Ist es ethisch vertretbar Tiere zu essen?

Mittlerweile gibt es viele vegetarische und sogar auch vegane  Fleisch-Ersatzprodukte, welche geschmacklich dem echten Fleisch sehr ähnlich sind. Teilweise ist eine Unterscheidung zwischen Original und „Fälschung“ kaum mehr möglich. Dadurch stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch ethisch vertretbar ist Tiere zu essen, wenn man doch auch einfach Ersatzprodukte essen und somit das Tierleid verringern könnte. Die Frage hat in den letzen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen und auch einiges an Aufmerksamkeit erregt. Trotzdem konsumieren weltweit Millionen von Menschen regelmäßig Fleisch ohne dies moralisch zu hinterfragen. Doch kann man das in der heutigen Zeit, in der man über die Leidensfähigkeit von Tieren und auch den Umweltauswirkungen von Massentierhaltung Bescheid weiß überhaupt noch verantworten? 

Mit diesem Thema hat sich auch der australische Philosoph Peter Singer auseinandergesetzt und in dem Buch „Animal Liberation“ seine Meinung dazu vertreten. Er ist der Auffassung, dass die Spezies Menschen keinen Vorrang zu anderen Spezies wie die der Tiere haben dürfe. Demnach spielt die Zugehörigkeit einer Spezies für ihn keine Rolle, im Bezug auf moralisches Unrecht oder auch anderen Leid zuzufügen und zu töten. Man erkennt recht deutlich, dass Peter Singer gegen den Fleischkonsum ist. Demnach würde er die Frage, ob es ethisch vertretbar ist Tiere zu essen, verneinen, da die Tiere genauso leidensfähig sind wie wir Menschen und er deshalb der Meinung ist, dass sie mit uns Menschen gleichzusetzen sind. Er ist der Auffassung, dass die Interessen aller leidensfähigen Wesen gleichermaßen berücksichtigt werden müssen. Dadurch das die Tiere leidensfähig sind, wäre ihr Interesse demnach, nicht zu leiden.  Dazu kommt, dass Peter Singer ein bekannter Vertreter des Utilitarismus ist und somit der Auffassung ist, dass moralische Handlungen solche sind, welche das größtmögliche Glück und das geringstmögliche Leid für alle betroffenen Lebewesen darstellt. Wie er in seinem Buch „Animal Liberation“ schreibt, verursacht der Fleischkonsum und die Massentierhaltung sehr großes Leiden bei den Tieren und kann somit nicht mit der utilitaristischen Sicht gerechtfertigt werden, da  das Leid der Tiere, das Vergnügen der Menschen durch den Fleischkonsum, bei weitem überwiegt. Darüberhinaus ist Peter Singer der Meinung, dass Vegetarismus oder Veganismus die einzigen moralisch vertretbaren Ernährungsweißen sind, da sie das Leid von Tieren minimieren und dennoch die Bedürfnisse der Menschen erfüllen.

Neben den Argumenten, welche gegen den Fleischkonsum sprechen und sich stark auf die Leidensfähigkeit der Tiere fokussieren, gibt es auch Argumente welche den Fleischkonsum vertretbar machen. So kann man die Traditionen und Kulturen aufführen, in welchen das Fleisch schon seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle spielt. Feste und religiöse Zeremonien wie Weihnachten, aber auch traditionelle Küchen sind oft mit dem Fleischkonsum verknüpft. Diese sind wichtige Bestandteile der kulturellen Identität und fördern somit das Gemeinschaftsgefühl und sind zudem auch ein Zeichen für Wohlstand und Gastfreundschaft. Da dies zu einem Wohlbefinden der Menschen beiträgt, kann der Fleischkonsum sehr wohl auch moralisch gerechtfertigt werden. Dazu kommt, dass Fleischkonsum zu der natürlichen Ernährung der Menschen dazugehört und wichtige Nährstoffe und Proteine enthält, welche über rein pflanzliche Ernährung schwerer aufzunehmen sind. Deshalb gilt Fleischkonsum auch als natürlich und gesund und kann daher, solang es in Maßen erfolgt sehr vorteilhaft sein. Zudem ist es in der heutigen Zeit auch nicht realistisch anzunehmen alle würden komplett auf Fleisch verzichten wollen oder auch können. Es gibt nämlich auch Regionen, welche begrenzte Quellen an pflanzlichen Lebensmitteln haben, für diese stellt Fleisch somit eine wichtige Nahrungsquelle dar.

Meiner Meinung nach sollte man einen Kompromiss zwischen diesen beiden Positionen wählen und den Fleischkonsum nicht komplett verbieten. Durch höhere Standards wie zum Beispiel der Haltungsstufe 4 in der Tierhaltung können die Lebensbedingungen der Tiere erheblich verbessert werden.  Allerdings kann sich auch die Aufmerksamkeit der Fleischkonsumenten beim Kauf bessern. Dies könnte durch mehr Aufklärung und vielleicht auch durch gezieltes Bewerben regionaler Produkte verbessert werden. Wenn die Fleischkonsumenten auf regionale Herkunft der Fleischprodukte achten, kann nämlich schon sehr viel Tierleid erspart werden, da in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern schon einigermaßen gut auf die Tierhaltung geachtet wird. Aber auch der lange Transport welcher für die Tiere sehr viel stress bedeutet kann dadurch verringert werden. Zudem kann aber auch das Anregen über solche Themen nachzudenken, schon viel bewirken. Viele konsumieren schon ihr ganzes Leben lang Fleisch, aber haben sich noch nie wirklich damit beschäftigt unter welchen Bedingungen dieses hergestellt wird. Wenn es also mehr Bewusstsein für dieses Thema geben würde, würde sich der Fleischkonsum möglicherweise verändern, da manche dadurch vielleicht dazu gebracht werden würden vegetarisch oder vielleicht auch sogar vegan zu leben. Dies würde dazu führen, dass der allgemeine Fleischkonsum und die damit verbundene Massentierhaltung verringert werden könnte.

Die Frage ob es ethisch vertretbar ist kann man aus meiner Sicht weder mit einem klaren Ja noch mit einem Nein beantworten. Die Argumente, wie sie von Peter Singer gebracht werden, betrachten hauptsächlich die Leidensfähigkeit der Tiere und fordert deshalb die Berücksichtigung ihrer Interessen. Zudem ist der Fleischkonsum aus der Sicht des Utilitarismus schwer zu rechtfertigen, da das Leid der Tiere dem Genuss des Konsums bei Weitem überwiegt. Allerdings steht dieser Sicht auch noch eine andere Seite gegenüber, welche die kulturellen Traditionen und die Notwendigkeit der natürlichen Nährstoffe aufgreift. Ich denke, durch Kompromisse kann man schon sehr viel erreichen und zumindest ein wenig zu der Verbesserung der Lebensbedingungen der Tiere beitragen. Wenn man also einen Mittelweg findet, kann man sowohl die ethischen, als auch die kulturellen und biologischen Aspekte berücksichtigen. Letztendlich denke ich, dass die Frage uns dazu bringt unser eigenes Verhalten zu reflektieren. Jeder Einzelne hat die Möglichkeit etwas zu verbessern und kann durch bewusste Entscheidungen und verantwortungsvolles Handeln seinen Beitrag zu einer besseren Welt mit weniger Tierleid leisten. Ob dies durch den vollständigen Verzicht oder durch das Unterstützen regionaler, nachhaltiger und tierfreundlicher Produkte geschieht ist dabei denke ich ziemlich egal.

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https://www.bpb.de/themen/umwelt/bioethik/208812/der-praeferenz-utilitarismus-peter-singers

https://www.drze.de/de/forschung-publikationen/im-blickpunkt/tierversuche-in-der-forschung/module/speziesismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Animal_Liberation._Die_Befreiung_der_Tiere

https://www.fleisch-ist-kultur.de/dieidee/#:~:text=In%20vielen%20Kulturen%20spielt%20Fleisch,unsere%20Kultur%20eine%20ganz%20andere.

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