Ziele als Grund unseres schulischen Misserfolges

,Es gibt wenig, das schon seit langen so kritisiert wird, wie die deutsche Schulpolitik (außer in Bayern natürlich (;  ). Ich behaupte, dass unter anderem die viel zu frühe Frage nach Ziele im Leben, der Grund für die Mißlage viel zu vieler Schüler in Deutschland ist.

Schon von Beginn an werden wir gefragt „ja was willst du denn später mal werden“. Das ist zunächst mal nicht verwerflich, jedoch begleitet uns die Frage bis zum Ende der Schulzeit. Am Ende stehen die meisten Schüler da und treffen auf den letzen Drücker eine Entscheidung, die noch nicht einmal für sie selbst zufriedenstellend ist.

Die schulischen Ziele die wir uns setzen sind selten unsere eigenen. Schule ist zu einer Ausbildungsmaschinerie geworden. Vorne rein und hinten wieder raus. Doch was ist das Ergebnis? Unmotivierte Gymnasiasten, die ernsthaft sagen sie wollen Abitur. Das Ziel Abitur ist eine uns eingeprägte Notwendigkeit der Politik, damit Deutschland mit hundert tausenden Abiturienten und den daraus hervorgehenden Studenten im internationalen Vergleich als Gewinner hervorgeht. Tatsache jedoch ist, dass wir nur äußerlichen Schein wahren. Längst nicht alle Schüler sind für das Niveau eines Gymnasiums geeignet, welches trotz mancher teilweise vorherrschenden Meinungen, immer noch höher als das von Haupt- oder Realschule ist. Das führt zu schlechten Noten. Viel schlimmer noch, der Druck, den wir sowieso schon durch die Gesellschaft erfahren, wird nur noch größer. Wir können uns kaum noch mit uns selbst beschäftigen, kaum noch entfalten, geschweige denn mit den relevanten Dingen des Lebens beschäftigen. Nicht, weil wir keine Zeit dazu hätten, Nein – Freizeit haben wir in meinen Augen immer noch reichlich – die Schule sollte die Aufgabe haben uns die relevanten Dinge des Lebens ans Herz zu legen, uns zu motivieren dass wir uns wirklich Gedanken machen über das Wichtige in unserem Leben und nicht dass wir nur etwas nachplappern das sowieso jeder Unqualifizierte behauptet. Wo ist die Fantasie, wo die Kreativität, und vor allem, wo die Leidenschaft? Kunst, Musik- und Sportunterricht sind nur noch Schatten ihrer selbst. Da weiß doch niemand mehr, wozu gibt es das überhaupt noch?! Vor kurzem stand unter meiner Englisch Arbeit, ich solle doch mehr von dem in den Aufsatz einbauen, was wir im Unterricht behandelt haben. Ich pass doch nicht im Unterricht auf, wenn mir nur das erzählt wird, worauf ein Grundschüler mit ein wenig nachdenken kommt.

Wenn wir schon bei Grundschülern sind. Auch hier zeigt sich, dass wir viel zu früh mit Zielen konfrontiert werden. Wie bitte soll ein 10-Jähriger wissen ob er gut genug ist für eine höher qualifizierte Schule oder nicht. Und woher soll ein 10-Jähriger wissen ob er für sein späteres Berufsleben Abitur braucht. Die Grundschulempfehlung wurde doch bestimmt nur deshalb abgeschafft, damit noch mehr ihr Abitur haben

Sobald du in der Oberstufe angelangt bist, willst du den Unfug doch sowieso vollends durchziehen. Dann kannst du dich die zwei Jahre ja auch noch durchquälen- ist dann ja auch egal (Vorsicht, leichter Anflug von Sarkasmus!!). Bis zum Zeitpunkt des Abiturs haben die Wenigsten sich wirklich angestrengt, kaum was gelernt, haben sich mit schlechten Noten zufriedengegeben, weil sie wussten dass Abitur doch eigentlich nur ein Abschluss ist mit dem man danach etwas mehr Geld verdienen kann als andere. Letztlich nehmen wir doch kaum was mit. Vor allem aber deshalb, da wir nur im geringen Anteil das angeboten bekommen, was wir wirklich brauchen. Dementsprechend ist den meisten doch egal was vor der Tafel erzählt wird. Es ist selbstverständlich trotz dessen möglich gute Noten zu schreiben. Doch sind es nur erfolglose Erfolge. Deswegen sehe ich Erfolg als Nachhaltigkeitsbegriff. Erfolg in der Schule heißt demnach nicht gute Noten zu schreiben, sondern sich zu entwickeln. Nur wie soll das gehen, wenn wir nicht von dem bestehendem Schulsystem dabei unterstützt werden. Genau deswegen haben sowenige Abiturienten keine Ahnung was sie machen sollen. Sie sind sich in ihrer Entscheidung nicht sicher.

Wir sollten uns nichts vormachen. Ziele sind viel zu oft trügerisch und führen uns nur in die Irre. Letztlich haben wir nichts davon, sind unglücklich und deprimiert. Vor allem müssen wir aufpassen das wir uns nicht selbst belügen wenn wir uns Ziele setzen, und uns immer die Frage stellen: „Will ich das überhaupt?  Bringt mich das weiter?“ Ich bin der Meinung, dass es einen größeren Nutzen nach sich zieht jeden Moment für sich zu betrachten, jeden Moment als Ziel zu sehen. Umso überraschter ist man am Ende wie weit man doch gekommen ist. Es gibt keine Enttäuschung, nur  Überraschungen. Wenn du dir Ziele setzt, verdirbst du dir die Leidenschaft und dich selbst, weil du dich selbst vergisst. Pass allerdings auf, dass du die Frist nicht überziehst. Nimm alles hin wie es kommt, und entscheide dann. Erfolg misst sich an Qualität, und nicht an Quantität.

Was denkt ihr über das Thema?                                                                                                                Findet ihr ich habe recht, oder liege ich eurer Meinung nach nicht richtig?                                                  Könnt ihr etwas mit dem Beitrag für euch persönlich etwas anfangen?                                                      Wie müsste man das Schulsystem ändern?

Schreibt doch  in die Kommentare. Es interessiert mich brennend was ihr antwortet.

Euer

Achtungdenken

4 Antworten auf „Ziele als Grund unseres schulischen Misserfolges“

  1. Ich finde deine Gedankengänge überhaupt nicht abwegig. Ich habe mir vor 20 Jahren genau die gleiche Frage gestellt, als ich 17 war. Ich habe die Schule gehasst, weil ich nicht wusste, was ich damit anfangen kann im Leben. Eins hat sie mir damit gezeigt: Wenn du dein Leben zufrieden leben möchtest, dann lerne wieder, auf deine eigene innere Stimme zu hören und nicht auf das, was die Erwachsen dir so erzählen. Sie sagt dir schon, wo es hingehen soll. Ich bin nach 5 verschiedenen Jobs jetzt Lehrer geworden (wenn das meine Lehrer von damals wüssten). Und ich bin glücklich damit, wie ich es auch mit den anderen Jobs war. Sobald mir meine innere Stimme gesagt hat: „Geh‘ weiter! Entwickle dich!“ ,habe ich mich wieder auf den Weg gemacht. So kann man glücklich werden im Leben. Ich jedenfalls bin es.

  2. Hallo Achtungdenken,
    ich kann dir in fast allen Punkten vollständig zustimmen, du beschreibst sogar ziemlich genau mein aktuelles Empfinden. Vielleicht bin ich gerade an einem ähnlichen Punkt wie du, an dem man sich eigentlich entscheiden sollte, was man machen möchte in seinem Leben, aber keine zunächst greifbare Lösung, kein ohne weiteres zu erreichendes Ziel vorhanden ist. So, ist es jedenfalls bei mir. Jedoch würde ich in diesem Fall nicht dem Schulsystem die vollständige Schuld geben, ich denke die Gesellschaft und jeder individuelle Charakter spielt hierbei auch eine enorm große Rolle. Natürlich gibt es jede Menge Jugendliche, die nicht für das Lernen und den Leistungsdruck gemacht sind und dadurch dann eventuell das ein oder andere Jahr länger benötigen, bis sie wirklich dort angekommen sind, wo sie sich entfalten können, in einem Beruf, in dem sie tatsächlich Glück empfinden. Allerdings glaube ich auch, dass es sehr viele gibt, die einen gewissen Druck benötigen, um in ihrer Jugend schon voran zu kommen. Und das ist leider die traurige Realität, in einer so wirtschaftsorientierten Gesellschaft, in der wir uns befinden. Man muss früh anfangen um wirklich etwas zu erreichen und am Besten, sich so wenig wie möglich zu Schulden kommen lassen, doch wird man dadurch wirklich glücklich??? Ich kann mir das in meinem Fall nicht vorstellen, ich hab garnicht das Bedürfnis, nach einem möglichst gut bezahlten Job zu streben, einfach weil ich weiß, dass ich dadurch nicht glücklich werde und das alles, ist aber lange kein Grund, aufzuhören an sich selbst zu glauben, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen und wirklich vollständig auf sein Herz zu hören. Wir sollten Glück, Frieden, Liebe geben und Liebe bekommen mal als Ziel sehen. Ich bin überzeugt würde man jetzt Abiturienten fragen, was deren Ziel sei, kämen die wenigsten auf die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen, dies wird heute als vorhanden vorausgesetzt, doch auch darum muss man sich kümmern und auch dafür muss man etwas tun.

  3. Hallo:)
    Ich stimme dir auch zu, dass das Schulsystem auf jeden Fall verbesserungswürdig ist. Genau wie du empfinde ich es als kritisch, dass man neben der Schule kaum noch Zeit hat, sich selbst zu entfalten, das zu machen, was einem Spaß macht. So habe ich z.B. 4 Monate lang keine Zeit gefunden, etwas für mich zu tun, mal wieder etwas zu zeichnen oder zu lesen, was ich wirklich erschreckend finde.
    Das sture Auswendiglernen, was im Unterricht vorgekaut wurde, ist ebenfalls kritisch zu betrachten, denn wo bleibt da das eigene Denken, das kritische Hinterfragen, die Kreativität, die Innovation, die heutzutage von fast allen Unternehmen gefordert wird?
    Ich merke auch, vor allem in letzter Zeit, dass alle einen fragen, was man nach dem Abi macht, und wenn man dann z.B. sagt, man studiere Philosophie oder so etwas, dann kommt immer die Frage, was man denn damit wird und welchen Beruf man damit ergreifen kann. Kann man denn nicht etwas studieren, was einen interessiert und was einem Spaß macht, ohne dass man es gleich auf die möglichen Berufsaussichten beziehen muss? Ansonsten müsste man viele Studienfächer gleich „in die Tonne treten“, denn was kann man mit Kommunikationswissenschaften, Germanistik, Kunst im Berufsleben groß anfangen außer (überspitzt gesagt) zu kommunizieren, zu schreiben, zu malen? Bei solchen Fächern ist es nun einmal so, dass man keinen direkten Beruf in Aussicht hat, es ist anfangs nicht klar, was man damit später genau anfangen kann. Ich finde, dass man das Studium nicht als Mittel zum beruflichen Erfolg nutzen sollte, sondern um seine Interessen zu vertiefen und sich weiterzubilden. Doch das verstehen viele Menschen nicht…

  4. Ich stimme dir in deinen Ansichten über das Abitur und das Schulsystem vollkommen zu. Und ich habe mich auch schon oft gefragt, woher jemand, der sein Leben lang nur zur Schule gegangen ist auf einmal wissen, was er sein restliches Leben machen möchte. Oder welchen Job er die nächsten Jahre es ausüben will. Es ist beinahe unmöglich bei den ganzen Berufen die es gibt, von denen man jedoch die meisten gar nicht kennt.
    Die Erwartungshaltung der Gesellschaft in diesem Punkt, dass man sofort nach dem Abitur oder dem Abschluss eine Ausbildung oder ein Studium anfangen soll, da man ansonsten „Lücken“ im Lebenslauf hat, bauen meiner Meinung nach viel zu viel Druck auf und sorgen oft nur dafür, dass man sich für das kleinste Übel entscheidet und somit einige Jahre oder sogar den Rest seines Lebens unglücklich verbringt. Meiner Meinung nach sind die früheren Einschätzungen, ob jemand aufs Gymnasium gehen sollte oder nicht, zwar nicht sehr aussagekräftig, da man wie du bereits sagtest als 10 Jähriger wohl kaum schon sein volles Leistungspotential ausgeschöpft hat. Allerdings finde ich ist die neue Methode auch nicht ideal. Man sollte nicht einfach jedes Kind aufs Gymnasium schicken, nur weil die Eltern das wollen, das baut nur unnötigen Erwartungsdruck für das Kind auf.
    An sich sollte die Schule die spätere Berufswahl mehr unterstützen und verschiedene Perspektiven aufzeigen,durch zum Beispiel Informationstage mit Auszubildenden und Arbeitenden, vielleicht würde das die Entscheidung vieler Schüler erleichtern, wenn sie direkte Ansprechpartner haben, mit denen sie über die Berufe reden könnten.

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