Unendlich viele Entscheidungen – wie treffen wir sie?

Jeden Tag treffen wir Tausende, vielleicht sogar Hunderttausende bewusste sowie unbewusste Entscheidungen. Aber woran machen wir diese fest, lässt sich das überhaupt zurückführen auf Gefühle und logisches Denken? Laut den Philosophen: ja.
Vor David Hume waren sich alle einig. Entscheidungen sollten vernunftbasiert getroffen werden, bis David Hume alles umdrehte und Affekte über Vernunft stellte. Zuerst dachte ich mir, was für ein Quatsch, in unserer heutigen Welt braucht es keine unkontrollierten, impulsiven Menschen. Ich dachte, ich sei selbst vernunftgeleitet, weil ich ja alles überdenke und abwäge, bis ich die beste Lösung gefunden habe. Aber umso länger ich über Hume nachgedacht habe, umso fragwürdiger erschien mir diese strikte Trennung von Gefühlen und Vernunft. Denn ich selbst bin auch nicht nur vernunftgeleitet. Ich denke, niemand kann seine Gefühle, die schon immer da waren und immer bleiben werden, abstellen. Weil wir alle schon immer Gefühle, vielleicht so etwas wie ein Bauchgefühl bei Entscheidungen, haben, ist es vielleicht auch etwas, dem wir eventuell — nicht wie Hume es sagt — die Vernunft total unterordnen sollten, aber ich finde, wir sollten auf dieses Urgefühl vertrauen. Wir haben ja z. B. auch ein Gespür, ob Argumente moralisch mehr oder weniger gewichtet sind. Wir spüren gefährliche Situationen sowie die Stimmung in einem Raum. Warum hilft uns dann dieses Gespür nicht auch bei unseren Entscheidungen? Zum Beispiel entscheidet sich Neo im Film „Matrix“ auch vollkommen instinktiv für eine der Pillen. Ich denke, wenn er ausschließlich abgewogen hätte, welche denn die bessere wäre, dann säße er heute noch vor den zwei Pillen.

So passiert es mir auch manchmal, dass ich über Möglichkeiten und Folgen zu lange nachdenke, denn ich wertschätze Entscheidungen nur dann, wenn ich tatsächlich Gründe dafür oder dagegen aufgelistet habe und mich dann guten Gewissens für etwas entscheiden kann. Das klingt ja soweit logisch und würde absolut gegen Hume sprechen. Aber durch dieses Abwägen zerdenke ich Dinge auch und kann gar nicht nur Positives oder nur Negatives sehen und somit gibt es nicht die perfekte Lösung, sobald man die Pro- und Contra-Seite betrachtet. Vielleicht sollte man daher mehr auf sein Gefühl bei einer Entscheidung achten. Vielleicht hat Hume recht und wir sollten Gefühle nicht unterschätzen.

Wenn es aber um Gefühle wie Gier, Wut, Übermut, Rache etc. geht, dann finde ich, sollten wir diese in Schach halten und eher analysieren, warum es zu diesen gekommen ist. In diesem Aspekt ist es wohl doch eher die Vernunft, die uns leiten sollte.

Ich denke abschließend, sehe ich an diesen Gedankengängen, dass es nie nur schwarz und weiß gibt, dass man also nicht so radikal in Vernunft und Gefühlen denken sollte. Denn es war revolutionär von Hume, die Affekte mit einzubeziehen, und irgendwie ja auch logisch, denn schließlich hat jeder noch einen Teil Primatenhirn.

Quellen: Ethikordner Klasse 10

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