Babyklappe

Schon seit vielen Jahren gibt es heiße Debatten über die sogenannten Babyklappen.

In diesen Vorrichtungen ist es Müttern möglich ihr Neugeborenes anonym an ein Institut abzugeben. Häufig sind an diesen Klappen Informationsmaterialien in verschiedenen Sprachen ausgelegt, die zur Beratung der Mütter dienen und ihnen nochmal bewusstmachen, wofür sie sich da gerade entscheiden. Das Prozedere selbst ist nicht schwer, die Klappe wird geöffnet, das Kind in ein Wärmebett gelegt und sobald die Klappe geschlossen wird, ruft ein elektronischer Alarm nach Hilfe, so dass das Neugeborene versorgt werden kann.

Nun stellt sich vielen die Frage, sollten Babyklappen abgeschafft werden?

Die Meinungen gehen hierbei weit auseinander und auch ich finde diese Frage kann nicht einfach mit einem „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden.

Mein erster Gedanke hierzu war, „natürlich sollten Babyklappen abgeschafft werden“, aber umso näher das Thema betrachtet wird, umso schwerer fällt es einem einfach „Ja“ zu sagen.

Es ist klar, dass es viele Gründe gibt, die gegen die Babyklappen sprechen. Zum einen kann angeführt werden, dass es Müttern zu einfach gemacht wird ihr Kind problemlos, anonym und ohne irgendwelche Schwierigkeiten abzulegen. Dies kann zu leichtfertigen Entscheidungen führen, die später in vielen Fällen nur noch schwer zurückzunehmen sind. Werden alleine die Regelungen bei einer Abtreibung betrachtet so wirkt die Leichtigkeit ein bereits geborenes Kind abzugeben schon fast lächerlich. Darüber hinaus kann nicht nur gesagt werden, dass es zu leichtfertigen Entscheidungen führen kann, sondern auch, dass es den Müttern zu leicht gemacht wird die Kinder von ihren Wurzeln zu entfernen. Dies kann große Folgen für das Kind mit sich führen, denn viele adoptierten Kinder haben im Laufe ihres Lebens Identifikationsprobleme, Bindungsängste oder viele andere Probleme. Ebenfalls der Fakt, dass das Kind möglicherweise nicht adoptiert wird und in Kinderheimen landet ist meiner Meinung nach nicht außer Acht zu lassen. Bei diesen Schilderungen wird schnell klar, dass die Leichtigkeit des Unterfanges Probleme sowohl für Kind als auch Mutter mit sich bringen kann.  

Ein anderer häufig angebrachter Grund, der für die Abschaffung von Babyklappen spricht, ist das Problem, dass nicht kontrolliert werden kann, wer das Kind reinlegt und ob dies überhaupt freiwillig geschieht. Eine 14 oder 15-Jährige die ungewollt schwanger geworden ist wäre hierfür ein gutes Beispiel. Wird nun angenommen, dass sie zwar das Kind behalten wollte, die Eltern der Schwangeren oder der Freund jedoch nicht, so wirft sich vielen die Frage auf was sie davon abhalten sollte, das Kind in eine Babyklappe zu legen oder die Mutter dazu zu zwingen. Dies würde also ohne die Einwilligung der Mutter geschehen und trotzdem würde es später juristisch gesehen sehr schwer für die Mutter werden ihr Kind zurückzuholen. Vor allem in einem so jungen Alter, in welchem einem selbst nicht genau bewusst ist was getan werden sollte, an wenn man sich wenden kann oder vielleicht auch einfach noch nicht der Mut da ist sich beispielsweise gegen die Eltern aufzulehnen, kann diese Anonymität ein großes Problem darstellen.

Ebenso kann die Anonymität schon bei der Geburt ein großes Problem aufwerfen, denn viele entscheiden sich aus Anonymitätsgründen dazu das Kind nicht im Krankenhaus, sondern alleine zu Hause ohne jegliche Aufsicht zu gebären. Das Kind wird anschließend ohne jegliche Untersuchung direkt zur Babyklappe gebracht. Das eine solche Geburt viele Risiken für Mutter und Kind mit sich bringen kann ist hierbei wohl jedem bewusst.   

Natürlich gibt es aber auch Gründe wieso die Babyklappe überhaupt eingeführt wurde und weshalb sie bisher auch noch nicht abgeschafft wurde. Der für mich wichtigste Grund ist hierbei vor allem der Fakt, dass viele verzweifelte Menschen zu allem bereit sind. Dies ist auch daran zu sehen wie oft, trotz Babyklappe, in den Nachrichten berichtet wird, dass ein Kind in einem Müllcontainer oder Altkleidercontainer gefunden wurde. Da wirft sich einem doch die Frage auf, wie würde das erst aussehen, sobald es keine Babyklappen mehr gibt?   

Ein anderer Grund ist natürlich die Anonymität die vielen Frauen den Vorteil bringt sich nicht der öffentlichen Meinung stellen zu müssen und sie dadurch die Entscheidung nur im Sinne ihres Wohles treffen können. Ebenfalls finde ich es hierbei wichtig zu erwähnen, dass viele Mütter ihr Kind aus der Motivation, ihrem Kind eine bessere Zukunft zu bieten, in die Babyklappe legen. Gründe hierfür könnten sein, dass sie es selbst nicht richtig versorgen könnten beziehungsweise denken sie haben nicht genug Geld um dem Kind alles zu bieten was es braucht. Die andere Frage hierbei ist jedoch ob die Kinder so wirklich eine bessere Zukunft haben werden oder auch ob es in diesem Fall es nicht besser wäre sich mit Hilfe einer Agentur noch während der Schwangerschaft nach Adoptiveltern umzusehen. Die zweite Möglichkeit stände hierbei natürlich aber nur zur Auswahl, wenn die Mutter keinen Wert auf die Anonymität legt.

Zusammenfassend kann meiner Meinung nach gesagt werden, dass es natürlich unendlich viele Gründe gibt weshalb die Babyklappe abgeschafft werden sollte aber die wenigen bzw. der eine ausschlaggebende Grund sie nicht abzuschaffen doch sehr schwer ins Gewicht fällt. Deshalb würde ich die Babyklappe nicht abschaffen, bis es nicht eine gute Alternative gibt, die sowohl direkte Aufklärung, als auch gewisse Anonymität liefert. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise eine Art Beichtstuhl, wobei das Kind erst nach einem Gespräch abgelegt werden kann bei dem die Identität trotzdem anonym bleibt.  

Was sagt ihr dazu?

Seid ihr dafür, dass die Babyklappe abgeschafft wird oder sollte sie beibehalten werden?

Ich bin sehr gespannt auf eure Kommentare.               

Quellen:

3 Antworten auf „Babyklappe“

  1. Hallo GossipGirl,
    Dein Essay ist sehr interessant. An die Babyklappe habe ich bis jetzt kaum denken müssen, wobei das so ein großes Thema ist. Ich finde man sollte sie nicht abschaffen, da es sonst wie du schon sagtest, zu gefährlichen und leichtsinnigen Aktionen von verzweifelten Müttern kommt. Jedoch sollte man die Option Babyklappe verbessern. Ich finde man sollte nicht nur einen so genannten Beichtstuhl haben, sondern sollte es mehr Informationen zur Alternative geben. Denn die Babyklappe sollte wirklich die letzte Option für jede Frau sein.

  2. Hallo GossipGirl,
    Du hast dir für deinen Blogbeitrag wirklich ein interessantes Thema ausgesucht. Bis ich deinen Beitrag gelesen habe, war mir nicht bewusst, dass es so etwas wie Babyklappen gibt. Also vielen Dank dafür. Du beschreibst in deinem Betrag sehr genau, was die Babyklappen sind und warum sie abgeschafft bzw. nicht abgeschafft werden sollten.
    Ich stimme dir zu, dass diese Frage alles andere als einfach zu beantworten ist. Du hast viele Argumente angeführt, warum die Babyklappe abgeschafft werden sollte und ich kann all diese Argumente nachvollziehen. Babyklappen bieten jungen Mädchen oder Frauen die Möglichkeit ein Neugeborenes anonym abzugeben. Das wirkt, wenn man es so liest meiner Meinung nach etwas unmenschlich, wenn nicht sogar herzlos.
    Ich finde trotzdem, dass die Babyklappen beibehalten werden sollte, bis es eine bessere Lösung gibt. Babyklappe wurden eingeführt, um Leben zu retten, um Säuglingen eine Versorgung zu bieten, die sie von ihren leiblichen Eltern nicht bekommen haben. Ich finde das ist ein guter Ansatz, denn die Alternative, wie du sie auch beschrieben hast, wäre, dass das Baby irgendwo abgelegt wird und im schlimmsten Fall stirbt. In manchen Fällen ist die Mütter nicht fähig für ein Kind zu sorgen und dass es die Möglichkeit gibt, dass dieses Kind versorgt wird und das Recht zu leben in Anspruch nehmen kann, finde ich als Idee gut.
    Die Debatte um Babyklappen ist wirklich keine einfache.
    Für die Zukunft sollte man aber nach Alternativen suchen, denn es sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die Babyklappen ethisch und rechtlich sehr problematisch sind. Vor allem, indem es das Recht des Kindes verletzt seine Herkunft zu Erfahren. Ich finde man sollte nach anderen Maßnahmen suchen und eventuell sind sogar nicht anonyme Angebote effektiver, um dem Ziel Leben zu retten und dieses lebenswert zu gestalten näher zu kommen.
    Liebe Grüße,
    Arendt

  3. Hallo Gossip Girl,
    vielen Dank für deinen Blogbeitrag! Ehrlich gesagt habe ich vor dem Lesen deines Beitrags noch nie von Babyklappen gehört. Ich habe mich sofort gefragt ob es anderen wohl auch so geht und bin sehr froh, dass du mit deinem Beitrag auf dieses Thema aufmerksam gemacht hast.
    Als ich mit dem Lesen angefangen habe dachte ich erst, dass ich die Babyklappen gut finde, aber dann hat sich meine Meinung immer wieder verändert und im Moment bin ich ehrlich gesagt verwirrt und weiß noch nicht so genau was ich von den Babyklappen halte.
    Auf jeden Fall stimme ich dir zu, dass die Babyklappen für frische Mütter als eine Art „sichere Rettung“ für ihre Kinder gesehen werden können. Denn durch die Klappe weiß die Mutter, dass sich um ihr Kind gekümmert werden wird, auch wenn sie es selbst aus verschiedenen Gründen nicht kann. Ich finde es, wie du auch schreibst, eine gute Möglichkeit, um zu vermieden, dass Kinder beispielsweise in einem Müllcontainer abgelegt werden.
    Auf der anderen Seite möchte ich auf ein Interview eingehen, welches ich nach deinem Beitrag gelesen habe. In diesem steht, dass sich die Zahl der tot oder ausgesetzt gefundenen Babys vor und nach der Einführung der Babyklappen nicht verändert hat, was grob bedeutet, dass diejenigen Frauen, die ihre Babys in Babyklappen ablegen, vor der Einführung der Klappen ihre Babys nicht auf einen anonymen Weg weggegeben haben, was zum einen viele Vorteile für die Babys hatte.
    Ich will damit nicht sagen, dass die Mütter deswegen ihre Babys früher behalten haben, aber es ist wahrscheinlich, dass die Kinder beispielsweise adoptiert wurden und auf diesem Wege die wichtigen Daten der Mutter bekannt waren. Denn durch eine Adoption weiß die Adoptionsfamilie im Normalfall zum Beispiel über die Krankheitsgeschichte des Kindes Bescheid. Wenn in der Familie der Mutter beispielsweise Brustkrebs häufig vorkommt und es deshalb möglich ist, dass das Baby Brustkrebs vererbt haben könnte, ist es wichtig für die Adoptiveltern von der Krankheit zu wissen um dem Kind beim möglichen Auftauchen der Krankheit zum Beispiel helfen zu können.
    Zum anderen ist es wahrscheinlich, dass die Babyklappe für die Mutter ein extrem traumatisches Erlebnis ist, was ihr Leben danach extrem beeinflussen wird. Meistens handelt es sich um Frauen, die niemandem von ihrer Schwangerschaft erzählt haben und deshalb zu dem anonymen Weg der Babyklappe greifen. Mit all diesen Erfahrungen allein zu sein (Schwangerschaft, Geburt, Babyklappe) kann meiner Meinung nach gar nicht keine Auswirkungen auf das Leben der Frau haben, sondern muss massive haben. Das Kind am Ende in die Babyklappe zu legen und somit auch jeglichen Kontakt zu dem Kind zu brechen löst deshalb die Probleme der Frau nicht, sondern verstärkt diese eher.
    Zusammenfassend und unter Beachtung des Interviews denke ich zum einen, dass die Babyklappe in Einzelfällen extrem wichtig ist. Damit meine ich die Fälle, bei denen die Babys in die Babyklappen abgelegt werden anstatt zum Beispiel in verlassene Straßen. Deswegen ist die Babyklappe auch eine viel sichere und bessere Alternative.
    Allerdings denke ich in Bezug zu dem Interview, dass die Babyklappe auch eine sehr schlechte Lösung für das Baby und die Mutter sein kann. Denn wenn es sich im Normalfall wirklich nicht um diese Einzelfälle handelt, wie das Interview beschreibt, denke ich, dass die Babyklappe für das Baby aber vor allem für die Mutter psychisch extrem belastend sein kann/muss.
    Liebe Grüße,
    janedoe

    Quelle des Interviews: https://www.sueddeutsche.de/politik/20-jahre-babyklappe-sie-geben-hart-gesagt-mit-dem-baby-ja-nur-das-symptom-ab-1.4871305

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