Greenwashing – Ist das noch faire Werbung?

Um diese Fragestellung beantworten zu können, muss zu allererst geklärt werden, was man unter Greenwashing genau versteht.

Greenwashing bezeichnet eine Strategie, mit der sich Akteure durch die gezielte Verbreitung von Desinformationen ein Image ökologischer Verantwortung zu verschaffen suchen. Hierbei muss aber angefügt werden, dass Desinformationen nicht immer Unwahrheiten sind, sondern auch „nur“ das Verdrängen der schlechten Seiten des Produkts durch besonderes Hervorheben der guten Seiten sein kann.

Greenpeace hat hierfür 4 Kriterien definiert:

  1. Wenn das Kerngeschäft an sich schon umweltschädlich ist (zum Beispiel Kreuzfahrten und die Kohle oder Mineralöl-Industrie)
  2. Wenn mehr Geld für Werbung als für den Umweltschutz ausgegeben wird
  3. Wenn Lobbyarbeit betrieben wird, um den Umweltschutz zu umgehen. Also mit der rechten Hand Umweltschutz vorgaukeln und gleichzeitig die Politik für das Gegenteil zu beeinflussen
  4. Wenn mit Selbstverständlichkeit geworben wird. Bsp.: Ein Unternehmen wirbt damit, dass es ab 2021 keine Plastikstohhalme mehr verwendet, obwohl dies sowieso gesetzlich verboten ist.

Aber warum betreiben Unternehmen den Aufwand des Greenwashings?

Dadurch, dass Konsumenten zunehmend immer mehr auf umweltfreundliche und soziale Produkte achten, stehen die Unternehmen unter dem Druck, nachhaltig zu handeln, denn wenn sie dies nicht tun, sind sie bei weitem nicht mehr so wettbewerbsfähig. Hierbei kommt das Greenwashing ins Spiel, da es einfacher und günstiger ist ihr Image dadurch zu verbessern, als das eigene Geschäftsmodell zu verändern. Das heißt Unternehmen schmücken sich mit vermeintlich grünen Auszeichnungen, um somit von den wahren Problemen abzulenken. Beispiele für Unternehmen, die Greenwashing betreiben sind H&M, Nestle, McDonald´s, Primark oder Amazon.

Doch wie kann es sein, dass Greenwashing in Deutschland überhaupt möglich ist?

Das Problem am Greenwashing ist, dass die Strategien sehr schwer zu durchschauen sind. Deswegen ist es oft nicht eindeutig erkennbar, wenn Greenwashing betrieben wird. Während Greenwashing zwar eine Form der Verbrauchertäuschung ist, aber grundsätzlich nicht illegal ist, zählt eine Lüge als unlauterer Wettbewerb und ist verboten. Als Folge muss die irreführende Werbung unterlassen werden und die Unternehmen werden zu einer Schadensersatzzahlung verpflichtet.

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Das ist nur ein Teil der Gesamtheit, was es alles an Nachhaltigkeitssiegeln gibt.

Zudem hat das Wort „natürlich“ rechtlich gesehen keine Definition; somit ist es sehr einfach für Firmen, das Wort zu benutzen, ohne irgendetwas nachweisen zu müssen. Neben einer Vielzahl von offiziellen Siegeln mit entsprechenden Vorgaben und Überprüfungen, gibt es inzwischen auch Unternehmen, die sich eigene Siegelausdenken. Das ist nicht verboten, hinterlässt aber keinen guten Eindruck bei den Konsumenten, vorausgesetzt sie merken es. Verboten ist auf jeden Fall die Nutzung von Gewährleistungsmarken bzw. Gütesiegeln ohne die entsprechende Genehmigung.

Durch die Umsetzung der EU-Richtlinie 2019/2161 (geplant bis November 2021) sind dann bei grenzüberschreitender irreführender Werbung mit den sogenannten „green claims“ auch hohe Bußgelder möglich. Zudem bekommen Verbraucherinnen und Verbraucher nun eigene Rechtsbehelfe und können selbst Rechte wie zum Beispiel Schadensersatz gegen Unternehmen durchsetzen.

Ein Unternehmen darf nicht für Produkte mit „besonders umweltfreundlich oder sozialverträglich“ werben, wenn es diese Begriffe nicht auch erläutert, urteilte das Landgericht Köln.

Für uns Verbraucher bedeutet das nun, dass wir uns nicht mehr sicher sein können, ob das Produkt wirklich so umweltfreundlich ist, wie es angepriesen wird, denn selbst informierte Kunden überfordern teilweise die Flut an Öko-Siegeln. Bei der Fülle an Produkten und Dienstleistungen ist es für den Konsumenten also sehr schwierig, zu beurteilen, wie nachhaltig diese tatsächlich sind.

Wie kann man persönlich nun Greenwashing-Produkte vermeiden?

Ab und zu kann man schon durch die Anpreisung erkennen, ob es sich um Greenwashing handelt oder nicht. Werden viele Behauptungen, ohne Begründung aber vielen Fremdbegriffen aufgestellt, weißt es auf Greenwashing hin. Grundsätzlich ist also ein kritischer Umgang mit Werbung wichtig. Bspw. kann auf manchen Produkten Slogans wie „baumwollweiches Gefühl“ stehen, ohne dass auch Baumwolle enthalten sein muss. Also nicht von schwammigen Begriffen überzeugen lassen! Natürlich ist die kritische Hinterfragung das A und O hierbei. Als Hilfestellung gibt es einige Apps und Websiten wie z.B. die EWG’s Skin Deep App (EWG Skin Deep® Cosmetics Database), der Ethik.Guide (https://ethikguide.org/einkaufsfuehrer/ ) oder die nabu-App (https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/essen-und-trinken/bio-fair-regional/labels/16627.html). Oftmals können schon „rustikale“ Verpackungen oder Markennamen zur Täuschung führen. Eine hilfreiche Seite zur Enttarnung von fake Siegeln ist: https://www.siegel-klarheit.de/

Wenn einem nun Greenwashing auffällt, gibt es die Möglichkeit den Verdacht bei der Verbraucherzentrale zu melden. Es gibt auch eine jährliche Fashion Revolution Week, bei denen viele Menschen die Fast Fashion Konzerne dazu aufrufen, mehr Transparenz zu zeigen.

Meiner Meinung nach sollten die Unternehmen eben zu mehr Transparenz gezwungen werden, denn wenn man als Konsument schon vorhat, nahhaltige Produkte zu kaufen, sollte man sich nicht noch ewig vorher informieren müssen. Deshalb würde ich es mir auch wünschen, dass eigens erstellte Öko-Siegel verboten werden, da ich es als Verbrauchertäuschung ansehe. Denn wenn ich bereit bin mehr Geld für nachhaltige Produkte auszugeben, sollten es auch wirklich nachhaltige Produkte sein. Um auf die Fragestellung zurückzukommen, würde ich auf jeden Fall sagen, dass die Werbung nicht fair ist, da sie die Unternehmen im Wettbewerb weiter nach vorne bringt und das teilweise auch noch mit Unwahrheiten. Das bedeutet, dass Unternehmen, die wirklich nachhaltig wirtschaften im Grunde kaum eine Chance gegen die Greenwashing-Firmen haben, da diese hierfür mehr Richtlinien einhalten müssen, um sich nachhaltig zu nennen, was mehr Aufwand und somit mehr benötigtes Geld bedeutet.

Wie seht ihr das Ganze? Findet ihr auch, dass die Regelungen verschärft werden sollten oder sind sie ausreichend? Habt ihr noch weitere nützliche und hilfreiche Webseiten oder Apps?

Zum Schluss noch ein kleines Video zu false advertising: https://youtu.be/AftZshnP8fs

Quellen:

https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/darum-ist-greenwashing-ein-problem/

https://nachhaltige-deals.de/nachhaltiger-leben/greenwashing-beispiele/#:~:text=Feiner%20Unterschied%3A%20W%C3%A4hrend%20Greenwashing%20zwar%20eine%20Form%20der,Beispiel%3A%20Bio%20drauf%20schreiben%20obwohl%20aus%20konventioneller%20Landwirtschaft.

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