Beeinflusst „greenwashing“ uns wirklich bei der Kaufentscheidung?

Bevor ich konkret auf die Fragestellung eingehe, möchte ich erst einmal klären, was man unter dem Begriff „greenwashing“ überhaupt versteht.

Greenwashing ist eine Bezeichnung für das Schaffen eines umweltfreundlichen Images der Firma durch das positive Präsentieren ihrer Produkte. Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass die Behauptungen in den meisten Fällen sogar wahr sind, aber das Kerngeschäft oft nicht den Ansprüchen entspricht. Die Unternehmen lenken sozusagen von den eigentlichen Problemen ihrer Produkte ab. Ihr Ziel ist es ihre Produkte, durch das Vorspielen von ökologischer Verantwortung, mit möglichst viel Gewinn zu verkaufen.

Besonders im Supermarkt oder auf Onlineplattformen fallen mir persönlich immer häufiger Produkte auf, welche auf Grund ihrer „natürlichen“ oder „naturnahen“ Inhaltsstoffe besonders beworben werden. Das Problem hierbei ist allerdings, dass beide Begriffe nicht geschützt sind und so von jedem genutzt werden können. Dies macht es den Unternehmen leicht, die Aufmerksamkeit der Konsumenten zu wecken und beispielsweise mit selbst erfundenen Siegeln auf den Produkten, zu überzeugen. Auch die Verpackung spielt eine große Rolle, weshalb oft beschönigte Tier- oder Pflanzenbilder verwendet werden. Beispielsweise beim Fleisch erweckt eine Verpackung mit einem glücklichen Schwein auf der grünen Wiese, beim Konsumenten eher das Gefühl, eine gute Qualität an Fleisch zu kaufen. Doch in vielen Fällen handelt es sich dann trotzdem um Fleisch aus der konventionellen Tierhaltung. Leider werden Inhaltsstoffe auf den Produktverpackungen häufig sehr klein geschrieben, um so das Nachlesen zu erschweren. Natürlich kommt auch das persönliche Interesse der Konsumenten bei der Auswahl ihrer Produkte hinzu. Vielen fehlt einfach die Zeit, um sich intensiv mit dem vorliegenden Produkt auseinander zu setzten. Dabei gibt es online bereits unzählige Apps, die die Siegel von Produkten einscannen und anschließend erklären, ob es zum Beispiel vertrauenswürdig ist und wofür es steht.

Eine weitere Strategie, die von den Firmen verfolgt wird, ist das hervorheben eines einzelnen Produktes. Dabei werden oft Aspekte wie mit „klinisch geprüft“ oder „Bio- Kosmetik“ beworben, wo vielen aber nicht bewusst ist, dass beide Begriffe ebenfalls ungeschützt sind. Die anderen Artikel der Marke entsprechen in vielen Fällen dann nicht mehr den angegebenen und hochgepriesenen Versprechen.

Der Konsument wird durch das „greenwashing“ im schlimmsten Fall von den Marken überzeugt und greift gerne weiter zu den Artikeln, mit dem Hintergrundgedanken beispielsweise etwas Positives gegenüber der Natur beizutragen.

Auch das Verwenden von schon längst vorgeschriebenen Vorlagen ist eine Masche, die von Unternehmen genutzt wird. Hier ist ein Beispiel das Label „FCKW-frei“ bei Haarsprays oder Matratzen, das eh schon seit 1991 per Gesetz verboten ist, aber immer wieder noch groß auf Produkten angepriesen wird.

Somit lässt sich sagen, dass das Kaufverhalten der Menschen mitunter durch die „grün gewaschenen“ Produkte beeinflusst wird. Allerdings kann man einwenden, dass es dem Kunden immer noch frei steht sich beispielsweise über ein Siegel, das auf der Verpackung steht zu informieren, und somit ob er den Artikel am Ende kauft oder nicht. Zusätzlich gerät „greenwashing“ immer mehr in den Blickpunkt vieler Menschen, die daraufhin mit offeneren Augen auf ihren Einkauf achten und ob die Angaben auf der Verpackung auch stimmen.

Auf dem Bild lässt sich das „Greenwashing“ des linken Artikels erkennen, das sich durch das Hervorheben von dem Inhaltsstoff Jogurt zeigt. Wenn man nun aber die Inhaltsstoffe betrachtet, erkennt man, dass einfach nur ein Teil des Milchanteils, im Vergleich zum rechten Produkt , durch Jogurt ersetzt wurde.

(Sü: Bild entfernt, die Urheberrechtsbedingungen von Utopia verbieten explizit die eigene Veröffentlichung ihrer Inhalte. Bitte gründlicher nachlesen.)

Videolink zum Reinschauen:

https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/videos/greenwashing-video-100.html

https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/darum-ist-greenwashing-ein-problem/ abgerufen am 12.7.2021

https://www.wmn.de/insights/die-dreistesten-greenwashing-beispiele-id14243 abgerufen am 12.7.2021

https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/darum-ist-greenwashing-ein-problem/ abgerufen am 12.7.2021

https://label-online.de/label/klinisch-getestet-klinisch-geprueft-dermatologisch-getestet-etc/ abgerufen am 12.7.2021

Eine Antwort auf „Beeinflusst „greenwashing“ uns wirklich bei der Kaufentscheidung?“

  1. Ich finde die Fragestellung sehr interessant und kann dazu nur sagen, dass ich auf jeden Fall den Eindruck habe, dass viele Menschen durch Siegel beeinflusst werden, auch wenn diese dem greenwashing angehören. Bei mir ist es zumindest so, dass ich mir nichts schlechtes dabei denk, wenn ich ein Siegel seh, dass die Nachhaltigkeit eines Produktes anpreist. Und auch jetzt ist es so, dass ich zwar Bescheid darüber weiß, dass nicht jedes Produkt so nachhaltig ist, wie es verspricht, ich jedoch auch nicht wirklich dazu bereit bin jedes Siegel nachzuschauen, ob es nun greenwashing ist oder nicht, wenn ich im Laden steh und etwas kaufen möchte. Zum einen weil die Zeit nicht reicht, es eben sehr aufwändig ist und man teilweise zu manchen Siegeln nicht so genauen Informationen findet, was zwar auf greenwashing hindeutet, aber es eben nicht 100% sicher ist. Ich bin deshalb der Meinung, dass die Mehrheit sich vom greenwashing beeinflussen lässt, da man ja eigentlich denkt, dass man etwas gutes kauft, jedoch aber eben nicht genau hinterfragt. Was ich deshalb sehr angemessen fände, wäre eben ein Verbot von eigens erstellten Nachhaltigkeitssiegeln oder zumindest mal eine genauere Definition, was bspw. „regional“ oder „natürlich“ bedeutet, damit Unternehmer diese Begriffe nicht ohne Strafe missbrauchen können.

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