Stalking im Internet

Wenn ich jemanden verfolge, seine Mülltonne nach Einkaufszetteln durchwühle, durch sein Fenster schaue und Fotos von seinen Altglas-Container-Besuchen mache und anschließend behaupte, die Person sei ein Alkoholiker, ist es eindeutiger Verstoß gegen die Privatsphäre dieser Person und man kann auch deswegen angezeigt werden. Jedoch, nach dem Philosophen Michael LaBossiere, wenn man die persönlichen Daten derselben Person im Internet analysiert und dann darauf schließt, dass diese Person ein Alkoholiker ist, wird man nicht strafrechtlich verfolgt, weil die moralische Frage in diesem Fall durch den indirekten Weg des Informationensammelns nicht mehr ganz klar ist.

Wird Datenschutz bei uns nicht immer groß geschrieben? Oder werden die Informationen, die wir ans Internet geben, missbraucht und könnte dieser Missbrauch gefährlich für uns sein?

Ein Problem, welches wir schon aufgrund der Fragestellung feststellen, ist, dass wir selbst unsere Daten an das Internet geben. Oft passiert dies unbewusst und genau das nutzen bestimmte andere Teilnehmer des Internetverkehrs aus, um zum Beispiel personenbezogene Werbung zu machen. Also ist das zu Kritisierende an sich, dass diese Personen, die unsere persönlichen Informationen sammeln und auswerten, es so unauffällig wie möglich machen wollen. Auch Oliver J. Süme vom Verband der Internetwirtschaft „Eco“ spricht von sogenannten „Dual-Use-Technologien“, was so viel heißt, dass diese Datensammlung von Dritten im Grunde genommen nichts Böses oder Gutes ist, weil es davon abhängt, wie man diese Daten im Endeffekt nutzt.

Wenn wir nun an das Thema Datenschutz denken, gibt es sofort eine Sache, die uns einfällt: Cookies. Ursprünglich als eine nette Erfindung geplant, um die Internetnutzung zu optimieren, werden diese heutzutage häufig missbraucht. Früher wurden Cookies dazu genutzt, um den letzten Standpunkt auf der Seite zu speichern, zum Beispiel wenn man in Amazon gerade den Warenkorb geöffnet hatte, wird beim nächsten Mal direkt die Seite mit dem Warenkorb aufgerufen. Nun werden Cookies benutzt, um sogenannte „Statistiken“ zu erstellen, die Informationen wie die Zeit des Websitebesuches, ähnliche Websitebesuche oder allgemein das Klicken auf weitere Links festhalten. Diese Informationen werden heutzutage als freundlich dargestellt. Es heißt demnach immer, die Informationen werden gesammelt, um die Nutzererfahrung zu verbessern. Warum aber, fragt sich, ist bei den Cookie Meldungen immer als Standard zuerst „alle Cookies zulassen“ eingestellt und warum wird immer nur ein ganz kleiner Knopf bei den Pop-Ups eingeblendet, auf dem steht „Datenschutzeinstellungen ändern“? Weil eben diese Websiteanbieter gar nicht wollen, dass man die Daten vor ihnen verbirgt um sie oft für kommerzielle Zwecke, wie Werbungen, zu nutzen. Dies ist ganz klar ein Eingriff in unsere Privatsphäre, der unsere Daten kaufbar macht und eigentlich strafrechtlich verfolgt werden müsste.

Aber selbst wenn wir uns sehr vorsichtig gegenüber Cookies verhalten und immer alle Einstellungen ändern, gibt es immer noch Tracker auf jeder einzelnen Website, die unsere Daten akkumulieren. So weiß man beispielsweise, dass auf der Internetseite von www.spiegel.de 105 verschiedene Tracker zu finden sind, die unsere Daten für verschiedenartige Zwecke benutzen, auch um sie an Spiegel zurückzuschicken, damit uns die Seite personenbezogene Werbung einblenden kann. Deswegen ist es auch sinnvoll, sich auf der Website www.whotracks.me  darüber zu informieren, wie viele Tracker auf der jeweiligen Website platziert sind, von wem sie platziert sind und wofür diese Tracker genau benutzt werden (wobei es sich in mehr als 50% der Fälle um Advertising-Tracker handelt). In diesem Fall wird der Nutzer nicht einmal benachrichtigt, dass  solche Informationen gesammelt werden und dies verstößt gegen die Willensfreiheit einzelner Personen.

Oft wird eine Nutzerprofilerstellung anhand unfreiwillig entzogener Informationen damit gerechtfertigt, dass es sonst keine digitalen Innovationen mehr geben könnte, wenn man die Daten der Nutzer nicht ausreichend analysiert. Jedoch ist dieses Argument sehr paradox, denn je unsicherer sich die Menschen beim Nutzen des Internets und neuer Technologien fühlen, desto weniger werden sie sie auch benutzen. Im Umkehrschluss heißt das, man muss zuerst Transparenz schaffen und das Vertrauen der Nutzer aufbauen, damit diese die Innovationen auch unterstützen und sogar bei der Entwicklung mithelfen.

Jetzt werden viele sagen: „Aber Transparenz gibt es schon in Form von Datenschutzerklärungen und für Sicherheit wird mit Altersbegrenzungen gesorgt.“ Dies mag eine schöne Idee sein, jedoch dass diese Konzepte einwandfrei funktionieren, ist ein nahezu utopischer Gedanke. Die Datenschutzerklärungen fallen oft sehr lang aus,  und teilweise über hundert Seiten in sehr schwer verständlicher Sprache. In diesem Fall fällt die Funktion der Transparenzschaffung weg, denn niemand kann diese Datenschutzrichtlinien tatsächlich verinnerlichen und wenn man diesen dann zustimmt, stimmt man möglicherweise Dingen zu, die man gar nicht will. Ist es ethisch korrekt, diese Datenschutzrichtlinien so verwirrend zu schreiben, dass man gar keine Chance mehr hat, sich selbst zu schützen? Nein, denn der Mensch wird dadurch künstlich verdummt und unmündig gemacht.

Auch die Altersbegrenzungen sind im Grunde genommen sinnlos, denn nie wird wirklich richtig überprüft, ob sich ein Minderjähriger angemeldet hat oder nicht. Und wenn man es überprüft, dann mithilfe von Personalausweisdaten die man manuell eingibt, was man zum Beispiel bei PlayStation sieht. Doch hier wird der vermeintliche Schutz damit zunichte gemacht, dass man seine Dokumentdaten preisgeben muss, was sogar noch schlimmer ist als der Fakt, dass ein Minderjähriger sich dem Datenschutzkonflikt aussetzt. In diesem Fall haben wir einen Teufelskreis, dessen man sich bewusst sein sollte, wenn man das Internet nutzt.

Wenn man Beschwerden mit solch einem Inhalt losschickt, wird man oft ignoriert und dem „Chilling Effect“ überlassen, was so viel bedeutet, dass die Konflikte im Internet sich selbst regulieren. Aber das sollte man nicht tun, denn sonst wird die Kriminalität in Bezug auf die Datennutzung immer schlimmer und irgendwann kann man das Risiko nicht mehr minimieren.

Dies lässt sich an den heutigen Hetzaktionen im Internet verdeutlichen. Anhand von den Daten, die bestimmte Internetnutzer über uns sammeln können, werden bestimmte Nutzerprofile mit einer politischen Richtung oder sexuellen Orientierung mit Hasskommentaren bombardiert, was den Menschen sogar psychisch schädigen kann. Hier sieht man ganz klar, dass diese Datensammlung nicht einfach nur da ist, um uns die Internetnutzung zu erleichtern. Diese Verbrechen werden gezielt organisiert, was in der Dokumentation „Lösch Dich“ auf YouTube sehr gut erklärt wird.

Zusätzlich tauchen heutzutage traurigerweise auch Informationen von einem selbst auf, die man selbst nicht mit dem Internet geteilt hat. Bemüht man sich beispielsweise, nirgends den eigenen Standort zu verraten und die Standortinformationen in den Einstellungen für immer auszuschalten, so kommt es oft vor, dass einen Freunde auf einem Bild markieren, auf dem sie selbst auch ihren eigenen Standort markiert haben. Dadurch können andere daraus schließen, dass ich auch in der Nähe wohne, obwohl ich diese Information nie irgendwo explizit erwähnt hatte. Dieser Fakt wird zudem bestätigt, indem man beispielsweise auf Instagram ein Business oder Creator Profil erstellt und ab hundert Abonnenten sogar den statistischen Standort und das Alter der eigenen Abonnenten sehen kann. Ich meinesteils war sehr erstaunt, dass ich dadurch den Standort von meinen Freunden sehen konnte, die mit keinem Wort ihren Standort in ihrem Profil mentioniert hatten.

Deshalb sind auch solche Dinge wie die „Snapmap“, auf der man die Standorte der Freunde erkennen kann, sehr mit Kritik zu sehen, da man automatisch  durch andere ein Opfer von Datenmissbrauch werden kann.

In diesem Zusammenhang ist auch der Satz „Das Internet vergisst nie.“ wichtig anzusprechen, da Bilder, die man einmal aus Leichtsinn ins Internet stellt, wie zum Beispiel Bilder von Partys, nie richtig gelöscht werden. Das hängt damit zusammen, dass ständig Backups von den Websites erstellt werden, aber auch damit, dass andere User das Bild abspeichern können. So ist es auch vorgekommen, dass man Bilder von Partys, obwohl es nicht erlaubt ist, beim Vorstellungsgespräch vorgezeigt bekommen hat. Dies kann auch zu „Fake News“ im Internet führen, die die reale Begebenheit verzerren und ein neues, despektierliches Bild von einem schaffen können.

Zudem gibt es auch in unserer jetzigen Zeit Bots, die aus den gesammelten Informationen eine Identität erstellen und unter deinem Namen agieren können. Was noch mehr erschreckend ist, ist dass dies auch echte Menschen machen, um einem etwas Böses im Internet zu tun. Sie kommen mit legalen, indirekten Wegen dazu, deine eigene Identität zu übernehmen und so zum Beispiel die Sicherheitslücken im Online-Banking oder bei Passwörtern zu umgehen. Die Sicherheitsfragen, wie „Was ist Ihr Lieblingsessen?“ beim Vergessen eines Passwortes sind demnach auch absolut nicht sinnvoll, und das zeigt nur, dass der Anbieter des Kontos die Daten nicht gut schützt.

Soziale Netzwerke können uns zusätzlich auch dazu verleiten, direkt Daten an andere weiterzugeben, obwohl man nie weiß, wer genau hinter einem Profil steckt. Dies führt im schlimmsten Fall zu Treffen mit einer unbekannten Person und damit zusammenhängenden Straftaten. Dazu muss man aber konstatieren, dass Online Multiplayer Spiele wie Clash of Clans das Bekämpfen dieses Problems ziemlich gut umgesetzt haben, indem vor jeder Benutzung des öffentlichen Chats um respektvollen Umgang gebeten wird und von dem Preisgeben privater Informationen gewarnt wird.

Wenn man sich vor externer Datensammlung schützen will, kann man zum Beispiel ein Tor-Netzwerk benutzen. Diese Tor-Server lassen einen anonym im Internet surfen, weswegen diese oft von Journalisten, Juristen und staatlichen Behörden genutzt werden. Eben deswegen bringt man sich, obwohl man sich nur schützen möchte, in den Verdächtigenkreis digitaler Kriminelle, denn man ist dadurch schon so anonym, dass man schon wieder gefährlich werden könnte. Da drängt sich die Frage auf: „Soll man jetzt so einen Tor-Server benutzen und als Verdächtiger eingestuft werden oder stellt man anderen seine Daten zur Verfügung?“. In diesem Fall sollte die Antwort eigentlich „weder noch“ lauten, denn es soll jedem die Möglichkeit gegeben werden, sich selbst zu schützen.

Früher gab es aufgrund dessen spezielle Internetseiten, auf denen man überprüfen konnte, was das Internet schon über einen weiß, indem man sich in die Suchleiste eingegeben und eine Liste von Ergebnissen bekommen hat. Nun sind diese Internetseiten verboten, da sie alles Wissen über einen akkumulieren konnten. Jedoch: War das eine richtige Entscheidung? Denn die Daten sind nach wie vor im Internet, nur dass man jetzt nicht mehr wissen kann, was schon über einen bekannt ist und was nicht. Vor Allem im jetzigen Voranschreiten der Digitalisierung wird dieses Problem umso gravierender, denn nun hat man zu jedem Nutzerprofil sogar ein Gesichtsmuster, mit dessen Hilfe Bilder im Internet nach dieser Person gescannt werden können.

Als letztes ist es essentiell zu erwähnen, dass auch staatliche Behörden und Geheimdienste unsere Informationen sammeln, um Verbrechen nachverfolgen zu können oder sogar vorzubeugen. Dies kann man auch ambivalent sehen, denn einerseits wird so die Sicherheit des Landes verschärft, jedoch andererseits schränkt dies die Freiheit des Einzelnen ein und man gerät manchmal auch als Außenstehender in einen eigentlich vermeidbaren Konflikt. Auch in der Sache mit der Datensammlung zur Bekämpfung von Corona muss man die Freiheit des Einzelnen gegen die Internetsicherheit abwägen. Hier sollte man auch genau darauf achten, wem man die Daten wirklich gibt, denn die Datensammlung von Google zur Bekämpfung des Corona Virus hört sich meiner Meinung nach nicht sehr vielversprechend an, denn Google ist dafür bekannt, Informationen auch für andere Zwecke zu nutzen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Datenschutz bei uns noch in der Anfangsphase ist und es deswegen noch viele Akteure im Internet gibt, die unsere Daten missbrauchen. Eben deshalb finde ich, dass man selbst für das Internet ethische und moralische Richtlinien einführen sollte, an die sich eine Gesellschaft zu halten hat. Zum Einen ist es immer wichtig, seine eigene Sicherheit und die Sicherheit von anderen zu respektieren, indem man von den jeweiligen Personen Zustimmungen für Veröffentlichung von Daten einholt und man sich dessen bewusst ist, wer jetzt nun wirklich die eigenen Daten verwendet. Da wir das Risiko des Datenmissbrauchs nicht vollständig eindämmen können, gilt es, das Risiko zumindest ein wenig einzuschränken. Des Weiteren sollten die Websiteanbieter den Verwendungszweck der Daten genau erläutern und diese Erläuterung verständlich der Allgemeinheit zukommen lassen und somit Transparenz schaffen. Und schlussendlich, selbst in kritischen Situationen sollte man sein Recht auf Anonymität im Hinterkopf bewahren und nur denen Informationen vermitteln, denen man wirklich vertraut.

Fühlt ihr euch von der Datensammlung im Internet bedroht oder seid ihr optimistisch, was den Datenschutz angeht? Schreibt eure Meinung dazu in die Kommentare!

3 Antworten auf „Stalking im Internet“

  1. Hey Asparragus, 🙂
    Das ist ein sehr interessantes Thema, welches mit Sicherheit jeden von uns betrifft. Denn jeder nutzt das Internet und dessen Zahlreiche Plattformen. Ich persönlich fühle mich nicht sehr sicher im Internet. Ich glaube nicht, dass Datenschutzrichtlinien meine Daten schützen. Ich glaube das deshalb nicht, da das Internet so ein komplexes und internationales System ist. Wie soll man da eine gerechte Kontrolle durchsetzten? Außerdem finde ich es sehr traurig, dass der einfache Bürger alleine relativ machtlos gegen die großen Konzerne ist, wenn diese zum Beispiel seine Daten klauen. Datenschutzrichtlinien sind einfach viel zu kompliziert verfasst. Wenn diese kürzer und verständlicher ausgedrückt werden, dann hätten sie wenigstens einen aufklärerischen Nutzen. Momentan jedoch kann man nichts anderes tun als Vorsichtig mit seinen Daten umzugehen und zu hoffen, dass sich der Datenschutz zu Gunsten der Nutzer bessert.

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