Erstmal: Was fällt alles unter Sterbehilfe? Alle Maßnahmen, die der betroffenen Person das Sterben erleichtern und/ oder es unterstützen. Hierzu zählt alles von Sterbebegleitung über psychologische/ seelsorgerische Betreuung des Patienten bis hin zur Begleitung des Sterbeprozesses durch einen Arzt. In Deutschland sieht es so aus das bei Sterbehilfe in Kategorien unterschieden wird, die dann rechtlich erlaubt oder verboten sind. Es wird dabei unterschieden zwischen aktiver, passiver und indirekter Sterbehilfe und dem assistierten Suizid. In Deutschland sind passive und indirekte Sterbehilfe rechtlich erlaubt.

https://www.esanum.de/today/posts/gesetzesinitiative-will-neuregelung-zur-sterbehilfe
Passive Sterbehilfe bedeutet, dass lebensverlängernde Maßnahmen wie zum Beispiel Beatmung, Dialyse oder Sondenernährung eingestellt/ unterlassen werden. Dies ist nur durchführbar, wenn ein Einverständnis durch den Patienten direkt oder indirekt durch eine Patientenverfügung1 vorliegt.
Indirekte Sterbehilfe gehört eigentlich zur aktiven Sterbehilfe. Bei indirekter Sterbehilfe werden dem Patienten Medikamente zur Unterdrückung des Schmerzempfindens oder zur Sedierung, also zur Beruhigung, gegeben. Trotz der Tatsache, dass diese Medikamente lebensverkürzende Nebenwirkungen für den Patienent haben könnten.
Aktive Sterbehilfe wird auch als direkte aktive Sterbehilfe bezeichnet. Bei aktiver Sterbehilfe geht es um „Tötung auf Verlangen“ des Patienten hin. Dem Patienten wird also zum Beispiel eine tödliche Dosis eines oder mehrerer Medikamente verabreicht, natürlich nach Absprache mit dem Patienten. Akive Sterbehilfe ist in Deutschland allerdings verboten und wird mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 5 Jahren bestraft.
Assistierter Suizid bedeutet, dass einem Patienten von jemand anderem, zum Beispiel von einem Arzt oder einem Angehörigen die Mittel für den Suizid besorgt werden, der Patient diese aber selbst einnimmt. Dabei wird rechtlich zwischen Ärzten und Angehörigen oder anderen Personen unterschieden. Bei Angehörigen oder anderen Personen ist der assistierte Suizid straffrei. Bei Ärzten ist das komplizierter und hängt rechtlich stark von der Situation ab, da es keine genaue Gesetzgebung gibt. Aus diesem Grund und wegen moralischer Bedenken hinsichtlich des Hippokratischen Eids kommt für viele Ärzte der ärztlich-assistierte Suizid nicht in Frage.
Sollte aktive Sterbehilfe in Deutschland für Todkranke legal sein?
Das Problem liegt im moralischen Konflikt. Einerseits hat jeder Mensch das Recht auf Selbstbestimmung und so auch auf die Entscheidung ob er sich aufgrund seiner Krankheit und der daraus resultierenden Schmerzen umbringen möchte oder ob er „natürlich“ Sterben möchte. Andererseits sollte man auch das Leben und die Schwächeren schützen. Die Frage ist auch, ob man es als moralisch richtig erachtet einer Person, die sowieso sterben wird weitere Schmerzen zuzumuten oder ob man es als moralisch richtig erachtet jemanden zu töten.
Ich bin da ein bisschen zwiegespalten. Einerseits achte ich das Leben, aber andererseits sehe ich es auch nicht ein, dass jemand der todkrank ist weiterleben muss obwohl er oder sie vielleicht keine Kraft mehr hat, weiter Schmerzen erleiden muss und während er/ sie auf den Tod wartet keine Möglichket der Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit hat.
Und im Fall, dass jemand todkrank ist, weil er beispielsweise Krebs im Endstadium hat, sehe ich nicht warum die Person nicht, egal welchen Weg sie annehmbar findet, entscheiden darf: „Ich möchte nicht mehr leben, nicht mehr auf meinen Tod warten und keine Schmerzen mehr haben.“ Es ist zwar meiner Meinung nach die Aufgabe des Staates Menschenleben zu schützen und ihre Würde zu erhalten, aber warum darf jemand der sterben möchte, weil er sowieso keine Chance auf Heilung/Genesung hat nicht entscheiden wann und wie er sterben möchte?
Ich finde, dass diese Entscheidung einem Menschen mit Würde zusteht und er diese auch alleine treffen können sollte ohne dabei bevormundet zu werden. Ich stelle es mir nämlich nicht schön vor in einem Raum zu sitzen, nicht mehr viel machen zu können, weil meine Schmerzen zu groß sind oder ich zu schwach bin und zu warten bis ich sterben kann.
Außerdem würde ich ja nicht nur sterben, sondern meine Angehörigen säsen bei mir oder würden mich besuchen und ebenfalls darauf warten, dass ich sterben darf. Und jedes mal wenn eine Person zu Besuch war und sich verabschiedet hat, weiß sie nicht ob sie mich nochmal wieder sehen wird. Also ist es jedesmal ein Abschied für immer. Dem entsprechend ist es bestimmt nicht nur für die betroffene Person unglaublich schwer zu warten und nichts tun zu können, sondern auch für die Angehörigen. Ich finde solche Aussichten nicht gerade erstrebenswert und würde in dieser Situation lieber entscheiden an diesem Tag möchte ich sterben. Davor kann man sich von allen verabschieden und dann friedlich einschlafen.
Wenn man auf seinen eigenen Tod wartet, kann ich mir auch vorstellen wie beängstigend diese Vorstellung sein muss, weil man nicht weiß wann es passiert, wie lange es dauert, ob man Schmerzen haben wird, was danach mit einem passiert, ob es ein Leben nach dem Tod gibt und so weiter.
Also ja, ich verstehe todkranke Menschen, die sich für Sterbehilfe und sogar für aktive Sterbehilfe oder assistierten Suizid entscheiden und ich finde auch, dass der Staat in so einem Fall nicht in die Entscheidung der Menschen eingreifen sollte, da es für die betroffenen Personen und ihre Angehörigen ein sehr persönliches Thema ist und dass die Betroffenen bei einer solchen Entscheidung nicht durch Gesetzte eingeschränkt werden sollten, die nur etwas hinauszögern was sowiso in absehbarer Zeit passieren wird.
Allerdings könnte es auch passieren, dass Menschen die eigentlich keine aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen möchten in Zugzwang gerieten und ihre Entscheidung dadurch beeinflusst würde. Das könnte zum Problem werden. Man müsste es irgenwie schaffen, dass jeder Betroffene sich frei entscheiden könnte ohne in irgendeiner Weise beeinflusst zu werden. Es könnten zum Beispiel Beratungsstellen für Todkranke eingerichtet werden, bei der sie sich über ihre Möglichkeiten informieren könnten, mit einer psychologischen Beratung, die sicherstellen soll, dass die Entscheidung von der betroffenen Person selbst kommt und nicht von außen beeinlusst ist. Das alles würde allerdings einen hohen Kosten- und Personalaufwand bedeuten.
Wie sieht es bei Menschen aus die zwar unheilbar krank, die aber nicht in absehbarer Zeit daran versterben werden?
Die Frage bezieht sich auf Menschen die zum Beispiel an Demenz2 , Multiple Sklerose (MS)3 , Parkinson4 oder Mukoviszidose5 leiden.
Ich glaub es hängt generell sehr stark von der Person an sich ab, ob sie sich überhaupt für Sterbehilfe entscheidet, vor allem bei diesen Krankheiten. Die eine Person kommt nämlich besser damit klar weniger aktiv sein zu können als andere.
Es hängt, meiner Meinung nach auch sehr stark vom Umfeld der betroffenen Person ab, ob sie das Leben, dass sie trotz der Krankheit hat als lebenswert empfindet oder nicht. Wenn eine Person nämlich viel bei Aktivitäten ihres Umfelds einbezogen wird und sie ein Umfeld hat, dass sie unterstützt und versucht sie in so viel wie möglich mit einzubeziehen, dann steigert dies die Lebensqualität für diese Person wahrscheinlich extrem.
Ich denke auch, dass Menschen, die mit ihrer Krankheit leben können nicht auf die Idee kommen ihr Leben beenden zu wollen. Bei Sterbehilfe geht es ja genau darum, Menschen die Möglichkeit zu geben zu sagen: „So möchte ich nicht mehr leben.“ Und nicht darum Menschen, die an unheilbaren Krankheiten leiden, einfach umzubringen, weil jemand anderes findet, sie hätten keine Lebensqualität mehr.
Allerdings ist das Problem, dass Krankheiten wie Demenz unterschiedlich verlaufen und die betroffenen Personen gute und schlechte Tage oder Phasen haben. Dadurch ist die Entscheidung für oder gegen Sterbehilfe schwierig. Zusätzlich kommt bei Demenz noch hinzu, ob die betroffene Person durch die Abnahme ihrer geistigen Fähigkeiten überhaupt noch Zurechnungsfähig ist. Somit kommt die Frage auf, bis wann kann sie es selbst entscheiden und ab wann eben nicht mehr? Für dieses Problem müsste man eine eindeutige Lösung/ Regelung finden, bevor man aktive Sterbehilfe rechtlich erlaubt. Bei Demenzpatienten ist es auch so, dass nicht nur sie selbst unter der Krankheit leiden sondern auch die Angehörigen. Sie werden nämlich langsam von der erkrankten Person vergessen und mit der Zeit auch nicht mehr erkannt, was für die Angehörigen auch eine enorme Belastung bedeuten kann.
Bei Parkinsionpatienten ist es durch das immer stärkere Zittern und die abnehmende Bewegungsfähigkeit schwierig nicht passive/ indirekte Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen oder einen assistierten Suizid zu begehen. Die betroffenen Personen können oft nicht mal selbst essen, geschweige denn eigenständig Medikamente zu sich nehmen. Für sie wäre die Erlaubnis von aktiver Sterbehilfe also eine Erleichterung.
Wie oben schon aufgeführt, bin ich der Meinung ein zurechnungsfähiger Mensch sollte selbst entscheiden dürfen, ob er sterben möchte. Ja, die genannten Krankheiten bringen dich nicht in absehbarer Zeit um, aber sie verschlechtern meistens durchaus die Lebensqualität der Betroffenen. Ich finde man sollte dann schon entscheiden dürfen, ab wann man so nicht mehr Leben will ohne für die Art des Sterbens, die man sich ausgesucht hat ins Ausland fahren zu müssen und so auch noch aus seinem gewohnten Umfeld gerissen zu werden, um sterben zu dürfen.
Wie oben bereits erwähnt, würde ich auch hier eine Beratungsstelle einrichten, die durchlaufen werden muss, bevor man diese Art von Sterbehilfe in Anspruch nehmen darf. Für Demenzkranke müsste man sich noch zusätzlich etwas überlegen, um ihre Zurechnungsfähigkeit zu prüfen. Dafür habe ich allerdings keine Idee und kenne mich zu wenig mit der Krankheit und ihrem Verlauf aus.
Und, wie sieht es bei euch aus? Würdert ihr aktive Sterbehilfe in Deutschland legalisieren oder seht ihr das eher kritisch?
Falls ihr euch mal einlesen möchtet wie das in anderen Ländern gehandhabt wird, in denen aktive Sterbehilfe auch teilweise legal ist, sind hier ein paar Artikel über die Niederlande (erstes Land das aktive Sterbehilfe legalisiert hat) und andere Länder:
https://www.aerztezeitung.de/Politik/So-regeln-andere-Laender-die-Sterbehilfe-416680.html
https://de.euronews.com/2018/05/01/sterbehilfe-in-europa
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/frankreich-sterbehilfe-108.html
https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-10/uruguay-aktive-sterbehilfe-suedamerika
Begriffserklärungen
- Patientenverfügung: Ist ein Dokument auf dem Patienten für den Fall ihrer Entscheidungsunfähigkeit festhalten welche medizinischen Maßnahmen ergriffen werden dürfen/ sollen oder zu unterlassen sind.. Das Dokument kann, muss aber nicht, notariell beglaubigt sein, muss aber eine eigenhändige Unterschrift des Patient enthalten, um Gültigkeit zu haben. ↩︎
- Demenz: Ist eine neurologiche Erkrankung bei der man mit immer weiterem Fortschreiten der Krankheit immer mehr kognitive, also geistige Fähigkeiten einbüßt. Es kommt im Verlauf der Krankheit auch zum Verlust der Kompetenz den Altag alleine zu bestreiten und die Betroffen verlieren mit der Zeit ihre Persönlichkeit, ihre Erinnerungen. Und bauen körperlich ab, was meist dann auch zu deren Tod führt. ↩︎
- Multiple Sklerose (MS): Ist eine Autoimmunerkranung, das bedeutet, dass das körpereigene Immunsystem Entzündungen des Zentralen Nervensystems verursacht. Diese verläuft sehr unterschiedlich und nicht zwangsläufig schwerwiegend oder tödlich ist. Symptome sind z.B.: Lähmungen, Sehstörungen (z.B. verschwommenes Sehen), Gefühlsstörungen auf der Haut und Blasenschwäche. ↩︎
- Parkinson: Ist wie Demenz, eine neurodegenerative Erkrankung, das bedeutet, dass das Nervensystem geschädigt wird. Bei Parkinson sind Zittern und verlangsamte Bewegungen die ersten Symtome. Später kommen noch die Steifheit der Muskeln und die zunehmend instabile Körperhaltung hinzu. Mitlerweile ist Parkinson zwar relativ gut behandelbar, aber nicht heilbar. ↩︎
- Mukoviszidose: Ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der die Zellen zähen Schleim produzieren der langsam lebenswichtige Organe verstopf, insbesondere die Lunge. Dadurch werden Lungenentzündungen und Atemnot begünstigt, an denen die meisten Betroffenen im Verlauf der Krankheit sterben. ↩︎
Quellen
https://flexikon.doccheck.com/de/Sterbehilfe
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/patientenverfuegung
https://flexikon.doccheck.com/de/Demenz
https://www.alzheimer-forschung.de/demenz/verlauf/sterbephase
Neueste Kommentare