Moderner Feminismus – Gerechtigkeit für alle oder doch nur eine Methode der Misandrie?

Frauen gehen auf die Straße, protestieren und vertreten ihre Meinung in den Medien, um für Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen zu sorgen — Männer sehen eine förmliche Hasswelle gegen ihr eigenes Geschlecht.

Schon im 19. Jahrhundert trat die Bewegung des Feminismus in der Öffentlichkeit auf, die sich bis heute zu einem kritischen Thema in der Gesellschaft und der Politik entwickelt hat.

Der Feminismus wird allerdings von vielen Menschen stark kritisiert und teilweise sogar als wertlos für die Gesellschaft angesehen, wie in dem Zitat „Feminismus existiert nur um hässliche Frauen in die Gesellschaft zu integrieren.“ von dem deutsch-amerikanischen Schreiber Henry Charles Bukowski, verdeutlicht wird

Doch was steckt tatsächlich hinter diesem Problem und ist der männerfeindlich aufgefasste Feminismus überhaupt noch als Feminismus zu definieren?

Um diese Thematik zu besprechen, ist es zunächst wichtig zu definieren, was wir unter den Begriffen  „moderner Feminismus“ und „Misandrie“ verstehen.

Der Begriff moderner Feminismus bezeichnet eine Bewegung, bei der es darum geht,traditionelle Geschlechterrollen aufzubrechen und Frauen die gleichen Rechte wie Männern in der heutigen Gesellschaft zu ermöglichen. Beispielsweise sollen Frauen nicht länger als das schwache Geschlecht angesehen werden oder lediglich das Eigentum eines Mannes sein, das den Haushalt regelt und den Nachwuchs gebärt sowie erzieht. Ein weiteres wichtiges behandeltes Thema ist die „Gender Pay Gap“, bei der das im Durchschnitt höhere Gehalt von Männern im gleichen Beruf als kritisch angesehen wird. Der moderne Feminismus ist somit die auf die aktuelle Zeit angepasste Form des ursprünglichen Feminismus, bei dem Hauptthemen zum Beispiel das Wahlrecht von Frauen waren. Außerdem sieht man den modernen Feminsmus vor allem in den Medien.
Es geht also nicht um die Erniedrigung von Männern, sondern lediglich um einen Ausgleich der Verhältnisse zwischen Männern und Frauen.

Wenn man von Misandrie spricht, wird der Begriff meistens als ein Synonym für Männerhass verwendet. Dabei ist dieser oft nicht begründet. Vor allem problematisch an Misandrie ist, dass hier eine generalisierte Form des männlichen Geschlechts gebildet wird, die auf viele Personen nicht zutrifft und somit auch Hass gegen unschuldige Personen aufkommt.

Wann kann angeblicher Feminismus als Misandrie verstanden werden?

In der heutigen Gesellschaft kommt es immer wieder zu Vorfällen, bei dem der Feminismus als Misandrie bezeichnet wird. Durch die Definition des Feminismus scheinen diese zu Beginn nicht nachvollziehbar, da hier Gerechtigkeit und nicht Hass erzielt werden soll. In der Realität zeigt sich das aber häufig anders: Misandrie geschieht gravierend oft in den sozialen Medien. Statt aktiv gegen das Patriarchat zu kämpfen, werden Aussagen, wie „Ohne Männer wäre die Welt besser.“ oder „Männer wollen immer nur die Kontrolle über Frauen.“ getätigt. Nun entsteht hier also die Problematik, dass die Aussagen nicht rein über die Problematik der Bevorzugung von Männern im Staat aufklären, sondern zielgerichtete beleidigende Aussagen gegenüber Männern tätigen. Natürlich ist es wichtig zu erwähnen, dass viele dieser Behauptungen noch aufgrund des früher normalisierten Bilds zwischen Männern und Frauen verwendet werden. Trotzdem sind sie in der heutigen Zeit nicht auf alle Personen des Geschlechts anwendbar und nicht akzeptabel.

Wie entstehen diese problematischen Aussagen?

Häufig dienen persönliche Erfahrungen, wie häusliche Gewalt oder Missbrauch als ein Auslöser dafür. Nachdem sich die Frauen aus den traumatischen Verhältnissen befreit haben, erzählen sie von ihren Erfahrungen. Hierbei ist es wichtig zu erwähnen, dass diese Erfahrungsberichte anderen Opfern helfen können, ihre Notlage zu realisieren und zu verlassen. Allerdings kommt es bei vermehrten Erfahrungsberichten zu Anschuldigungen, die nicht explizit auf eine Beziehung oder ein Verhältnis bezogen sind, sondern generell auf alle Beziehungen mit Männern übertragen werden.

Es ist in keiner Hinsicht valide solche Argumente gegen eine enorme Gruppe von Menschen zu richten, da nicht alle Beziehungen mit Männern so aussehen müssen. Darüber hinaus zeigen Statistiken, dass häusliche Gewalt durchaus auch gegen Männer passiert. Die Zahl ist zwar deutlich geringer, zeigt aber, dass nicht nur die männliche Rolle der Beziehung schuldig ist.

Insgesamt ist es also wichtig, Aufmerksamkeit bei problematischem und häufig normalisiertem Verhalten gegen Frauen zu erregen, man sollte aber stark auf die Generalisierung einer riesigen Menschengruppe aufpassen.

Misandrie kann sich aber auch in einem anderen Fall zeigen.

Wenn Feministen sich gegen das Patriarchat, eine von Männern geschaffene Gesellschaft, die Männer bevorzugt, stellen, sehen das viele männliche Personen als einen persönlichen Angriff an. Die Intention der Feministen ist es also in dem Fall zu zeigen, was aktuell problematisch ist, wird aber als eine Hasserfüllte Nachricht gegen das männliche Geschlecht interpretiert.

Infolgedessen äußern sich manche Männer selbst kritisch gegenüber Frauen und dem Feminismus, was einen erneuten Anreiz zur Misandrie erwecken kann.

Zusammenfassend sieht man also, dass es zu einem endlosen Zyklus von Hass kommt, der durch Generalisierung und Missverständnisse erschaffen wird.

Kann moderner Feminismus letztendlich als eine Methode der Misandrie angesehen werden?

Nach der ursprünglichen Funktion des Feminismus müsste man das eigentlich verneinen. Allerdings ist die Grenze zwischen Feminismus und Misandrie momentan stark verflossen, da während der Kritik vieler Normen auch persönliche, negative Aussagen getätigt werden, die man nicht sofort als Männerhass identifizieren kann. So ist es zum Beispiel problematisch, wenn gesagt wird, Männer wären für unsere Gesellschaft nicht nötig und Frauen könnten alles selbst regeln. Denn die Gesellschaft in der wir heute leben kann nur durch beide Geschlechter entstehen. Zudem werden Männer oft für Dinge beschuldigt, die sie selbst nicht ändern können. Wenn sie sich als Beispiel darüber beschweren, sie können keinerlei Gefühle zeigen oder über ihre Probleme sprechen, da es für sie nicht normalisiert ist und als schwach angesehen wird, gibt es feministisch eingestellte Personen, die sagen, es sei ihre Schuld, da sie das System erschaffen haben. Das sieht man vermehrt in den Kommentaren von Posts, in denen Männer diese gesellschaftlichen Probleme äußern und als Antwort „Who set that system up? — Wer hat dieses System erschaffen?“ bekommen. Die Kritik dabei liegt in dem Punkt, dass sie selbst diese Probleme anerkennen und sagen, wie schwierig es für sie ist und dass es anders sein sollte, als Antwort aber selbst für die Systeme beschuldigt werden, die Männer vor Hunderten von Jahren erschaffen haben. Insgesamt sieht man also, dass der Feminismus sich nicht immer als völlig hasslose Form zeigt.

Es ist nicht einfach direkt zu beantworten, ob Feminismus auch Misandrie sein kann, da die Definition und die Umsetzung von Feminismus stark voneinander abweichen. Theoretisch gesehen sollte der Feminismus als reiner Kampf für die Gerechtigkeit dienen, der nicht die Kritik des männlichen Geschlechts, sondern die ihres Systems beinhaltet. In feministischen Aussagen werden Männer allerdings oft direkt für ihr Geschlecht beleidigt, was zeigt, dass auch der Feminismus seine eigenen Probleme zu der Gleichberechtigung beiträgt.

Meiner Meinung nach ist der Feminismus keine Form der Misandrie, aber man sollte bei der Verwendung des Begriffs darauf achten, nicht das männliche Geschlecht zu generalisieren und herabzustufen, sondern als Ziel haben beide Geschlechter auf die gleiche Ebene zu bringen. Wenn das nicht erfolgt, können feministisch gemeinte Aussagen als Misandrie verstanden werden. Auch die generelle Kritik am Patriarchat kann für viele persönlich schon als Männerfeindlichkeit gelten, da das „männliche“ System als ein schwerwiegendes Problem dargestellt wird. Ob man es insgesamt als eine Form der Misandrie bezeichnen kann ist nicht festgelegt, da jede Person Aussagen unterschiedlich interpretiert.

Findest du, dass der moderne Feminismus mittlerweile zu weit geht?

Quellen

Internetquellen

Friedrich Ebert Stiftung: https://www.fes.de/wissen/gender-glossar/feminismus

zuletzt aufgerufen am 24.10.2025

Duden: https://www.duden.de/rechtschreibung/Misandrie#

zuletzt aufgerufen am 24.10.2025

Die Zeit: https://www.zeit.de/kultur/2016-03/feminismus-kritik-debatte-frauen

zuletzt aufgerufen am 29.10.2025

War da. Komme wieder.: https://warda.at/magazin/kunst-und-kultur/ich-hasse-maenner-ist-misandrie-die-zukunft-des-feminismus/

zuletzt aufgerufen am 29.10.2025

Problematische Beiträge in den sozialen Medien zu romantisierter Misandrie

https://vm.tiktok.com/ZNd3MyeFN

https://vm.tiktok.com/ZNd3MyeFN

Bildquellen

https://pixabay.com

https://www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/251121_BLB_HaeuslicheGewalt2024.html

1 Kommentar

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hallo EdleKirschtorte,
ich finde dein Text zeigt deutlich aus allen Seiten, wie kompliziert die Diskussion um modernen Feminismus geworden ist. Du erklärst klar, dass Feminismus nicht Misandrie ist, sondern ein Kampf um die Freiheit und Gleichberechtigung von Frauen, und dass manche Aussagen in Sozialen Medien in generalisierende Männerfeindlichkeit abrutschen können, was dem Ziel des Feminismus widerspricht. Ich stimme dir auch vollkommen zu, dass Feminismus nicht dasselbe ist wie Misandrie, aber dass Generalisierungen, die von vielen als Feminismus Bezeichnet werden, in Wirklichkeit nur Männerhass sind.

Es ist außerdem wichtig zu beachten, dass junge Menschen von solchen Trends besonders stark beeinflusst werden. Redpill-Content auf sozialen Medien zielt darauf ab, Junge Männer in Anti-Feministen umzuwandeln (z.B. Andrew Tate). Hier wird die „rote Pille“ aus den Matrix Filmen – also die Wahrheit – als Metapher für ihre Ideologien benutzt und soll Junge Männer in „Alpha Männer“ umwandeln.
Machne Jungs sehen, wie ihr Geschlecht scheinbar ohne nachvollziehbaren Grund angegriffen wird, und wenden sich deshalb zu Redpill-content zu.

Das gleiche gibt es natürlich für junge Frauen (z.B. „Kill All Men“), was deine Aussagen nur unterstützt.

Es ist meiner Meinung nach von großer Bedeutung, junge Menschen aufzuklären, dass man Berichte und Erfahrungen nicht als persönlichen Angriff verstehen sollte, wenn man so etwas selbst noch nicht erlebt oder getan hat. Ebenso wichtig ist es, sehr jungen Menschen zu zeigen, dass Verallgemeinerungen fast immer schlecht sind. In Schulen wird meistens nur über Rassismus und Misogynie erzählt und das andere nur kurz angesprochen (natürlich ist Misogynie gerade ein wichtigeres Thema wegen Femizid), aber man muss erkennen, dass sehr oft Männerhass die Quelle von Frauenfeindlichkeit in jungen Männern ist – und umgekehrt. Natürlich ist es jedoch sehr schwer, aus diesem Zyklus auszubrechen.

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