Können uns Vorbilder und deren Verhalten beeinflussen?

Jeder von uns hat Vorbilder. Ganz egal, ob bekannt oder unbekannt, ob Eltern oder ältere Geschwister, ob Christiano Ronaldo oder Lionel Messi.
Ebenfalls ist klar, dass jeder von uns selbst ein Vorbild für andere Menschen ist. Auch hier ist egal, ob für jüngere Geschwister, Mitschüler, Freunde oder sämtliche andere Mitmenschen.
Zu Vorbildern schaut man „hoch“ und man schaut sich auch gewisse Dinge ab.
Deshalb stellt sich mir nun die Frage, ob Vorbilder und deren Verhalten uns beeinflussen und vielleicht sogar verändern können. Können diese für unser Verhalten und unsere Identität entscheidend sein?

Doch zuerst gilt es, den Begriff „Vorbild“ zu definieren. Vorbilder sind für mich Personen, deren Verhalten, Vorgehensweisen in bestimmten Dingen oder auch ganze Lebensabschnitte bewundert werden und schließlich auch erstrebenswert gesehen werden. Allerdings können Vorbilder meiner Meinung nach nicht nur beeindrucken, sondern auch inspirieren und vor allem auch motivieren.

Ich bin davon überzeugt, dass Vorbilder uns durchaus beeinflussen und sogar verändern können. Das muss nicht direkt uns als Person oder unsere Identität sein, sondern können Verhaltensweisen, Vorgehensweisen oder auch den Umgang mit bestimmten Personengruppen, Situationen oder auch Problemen sein.
Wie oft schauen wir uns Dinge wie beispielsweise die Art beim Kochen unserer Mutter ab?
Denn für mich geht es bei der genannten Ausgangsfrage nicht nur um die aktiv ausgesuchten Vorbilder wie beispielsweise ein Fussballspieler mit besonderem Erfolg, sondern hauptsächlich auch um die unbewussten „Vorbilder“. Vorbilder sind für mich auch Personen, wie Eltern, Trainer/-innen oder auch Lehrer/-innen. Ganz oft übernehmen wir Dinge von ihnen, auch unbewusst und automatisch. Vor allem in der Kindheit und Jugend sind diese entscheidend, da sie uns ganz klar in unserer Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung beeinflussen.
Oft geschieht dies unbewusst, wenn man also nun alleine kocht, da die Mutter auf der Arbeit ist, macht man ganz viele Dinge während der Zubereitung automatisch und ganz unbewusst genauso, wie es die Mutter duchführt. Dies ist ein ganz klares Beispiel und Argument dafür, dass uns unsere Vorbilder in unserem Handeln und Verhalten beeinflussen.

Doch auch bewusste und „aktiv ausgesuchte“ Vorbilder haben natürlich ebenso enormen Einfluss auf unser Denken, Handeln, aber auch auf unsere Sprache. Vorbilder beeinflussen unsere Meinungen, Einstellungen und Verhaltensweisen. Da man Vorbilder bewundert und beeindruckend findet, legt man automatisch einen großen Wert auf deren Ansichten, Verhaltensweisen, etc. Erzählt mein Fusballidol beispielsweise auf Instagram, er esse vor dem Spiel nur eine halbe Banane und zwei bis drei Datteln, ich hingegen habe aber immer eine ganze Banane gegessen, dann trägt dies maßgeblich dazu bei, dass ich beeinflusst werde, meine Meinung ändere, und schließlich auch nur eine halbe Banane esse. Ich bin direkt davon überzeugt, dass dieser Weg besser ist, da es ein proffessioneller Spieler und mein Idol ist, zusätzlich hat er Ernährungscoaches an seiner Seite. Skeptischer geht man mit der gleichen Aussage um, wenn es ein „normaler“ Freund behauptet. Ebenfalls bin ich davon überzeugt, dass Vorbilder und Personen, die wir bewundern, unsere Sprache beeinflussen und verändern. Man übernimmt Wörter und Phrasen, die „cool“ sind und baut diese selbst in den eigenen Sprachgebrauch ein. Dies kommt meiner Meinung nach hauptsächlich in der Jugend und deren Jugendsprache vor. Auch ich erlebe das häufig in meinem Freundeskreis und erwische mich selbst auch oft dabei, Wörter von der Fußballkabine meiner Mannschaft in die Schule zu transportieren.

Mir stellt sich nun jedoch die Frage, welche dieser zwei Arten von Vorbildern mehr Einfluss auf uns haben. Meiner Ansicht nach ist der größte Unterschied die Quantität und der Umfang, was wir uns „abschauen“. Während wir bei aktiv ausgesuchten Vorbildern meist nur in gewissen Teilen unseres Lebens, beispielsweise das Hobby Fußball, beeinflusst werden, befinden wir uns im täglichen Kontakt mit den unbewussten Vorbildern. So beeinflussen sie uns in den einfachsten, simpelsten Dingen, wie beispielsweise die Art des Zusammenlegens der Wäsche. Deshalb bin ich der Meinung, dass die Letzteren einen größeren Einfluss auf uns haben, wenn auch nicht bewusst. Was meint ihr?

Doch können Vorbilder auch Nachteile haben oder sogar Gefahren bergen? Die Psychologin Ilona Bürgel argumentiert hier klar dafür. Man solle also niemals das ganze Leben seines Vorbildes kopieren wollen, sondern nur bestimmte Teile des Lebens oder der Karriere. „Hier ist es ganz wichtig, dass man sich selbst gegenüber dem Vorbild auch abgrenzt.“, so Bürgel in einem Artikel der „WirtschaftsWoche“. Es bestehe die Gefahr, seine Identität zu verlieren. Eine weiteres Risiko sei darin zu finden, unsere Vorbilder als Ausrede zu nutzen. Man übernimmt als Beispiel schlechte Verhaltensmuster der Eltern wie beispielsweise das schnelle Aufgeben bei Problemen oder Situationen, in denen es nicht läuft. Spricht mich nun eine außenstehende Person darauf an, wieso ich immer so schnell aufgebe, sei die Gefahr zu erwidern, dass ich es mache, weil meine Eltern es doch genauso machen. Hier ist es wie bereits erwähnt, umso wichtiger, die Verhaltensmuster der Vorbilder zu hinterfragen und kritisch zu reflektieren. Doch ich denke, dass dies im Speziellen auch bei meinen aktiv ausgesuchten Vorbildern nötig ist. Nimmt mein Vorbild als Spitzensportler beispielsweise maßlos Tabletten und Nahrungsergänzungsmittel, um auf bestem Niveau performen zu können, ist es meine Pflicht zu reflektieren, ob dies das Richtige für mich und meine Gesundheit ist und auf meiner Leistungsebene mit den dazugehörigen Ambitionen überhaupt sinnvoll ist.

Um schließlich zu einem Fazit zu gelangen, sprechen viele Argumente dafür, dass Vorbilder uns und unser Verhalten beeinflussen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir uns viele Dinge von unseren Vorbildern und den Personen, die wir bewundern, abschauen und sie uns so in unserem Verhalten und unserer Entwicklung von Meinungen und Ansichten verändern. Allerdings muss man auch hinzufügen, dass Vorbilder durchaus gewisse Gefahren bergen können und es deshalb umso wichtiger ist, das Verhalten, die Meinungen, Einstellungen und Vorgehensweisen zu hinterfragen, reflektieren und abzuwägen, welche angemessen und welche unangemessen sind. Abschließend finde ich es nochmals wichtig zu appelieren, dass jeder von uns auch selbst ein Vorbild für andere ist, und dies ein weiterer Grund ist, sich angemessen zu verhalten. Jeder von uns ist für bestimmte Personen inspirierend, bewundernd, motivierend und genau deshalb auch beeinflussend und verändernd. Dies sollte man sich meiner Meinung auch viel öfters bewusst machen und deshalb auch sein eigenes Verhalten oftmals reflektieren und übderdenken. Was meint ihr denn, können Vorbilder uns, unser Verhalten, unsere Sprache und unsere Meinungen beeinflussen und verändern?

Quellen:

https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/psychologin-ilona-buergel-wie-vorbilder-unser-leben-beeinflussen/10351770.html

abgerufen am 03.07.2026











1 Kommentar

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Hi,

Vorbilder sind ein echt interessantes Thema und ich finde es echt gut, wie du zwischen unbewussten und gewählten Vorbildern differenziert hast. Um auf deine erste Frage zurückzukommen, welche Vorbilder uns mehr beeinflussen, bin ich der gleichen Meinung wie du, dass das wahrscheinlich eher die unbewussten Vorbilder sind, die unmittelbar in unserem Leben stehen.

Die sehe ich aber teilweise sogar noch problematischer als die, die wir bewusst gewählt haben. Bei deinem Beispiel der Profisportler ist einem schnell klar, dass man ihren Lifestyle nicht komplett kopieren kann, und man sieht generell meist nur ihre positiven Charakterzüge, die einen selbst am ehesten zu einer positiven Entwicklung drängen.

Bei den Eltern sieht das jedoch ganz anders aus. Wie du gesagt hast, nimmt man hier auch negative Eigenschaften wahr und adaptiert diese. Zusätzlich wirkt das Leben der Eltern erreichbar und normal, wodurch man solche Verhaltensweisen vielleicht auch weniger hinterfragt. Man könnte zum Beispiel in Gedankenmuster wie „Wenn mein Vater sich das Rauchen leisten kann und ich bis jetzt noch keine Schäden wahrgenommen habe, kann ich ja auch rauchen.“ verfallen.

Ich frage mich deshalb, ob gerade die unbewussten Vorbilder nicht viel schwerer zu reflektieren sind als bewusst ausgewählte. Einen Profisportler hinterfragt man vielleicht eher, die eigenen Eltern oder enge Bezugspersonen dagegen oft gar nicht. Findest du nicht auch, dass genau darin die größte Gefahr liegt?

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