Eine Generation für den Klimaschutz

Vor einigen Tagen habe ich an einem Schulstreik für den Klima- und Umweltschutz teilgenommen. Initiiert und Organisiert wurde dieser Streik natürlich von Schülern, nach dem Vorbild des schwedischen Mädchens Greta Thunberg, die seit Monaten jeden Freitag in Stockholm anstatt vor der Tafel, vor dem Parlament sitzt. Die Demo in Hall war ein voller Erfolg. Rund 400 Schüler streikten, stimmten Sprechchöre an, tauschten sich aus, marschierten durch die Straßen und machten deutlich: Wir wissen, dass es um unseren Planeten geht, wir wissen wer daran Schuld ist, und wir wollen gehört und beachtet werden. Uns steht ein gesunder Planet zu.

Lautstark, etwas jugendlich-naiv, aber mit sehr viel Wut wurden konkrete Forderungen an Politik und Wirtschaft gestellt. Kohleausstieg bis 2030. Einhalten des 1,5 Grad Ziels. Abschalten aller AKW’S, dazu mehr Tierschutz. Ich glaube, wer sich intensiv mit der globalen Erderwärmung, sowie mit der industriellen Vernichtung der Natur beschäftigt und noch 70 Jahre auf der Erde verbringen wird, denkt nicht mehr in den bisherigen altruistischen Kategorien wie unsere Eltern. Klimaschutz ist für uns nicht mehr etwas, was man aus Güte der nächsten Generation betreibt, sondern weil man seinen eigenen Hintern retten möchte. Vielleicht ist es den Teilnehmern des Streikes auf Papier klar, dass unsere Zukunft auf dem Spiel steht, aber wenn in einigen Jahren, die Dürren häufiger werden, die Fluten heftiger, die Bienen staatlich gefördert und Venedig unter Wasser ist, dann werden sie wirklich realisieren, warum Klimaschutz wichtig ist, warum die globale Erderwärmung keine Bedrohung für die Natur, sondern für den Menschen ist. Und dann sind es diese Schüler, Wir, die das Rückgrat der Wirtschaft, der Politik und der Welt sind. Eine Generation, die mit Klimaschutz groß geworden ist. Ich kann mich an keine Zeit erinnern, an dem Klimaschutz noch kein großes politisches und mediales Thema war. Wir sind mit ihm groß geworden. Was das bedeutet ist Zukunftsprägend. Es bedeutet Menschen, die ihr Leben dieser Aufgabe widmen werden. Das bedeutet kleine Änderungen im Alltag wie effektive Recyclingsysteme und Klima neutrale Fortbewegung, das bedeutet aber auch multinationale Unternehmen, die es irgendwie geschafft haben, mit Klimaschutz Geld zu verdienen. Das bedeutet eine ganze Generation, die die Fehler der Vergangenen ausbügelt, und zwar nicht weil sie Tiere so unglaublich niedlich findet, sondern weil sie sonst von im russischen Permafrost auftauenden Krankheiten dezimiert wird. Dabei ist meine Generation nicht besser als die meiner Eltern, auch wenn diese uns eindeutig in diese Situation geritten hat. Aber Menschen sind Menschen, und Menschen handeln meistens dann, wenn Not wirklich spürbar ist, und wir werden sie spüren. Neun der Zehn heißesten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung -ein Zeitraum von 140 Jahren- waren in den letzten 19 Jahren. Doch entscheidender als das, was wir spüren werden, ist wie wir handeln werden, und da müssen wir unseren Eltern danken, denn das grüne Gedankengut ist in uns stark verankert und ist Schicht-unabhängig, was zum Beispiel die Grünen zur Volkspartei befördert. Klimaschutz wird von einem Thema auf der Straße zu einem Thema der Tagesordnung übergehen, Klimaschutz wird ein fester Bestandteil unseres Lebens sein. In zwanzig Jahren werde Ich nicht auf die Straße gegen Kohlestrom gehen, sondern in der Institutionalisierung und Industrialisierung des Klimaschutzes mein tägliches Brot verdienen. John F. Kenndy sagte: „Nur eines ist auf Dauer teurer als Bildung: Keine Bildung“. Heute ist Bildung in fast allen Staaten eine Institution und für Jeden, für Bildung wird auf internationaler Ebene gekämpft. Heute können wir sagen „Nur eines ist auf Dauer teurer als Klimaschutz: kein Klimaschutz“, und morgen können wir eine Welt haben, in der wir leben können. Dieses Ziel ist die Aufgabe unserer Generation, und unweigerlich werden wir dieses Ziel erreichen müssen. Aber wenn ich an die hunderten jungen Leute denke, die mit ihren beschränkten Mitteln und gegen den Willen vieler Schulen am Freitag da waren, sehe ich weniger Grund zum Pessimismus.

Mit freundlichen Grüßen, Karthasis

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