, deshalb beeinflussen externe Geschehnisse durchaus unseren Meinungs- und Willensbildungsprozess.

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