Heutzutage gehören Apps wie Instagram, TikTok oder Snapchat fest zum Alltag vieler Jugendlicher. Sie werden so viel genutzt, da sie Kommunikation, Unterhaltung und Austausch von Meinungen ermöglichen. Doch obwohl soziale Medien auf den ersten Blick Freiheit und unbegrenzte Möglichkeiten versprechen, stellt sich zunehmend die Frage, ob Nutzer tatsächlich selbstbestimmt handeln oder ob sie durch Algorithmen und gezielte Inhalte beeinflusst und sogar manipuliert werden. Social Media Algorithmen sind automatisierte Regelsysteme, die entscheiden, welche Inhalte auf dem Feed oder auf der Startseite erscheinen. Um dies zu bestimmen analysieren solche Algorithmen das Verhalten des Nutzers durch dessen likes, Kommentare und Verweildauer. Dies führt dazu, dass viele Nutzer viel Zeit in den Apps verbringen, was letztendlich sogar zu einer Sucht führen kann. Das bedeutet, dass der Konsum der Nutzer aktiv beeinflusst wird wodurch die eigene Meinungsbildung gesteuert werden kann. Deshalb fragen sich viele inzwischen: Entscheiden wir eigentlich noch selbst, was wir sehen und denken oder werden wir von Algorithmen manipuliert?
Wie bereits erwähnt bietet Social Media viele Chancen. Jeder kann seine Meinung äußern, kreative Inhalte teilen oder auch auf wichtige Themen aufmerksam machen. Beispiele hierfür sind Bewegungen wie Klimaproteste oder auch Spendenaktionen, welche sich oftmals erst durch Social Media weltweit verbreiten. Zudem bieten Soziale Netzwerke die Möglichkeit, dass sich Menschen miteinander austauschen und verbinden unabhängig von Herkunft oder Wohnort. Andererseits steckt hinter Social Media ein System, das möglichst viel Aufmerksamkeit erzeugen soll. Algorithmen zeigen uns genau die Inhalte, die uns lange auf der Plattform halten. Dadurch sehen wir oft extreme Meinungen, perfekte Körperbilder oder Inhalte, die starke Emotionen auslösen. Viele Nutzer merken gar nicht, wie stark sie dadurch beeinflusst werden. Der Fakt, dass soziale Medien vor allem von jungen Menschen genutzt werden, erhöht dieses Risiko zusätzlich, da viele Jugendliche extreme Meinungen und Inhalte häufig ungeprüft übernehmen und weiterverbreiten. Dadurch können sich Falschinformationen, einseitige Ansichten und problematische Ideologien besonders schnell verbreiten. Zusätzlich fördert der ständige Vergleich der durch Social Media herrscht Unsicherheiten. So schreibt das Leibnitz-Institut für Medienforschung davon, dass jeder fünfte Jugendliche angibt, durch die Nutzung von soziale Medien eine verschlechterte Selbstwahrnehmung zu haben. Ein nicht unerheblicher Anteil der befragten Jugendlichen mit psychischen Problemen gab sogar an, dass Suizidgedanken sowie der Drang zur Selbstverletzung erst durch die Nutzung von Instagram entstanden oder verstärkt worden seien. In Großbritannien betraf dies 13 Prozent der Befragten bei Suizidgedanken und 7 Prozent beim Drang zur Selbstverletzung, in den USA 6 beziehungsweise 9 Prozent. Wer ständig perfekte Leben und Körper sieht, fühlt sich schnell ungenügend. Gleichzeitig sammeln soziale Netzwerke enorme Mengen persönlicher Daten ihrer Nutzer. Dazu gehören beispielsweise Suchverläufe, Interessen oder auch Standorte. Mithilfe dieser Daten analysieren Plattformen das Verhalten ihrer Nutzer sehr genau, um Werbung und Inhalte gezielt an ihre Interessen anzupassen. Dadurch werden Nutzer oftmals unbewusst in ihrem Konsumverhalten oder ihren Entscheidungen beeinflusst. Besonders kritisch ist dabei, dass viele Nutzer gar nicht wissen, welche Daten über sie gespeichert werden und wie stark ihr Verhalten durch Algorithmen gesteuert werden kann. Trotzdem wäre es falsch, soziale Medien ausschließlich negativ zu betrachten. Die Plattformen selbst sind weder grundsätzlich „gut“ noch „schlecht“ vielmehr kommt es darauf an, wie bewusst und verantwortungsvoll sie genutzt werden. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, Jugendliche stärker über Themen wie Algorithmen, Datenschutz und Medienkompetenz aufzuklären, vor allem im schulischen Umfeld.
Letztendlich stellt sich daher die Frage: Nutzen wir soziale Medien bewusst als Werkzeug zur Kommunikation und Information oder werden wir selbst von ihnen gesteuert?
Meiner Meinung nach vereint Social Media sowohl Freiheit als auch Manipulation. Einerseits bieten die Plattformen zahlreiche Möglichkeiten, sich kreativ auszudrücken, Meinungen zu teilen und mit Menschen weltweit in Kontakt zu treten. Andererseits verfolgen Unternehmen das Ziel, die Aufmerksamkeit der Nutzer möglichst lange auf ihren Plattformen zu halten und ihr Verhalten gezielt zu beeinflussen. Deshalb ist ein bewusster und kritischer Umgang mit sozialen Medien besonders wichtig. Nur wenn Nutzer hinterfragen, welche Inhalte ihnen gezeigt werden und warum dies geschieht, können sie die Vorteile sozialer Medien nutzen, ohne sich zu stark von ihnen beeinflussen zu lassen.
Quellen:
3 Kommentare
Kommentieren →Hallöle,
Deine Art und Weise, wie du mit diesem Thema umgehst und Meinungen reflektierts, ist wirklich elegant. Ich finde das von dir ausgesuchte Thema wirklich interessant, auch wenn es so „offen“ daliegt. 🙂
Damit möchte ich sagen, dass fast alle Personen eigentlich die Vorteile und Probleme dahinter sehen, genauso wie z.B. bei Vapes; jedoch alle auf unterschiedliche Weise damit umgehen und wenn überhaupt reagieren. Wahrscheinlich liegt es an mir selbst, dass ich in Sozial Media eher Manipulation sehe, aber das ist nur meine Meinung und nur meine Sichtweise.
Zum kleinerer Teil finde ich sie faszinierend und in gewisser Hinsicht auch wie du sagst „befreiend“, auch wenn diese außerordentliche Möglichkeit des Informationenaustauschs von zu Vielen Falsch benutzt werden. Sozial Media ist sozusagen der Nachfahre von dem, was es unseren Eltern und zum Teil auch uns (Skype, SMS, …) ermöglicht hat, mit jedem zu kommunizieren, egal ob der Nachbar neben an, der Freund im Nachbarland (Tschechienaustausch) oder ein entfernter Verwandte am anderen Ende der Welt. Wenn ich jedoch die jetzigen „kleineren“ Anschaue, also die Kinder auf den Spielplätzen, falls dort überhaupt noch welche spielen, oder bei uns auf der Schule, dann mache ich mir bei manchen so einige Gedanken darüber, was in ihrer Erziehung „falschgelaufen“ ist. Die sogenannte „Generation Alpha“ ist meines Erachtens nach irgendwie anders, keinesfalls „Alpha“ und das macht sich halt bemerkbar. Sowohl in ihrem Verhalten als auch in ihrem Denken.
Krass, dass du dich an dieses Thema herangewagt hast und auch die Suizide im internationalen Vergleich mit einbezogen hast. Manche vergessen, wie stark so eine einfache, nicht böse gemeinte Beleidigung im Chat sein kann.
Hey,
ein wirklich spannendes und vor allem aktuelles Thema, das du mit deinem Blogpost ansprichst. Ich persönlich positioniere mich ähnlich wie du zu der Fragestellung, ob Social Media eher als Freiheit oder Manipulation angesehen werden soll. Auf der einen Seite wissen wir alle, dass uns Videoclips auf Tiktok etc süchtig machen und uns auch teils realitätsverzerrte Bilder zeigen, weshalb es wichtig ist, diese frühzeitig zu erkennen und zu versuchen sich möglichst nicht von ihnen beeinflussen zu lassen oder im besten Fall diese zu bekämpfen. Als beste Voraussetzung dient meiner Meinung nach, sich selbst erst einmal konkret über die schlechten Seiten von Social Media bewusst zu werden und sein eigenes Verhalten auf Instagram und co zu reflektieren. Ich finde es jedoch auch gut, dass du die postiven Seiten nennst, denn ich finde diese gehen aufgrund der vielen schlechten Auswirkungen oftmals verloren. Genau deshalb erscheint es mir als wichtig, Social Media auch als sinnvolles (Hilfs-)mittel für Kommunikation oder andere gebrauchbare Tipps zu sehen, denn bei der richtigen Nutzung kann man die „bösen, süchtigmachenden“ Apps auch durchaus effektiv für verschiedenste Dinge wie beispielsweise Kochtipps nutzen. Aus diesen Gründen kann ich mich sehr gut mit deiner Positionierung identifizieren und bin ebenfalls der Meinung, man müsse Jugendliche mehr über die Chancen und Risiken aufklären.
Hi,
ich finde deine Ausführung echt interessant. Gerade weil das Thema für unsere aktuelle Gesellschaft so wichtig ist, habe ich mich auch schon ein bisschen damit beschäftigt.
Erstmal finde ich es gut, dass du nicht einfach gesagt hast: „Algorithmen sind halt da und deswegen ist Social Media ein Bereich, in dem Meinungen und Perspektiven von eben diesen Algorithmen verzerrt werden.“ Schließlich steckt noch viel mehr hinter Social Media, als wir eigentlich denken, was deine Ausführung echt gut deutlich gemacht hat. Gleichzeitig hast du mit der von dir angegebenen Studie zur Selbstwahrnehmung Jugendlicher auch gezeigt, dass die „perfekte Welt“, wie sie auf Social Media dargestellt wird, Jugendliche zu Selbstzweifeln und einer negativeren Selbstwahrnehmung bringen kann.
Woran ich noch denken musste und wozu ich gerne noch deine Meinung hören würde, wäre die Verbindung von Interessen mit ideologischer Meinungsmache. Dazu habe ich nämlich etwas in Felix Krafts Seminararbeit vom letzten Jahr gelesen. Beispielsweise wird dort beschrieben, wie eine äußerst rechte Meinung mit anderen Interessen wie Fashion gekoppelt wird. Über einem Outfit-Post mit einem „typisch rechten“ Kleidungsstil werden beispielsweise ein Adler, eine Deutschlandflagge und ein blaues Herz (als Symbol für die AfD) eingeblendet. Dadurch wird Politik mit eigentlich unpolitischen Inhalten verknüpft.
Durch den verwendeten Hashtag „#style“ könnten also modeinteressierte Menschen über immer mehr solcher Posts unbewusst in Richtung der AfD bzw. rechter Ideologien beeinflusst werden. Findest du das nicht auch ziemlich beunruhigend?
Generell bin ich irgendwie der Meinung, dass man Algorithmen überarbeiten müsste, sodass sich ihr Ziel vom maximalen Profit eher auf gesellschaftlich erstrebenswerte Ziele verlagert.