Erst dieses Jahr im April hat sich mein Kater etwas komisch verhalten. Er war nicht sehr aktiv, agil und hat sich sehr schwerfällig bewegt. In dennächsten Tagen kam Schnupfen oder so etwas in der Art, auch nach mehreren Arztbesuchen nicht bekannt, dazu. Außerdem hatte er schon seit 2 Jahren Asthma, was seiner gesundheitlichen Lage nicht gerade geholfen hatte. Trotz der häufigen Arztbesuche und den vielen Medikamenten hatte sich sein Zustand weiter verschlechtert und wir als Familie mussten uns die Frage stellen, was der nächste Schritt sein wird. Hören wir auf unsere Gefühle und machen wir so weiter, dass der Kater unter Schmerzen, Medikamenten und Angst weiterlebt, oder erlösen wir ihn von seinem Leid und hören auf unser Denken?
Wir haben uns schließlich für unser Denken entschieden, erneut, nachdem unsere andere Katze, die Schwester, vor einigen Jahren ebenfalls aufgrund eines Tumors erlöst wurde. Hätten wir auf unsere Gefühle gehört, wäre dies meiner Meinung nach die falsche Entscheidung gewesen, weil wir damit nur uns einen Gefallen getan hätten und das Tier hätte weiterhin leiden müssen, nur weil wir nicht bereit gewesen wären, Abschied zu nehmen.
Das Denken berücksichtigt die Situation der anderen mehr als die Gefühle das tun, weil man durch das Denken eine Situation aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Gefühle beschreiben das, was man selbst am meisten haben möchte und was den den größten für sich selbst bringt. Das Denken wägt ab, was die beste Entscheidung ist, ohne sein eigenes Interesse in den Vordergrund zu stellen. Deshalb sollte man meiner Meinung nach mehr dem Denken trauen.
Auf der anderen Seite ist das Denken aber auch von Gefühlen geprägt bzw. beeinflusst. Wenn man z.B nicht wahrhaben möchte, dass das eigene Haustier totkrank ist und man eine Entscheidung basierend auf dem Denken treffen will, bleibt dieses erdrückende Gefühl im Hinterkopf erhalten und kann somit das Denken beeinflussen. Der Philosoph David Hume würde dem ebenfalls zustimmen. Er meint, das die Gefühle ein fester Bestandteil von unserem Denken und unserem Handeln sind. Außerdem sagt er, dass es nicht möglich ist, nur anhand der Vernunft Entscheidungen zu treffen, weil die Gefühle immer beeinflussen und wir dies nicht kontrollieren können.
Man sollte ebenfalls versuchen, durch das Denken die anderen Gefühle und Sichtweisen zu einer Situation zu verstehen. Es ist z.B ein genauso gutes Gefühl, zu wissen, dass das Haustier schmerzfrei vom aktuellen Leid erlöst wird. Diese Sichtweise ist vermutlich nicht die erste, die man erkennt, trotzdem ist sie im Nachhinein genauso ausschlaggebend und nachvollziehbar.
Abschließend komme ich also zu dem Schluss, dass wir dem Denken und nicht den Gefühlen trauen sollten, weil bei den Gefühlen nicht alle Beteiligten berücksichtigt werden. Trotzdem wird unser Denken durch unsere Gefühle beeinflusst, weshalb es wichtig ist, durch unser denken, auch andere Gefühle und Sichtweisen zu entwickeln und zu verstehen, um eine gute, von Gefühlen unbeeinflusste Entscheidung zu treffen. Denken und Gefühle können also nicht vollständig voneinander getrennt werden, da Gefühle das Denken immer mitprägen.
Neueste Kommentare