Laut Duden beschreibt beten das Sprechen mit Gott oder einer höheren Macht, um zu verehren, zu danken oder um Hilfe zu bitten. Die Definition von Beten beinhaltet also schon einen Gott. Wenn man nicht an seine Existenz glaubt, verliert das Gebet ja seinen Sinn, oder?
Beten setzt einen Adressaten voraus. Wenn man für etwas betet, braucht man auch jemanden, von dem man glaubt, dass er das Gebet erfüllen könnte.
Außerdem geht die religiöse Bedeutung des Betens und mit der Zeit auch die Werte verschiedener Religionen verloren, in denen Beten eine sehr wichtige Rolle spielt, wenn die Menschen es ab jetzt alle tun würden, ohne dabei jedoch an Gott zu glauben.
Auf den ersten Blick würden also wahrscheinlich die meisten behaupten, dass Beten ohne Glaube ziemlich sinnfrei ist. Es gibt kein Ziel und keine Richtung, in die sich ein Gebet richten könnte. Wenn es sowieso niemanden gäbe, der das Gebet erhören oder erfüllen könnte, warum sollte man dann überhaupt beten?
Es gibt verschiedene Studien, in denen die Auswirkungen von Gebeten untersucht wurden.
In einer Studie von 2001 wurde für unfruchtbare Frauen gebetet, die sich einer In-vitro-Fertilisation, also einer künstlichen Befruchtung unterzogen. Für die Hälfte der 219 Studienteilnehmerinnen wurde gebetet und tatsächlich stieg die Schwangerschaftsrate in der Gruppe, für die gebetet wurde, auf 50% an gegenüber 26% in der Kontrollgruppe, für die nicht gebetet wurde. Außerdem war die Implantationsrate bei den Teilnehmerinnen, für die gebetet wurde doppelt so hoch.
Diese Studie zeigt ein Positivbeispiel und könnte als Beleg dafür angeführt werden, dass Beten hilft. Jedoch gibt es auch Studien, die gegenteilige Ergebnisse zeigen. Ein Beispiel dafür ist eine STEP-Studie von 2006. Bei den Teilnehmern der Studie handelt es sich um Bypass-Patienten, die in drei Gruppen mit jeweils rund 600 Probanden eingeteilt wurden. Außerdem gab es Gruppen von Personen, die für die Teilnehmer beten sollten. Die Patienten wurden zum Teil informiert, dass für sie gebetet würde und zum Teil, dass für sie vielleicht gebetet würde. Die zweite Gruppe war nochmals unterteilt in Patienten für die tatsächlich gebetet wurde und solche, für die kein Gebet stattfand. Die Patienten, die wussten, dass für sie gebetet wurde, hatten mit 59% eine höhere Komplikationsrate als die Vergleichsgruppen mit 51% und 52%. In diesem Fall hat das Beten quasi sogar „geschadet“.
Man kann also wissenschaftlich nicht beweisen, dass Gebete erhört werden. Auch durch das Einbeziehen verschiedener Studien lässt sich darüber keine eindeutige Aussage treffen. Man kann nicht bestimmte „Regeln“ befolgen um dafür zu sorgen, dass das, wofür gebetet wurde auch eintritt.
Normalerweise gibt es eine Ursache, auf die eine Wirkung folgt. Wenn man das Beten kausal betrachtet, dann gibt es auf eine Ursache (das Beten), jedoch zwei mögliche Ereignisse die eintreten können. Entweder das Erbetene tritt ein oder eben nicht. Dabei gibt es jedoch keine kausale Relation zwischen dem Gebet und den Ereignissen, denn ob das Erbetene eintrifft, ist zufällig. Das Resultat kann folglich nicht vom Gebet verursacht sein. Nach dieser Erklärung ist es völlig egal, ob man beim Beten an Gott glaubt oder nicht, denn man könnte genauso zu allem anderen beten. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Erbetene eintritt, bleibt gleich.
Folglich würde man die Frage, ob man an Gott glauben muss, dass Gebet sinnvoll ist, mit nein beantworten. Denn wenn es „zufällig“ ist, ob mein Gebet erfüllt wird oder nicht, ist es ja auch egal, an wen oder was ich dabei glaube. Jedoch muss man auch bedenken, dass es sich hierbei immer um Fürbittgebete handelt. Es wird gebetet, weil man will, dass Umstände sich ändern. Wenn man aber die Frage beantworten möchte, was Beten allgemein für Auswirkungen hat, muss man sich weniger auf die Erfüllung des Gebets zu konzentrieren, sondern den Fokus darauf legen, was das Beten an sich bewirkt.
Beten hat für den Betenden selbst eine beruhigende Wirkung, was die mentale Verfassung und das Immunsystem festigt. Außerdem kann regelmäßiges Beten zu einer besseren psychischen Gesundheit führen und Vorteile bei Angst- und Depressionssymptomen bedingen.
Ein weiterer Vorteil von Beten ist, dass es uns dazu bringt, unsere Wünsche zu erkennen und unsere Werte neu zu formulieren. Zudem geht es im Gebet selten um materielle Dinge, sondern man lernt auszudrücken, was einen beschäftigt. Dabei ist es in erster Linie völlig unwichtig, ob man an Gott glaubt oder nicht.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass ein starker Glaube Sicherheit gibt und die genannten Effekte nochmals verstärkt, weil man ein eindeutiges Ziel hat, das einem Orientierung gibt.
Um nun aber auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen: Ist beten denn nun sinnvoll, auch wenn man nicht an Gott glaubt? Ich würde sagen, ja, beten kann auch ohne Glaube sinnvoll sein. Es bringt gesundheitliche Vorteile mit sich und ich finde den Gedanken schön, dass man sich beim Beten Zeit nimmt, sich seine Werte, Wünsche und Ziele bewusst zu machen und es als eine Art Selbstreflexion zu sehen. Jedoch hat zum Beispiel Meditation ähnliche Effekte und könnte vielleicht als Alternative zum beten praktiziert werden, wenn man nicht an Gott glaubt. So entstehen keine Konflikte mit Religionen, in denen Beten ein wichtiger Teil der Beziehung zu Gott ist.
Ich finde, dass ein Gebet keinen gefestigten Glauben voraussetzt, aber ich fände es schön, wenn man regelmäßig betet, das mit dem Ziel zu tun, eine Beziehung zu Gott aufzubauen und den Glauben an ihn zu festigen oder auch überhaupt zu entwickeln. Wenn man aber gar nicht an Gott glaubt, sollte man vielleicht andere Methoden der Selbstreflexion nutzen, um ähnliche positive Effekte zu erzielen.
Denkt ihr, man muss an Gott glauben, dass beten sinnvoll ist? Lasst mich eure Meinung zu dem Thema gerne wissen.
Quellen:
https://www.becomingminimalist.com/why-prayer-matters-even-if-god-doesnt/ letzter Zugriff: 14.06.2026
https://natuerlich.thieme.de/blog/detail/was-sagt-die-wissenschaft-helfen-gebete-4594 letzter Zugriff: 14.06.2026
https://konfessionen.org/hilft-beten/ letzter Zugriff: 14.06.2026
5 Kommentare
Kommentieren →Heyy,
dein Blogbeitrag hat mich zum Nachdenken gebracht, weil du die Frage nach dem Sinn des Betens aus verschiedenen Perspektiven betrachtest und dabei sogar wissenschaftliche Studien einbeziehst. Besonders gelungen finde ich deine Unterscheidung zwischen der Frage, ob Gebete tatsächlich erhört werden, und der Wirkung, die das Beten auf den Menschen selbst haben kann. Dennoch bin ich bei deiner Schlussfolgerung nicht ganz deiner Meinung und würde einen anderen Schwerpunkt setzen.
Die Studien zu den Wirkungen von Beten finde ich zunächst sehr interessant. Es gibt keinen verlässlichen Nachweis dazu, dass Beten insofern wirksam ist, sodass Geschehnisse abgewendet werden können oder sich dadurch konkret Dinge ändern. Aber dennoch habe ich auch den Eindruck, dass Beten für Placebo-Effekte sorgen könnte oder eben viel Kraft gibt, schwierige Situationen vor allem durch mentale Stärke durch beten zu überstehen. Das ist mir bereits in den Sinn gekommen, als ich vor zwei Jahren eine sehr spannende Sammlung von wahren Geschichten, welche in Afrika stattfanden, gelesen habe, in denen im Zusammenhang mit dem Gebet außergewöhnliche Heilungen hervorgebracht worden sind, was durchaus auch für eine Wirkung des Betens spricht, insbesondere bezüglich der Lebenskraft und dem Durchhaltevermögen.
Nun muss ich aber vielleicht auch eine etwas andere Einsicht einbringen. Du argumentierst, dass Beten auch ohne Glauben sinnvoll sein kann, weil es die Selbstreflexion fördert und positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben kann. Meiner Ansicht nach beschreibt das jedoch eher die Wirkung von Selbstreflexion allgemein als die Besonderheit des Gebets. Journalling, Meditation oder auch ein bewusstes Gespräch mit vertrauten Menschen können ähnliche Effekte erzielen. Daraus folgt für mich, dass diese positiven Auswirkungen nicht spezifisch auf das Beten zurückzuführen sind, sondern auf die Tatsache, dass sich Menschen bewusst mit ihren Gedanken, Gefühlen und Werten auseinandersetzen.
Außerdem denke ich, dass die Bedeutung des Gebets eng mit seiner ursprünglichen Funktion verbunden ist. Bereits die Definition des Duden, die du aufführst, beschreibt Beten als ein Sprechen zu Gott oder einer höheren Macht. Auch in nahezu allen Religionen stellt das Gebet eine Form der Beziehung zwischen Mensch und Gott dar. Deshalb fällt es mir schwer, das Gebet vollständig von seinem religiösen Ursprung zu lösen.
Ich habe dazu auch recherchiert und bin auf den Philosoph Ludwig Wittgenstein getroffen, der das unterstreicht. Er vertritt die Auffassung, dass die Bedeutung eines Wortes aus seinem Gebrauch innerhalb einer Sprachgemeinschaft entsteht. Das Wort „Gebet“ ist historisch und kulturell untrennbar mit Religion verbunden. Natürlich kann Sprache sich verändern, doch solange die meisten Menschen unter Beten ein Gespräch mit Gott verstehen, erscheint es mir wenig überzeugend, dieselbe Handlung auch auf Menschen zu übertragen, die einen Gott ausdrücklich ablehnen. Dadurch würde der religiöse Charakter des Gebets zunehmend verloren gehen, was du auch in deinem Blog Post aufgeführt hast.
Ein weiterer Punkt betrifft die Motivation. Ich frage mich eher: „Betet man überhaupt, wenn man nicht an Gott glaubt?“ Ich bezweifle ehrlich gesagt, dass überzeugte Atheisten überhaupt das Bedürfnis haben zu beten. Wer nicht an einen Gott glaubt, wird vermutlich auch keinen Anlass sehen, mit ihm zu sprechen. Viel naheliegender ist es, auf Methoden zurückzugreifen, die mit dem eigenen Weltbild übereinstimmen. Ich selbst würde als Atheist beispielsweise niemals beten, um mein Verhalten zu reflektieren. Nicht, weil ich Selbstreflexion für unwichtig halte, sondern weil ich das Gebet immer als Zwiegespräch mit Gott verstehe. Für mich wären Journaling, Meditation oder bewusstes Nachdenken authentischere Wege, um meine Gedanken zu ordnen. Gerade deshalb glaube ich, dass die persönliche Weltanschauung entscheidend dafür ist, welche Form der Reflexion als sinnvoll empfunden wird.
Insgesamt würde ich die Schlussfolgerung daher etwas anders formulieren. Nicht der Glaube ist notwendig, um Selbstreflexion oder Hoffnung zu erfahren, wohl aber, um dem Gebet seinen ursprünglichen Sinn als Beziehung zu Gott zu geben. Wenn man nicht gläubig ist, kann man dieselben positiven Effekte wahrscheinlich durch andere Methoden erreichen, ohne auf eine religiöse Praxis zurückzugreifen. Deshalb halte ich Beten ohne Glauben zwar theoretisch für möglich, praktisch jedoch für wenig überzeugend.
Damit habe ich vielleicht nicht deine ursprüngliche Frage richtig beantwortet, aber ich sehe das Thema eben aus einer anderen Perspektive. 🙂
Vielen Dank für deinen interessanten und differenzierten Beitrag, welchem es nicht an Komplexität mangelte. Er ist wirklich gelungen!
Liebe Grüße Juli
Hey, ehrlich gesagt, habe ich zuvor nie darüber nachgedacht, ob man beten kann ohne dabei an Gott zu glauben. Aus diesem Grund hat mich dein Beitrag selbst etwas zum Nachdenken angeregt, da ich bevor ich dein Beitrag gelesen habe, davon überzeugt war, dass Beten nur sinnvoll ist, wenn es sich an jemanden konkret richtet. Ich selbst habe sonst darin nicht wirklich einen Sinn gesehen, weil alleine wenn ich das Wort „beten“ höre, ich an Gott denken muss und nie etwas anderes damit verbunden habe. Mir selbst gibt es Sicherheit beim Beten zu wissen, dass sie an jemand bestimmtes gerichtet sind, da ich somit mehr das Gefühl habe, gehört zu werden. Dein Beitrag wirft jedoch einmal eine ganz andere Perspektive auf diese Sache. Deine Argumente, insbesondere die Beweise mit den Studien fand ich erstaunlich und sie überzeugten mich letztendlich auch, meine eigene Ansicht zu hinterfragen und die Sache einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Letztendlich sehe ich es nun als durchaus sinnvoll, wenn Menschen beten um sich dabei selbst zu reflektieren und zur Ruhe zu kommen, ohne dabei seine Gebete konkret an Gott zu richten. Für mich persönlich ist das Beten zu Gott jedoch immer noch befriedigender, doch man kann abschließend sagen, dass es zum Glück jedem selbst überlassen ist ob und in welcher Form er betet.
Hi,
dein Beitrag zeigt gut, dass die Frage nicht einfach mit Ja oder Nein beantwortet werden kann. Besonders überzeugend finde ich den Hinweis, dass wissenschaftliche Studien bisher keinen eindeutigen Beleg dafür liefern konnten, dass Gebete tatsächlich Ereignisse beeinflussen. Deshalb sollte man vorsichtig sein, aus einzelnen Studien weitreichende Schlüsse zu ziehen.
Ich stimme der Schlussfolgerung jedoch nur teilweise zu. Meiner Meinung nach hängt die Sinnhaftigkeit des Betens davon ab, was man unter einem Gebet versteht. Wer betet, um bewusst mit Gott in Kontakt zu treten, braucht man zumindest einen gewissen Glauben an seine Existenz. Ohne diesen Glauben verliert das Gebet als religiöse Handlung seinen eigentlichen Sinn und wird eher zu einer Form der Selbstreflexion oder Mediation.
Gleichzeitig finde ih den Gedanken richtig, dass Beten auch unabhängig von Religion positive Auswirkungen haben kann. Sich Zeit zu nehmen, über die eigenen Wünsche, Ängste und Werte nachzudenken, kann beruhigend wirken und die psychische Gesundheit stärken. Allerdings würde ich eine solche Praxis dann nicht mehr als Beten, sondern eher als Reflexion bezeichnen.
Insgesamt macht der Beitrag deutlich, dass Beten sowohl eine religiöse als auch eine psychologische Dimension haben kann. Meiner Ansicht nach setzt ein Gebet im eigentlichen Sinn zwar den Glauben an Gott voraus. Die positiven Wirkungen, die mit dem Beten verbunden sind, können jedoch auch Menschen erfahren, die nicht religiös sind, dann allerdings durch andere Formen der Achtsamkeit und Selbstreflexion.
Hey, dein Blogpost ist insgesamt sehr gut strukturiert und inhaltlich stark durchdacht. Du gehst die Frage Schritt für Schritt an und erklärst zuerst den Begriff des Betens sehr klar, was einen guten Einstieg schafft. Besonders überzeugend finde ich, dass du nicht nur eine Meinung vertrittst, sondern auch Studien und unterschiedliche Perspektiven einbeziehst. Dadurch wirkt dein Text sachlich und gut begründet.
Auch deine Unterscheidung zwischen der religiösen Bedeutung des Betens und den möglichen psychologischen Effekten ist gelungen, weil du damit zeigst, dass das Thema mehr als nur „Glaube oder Nicht-Glaube“ ist. Deine Beispiele zu den Studien machen den Text zusätzlich interessant, auch wenn man bei solchen Ergebnissen immer kritisch bleiben sollte. Gut finde ich außerdem, dass du am Ende eine eigene, differenzierte Meinung formulierst und Alternativen wie Meditation erwähnst.
Insgesamt ist dein Text sehr reflektiert und regt zum Nachdenken an, weil du keine einfache Antwort gibst, sondern verschiedene Seiten beleuchtest.
Hey, ich finde deine Fragestellung sehr gut und auch wie reflektiert du auf diese eingegangen bist. ich als Atheist sehe diese Frage aus einem anderen Blickwinkel und werde versuchen diesen zu verdeutlichen. in heiklen Situationen habe ich mich schon erwischt, dass ich Bitten in meinem Kopf gestellt habe. Diese waren jedoch nicht an Gott gerichtet, sondern wurden eher in den Raum geworfen. Das heißt es hatte eine Formulierung wie an einen Adressaten, hatte aber keinen. Zählt das schon als beten? Ich würde aber trotzdem wie du behaupten das beten sinnvoll ist, obwohl sie ja wissenschaftlich nicht erfolgreich sind. Die mentalen Hilfseffekte reichen für mich als Legitimation für Gebete, auch wenn ich nicht glaube, dass sie jemals erhört werden.