Protokoll des Ethikunterrichts vom 26.06.2020 – John Stuart Mill und der Utilitarismus

Datum: 26.06.2020

Klassenstufe: K1

Standort: Biologiesaal, Gymnasium Gerabronn

Teilnehmer: 15 von 15 Schülern

Inhalt

Zu Beginn der Stunde haben wir den Podcast des br über den britischen Philosophen John Stuart Mill zu Ende gehört und anschließend das passende Arbeitsblatt bearbeitet. Moonlight hat in ihrem Beitrag vom 25.06.2020 die Lösungen des Arbeitsauftrages bereits gut zusammengefasst, weshalb ich nicht mehr detailliert darauf eingehen werde. Hier als Übersicht eine grobe Zusammenfassung und am Ende dieses Beitrages findet ihr den passenden Aufschrieb.

Der Utilitarismus laut John Stuart Mill – Zusammenfassung

Das Gemeinwohl wird über das Wohl des Einzelnen gestellt. Grundsätzlich sollen jedem Individuum größtmögliche Freiheiten eingeräumt werden, außer dies könnte dem kollektiven Gemeinwohl schaden. So lehnt diese Philosophie ungleiche Gesellschaftsformen ab, in welchen kleine Eliten den Großteil des Gesamtvermögens besitzen. Um eine utilitaristische Gesellschaft zu ermöglichen, dürfen die einzelnen Teilnehmer der Gesellschaft keine egozentrischen Weltanschauungen vertreten, sondern müssen stets das Gemeinwohl im Auge behalten (→ Wohlverstandenes Eigeninteresse). John Mills Theorie widerspricht der von Jeremy Bentham in dem Punkt, dass laut Mill Leid und Glück nicht quantitativ, sondern qualitativ gemessen werden muss. Hierbei ist vor allem die Langfristigkeit des Leids oder Glücks ausschlaggebend, also welche Folgen die Handlung mit sich bringt. Hat eine Handlung die Tendenz langfristiges Glück zu befördern, so wird sie von Mill als gut erachtet. Er sprach auch oft von Lust. Damit war allerdings nicht die sinnliche Lust, sondern die Freude an geistiger Betätigung gemeint.

Gerecht ist was dem Kollektiv nützt. Hier spielt vor allem der Pro-Kopf-Nutzen, d.h. das durchschnittliche Glück, welches die Beteiligten erleben, eine wichtige Rolle. Der Zweck kann also die Mittel heiligen. Dies ist aus heutiger Sicht allerdings fraglich, da menschenunwürdige Mittel nicht durch eine positive Konsequenz ausgeglichen werden können.

1867 wurde das britische Wahlrecht reformiert, wodurch die Anzahl an Wahlberechtigten ungefähr verdoppelt wurde. Hierbei war John Stuart Mill maßgeblich beteiligt. Er forderte allerdings ein Zensuswahlrecht auf der Grundlage von Bildung, um eine Tyrannei der ungebildeten Mehrheit zu verhindern.

Trotz seiner liberalen Ansichten, sah Mill es als die Aufgabe vom Staat und der Gemeinschaft bei der Deckung grundlegender Bedürfnisse wie Nahrung und Heizung die Bürger zu unterstützen. Außerdem war es seiner Meinung nach legitim, wenn der Staat beispielsweise die Alkoholpreise erhöht, um so die Bürger vor sich selbst zu schützen.

Das Trolley-Dilemma

Den Rest der Stunde haben wir uns mit dem Trolley-Dilemma befasst. Hierbei handelt es sich um ein Gedankenexperiment, in welchem man sich in Situationen hineinversetzt, bei denen es keine gute Lösung gibt, da beispielsweise über Menschenleben abgewägt wird. Bekannt hierbei ist vor allem das Modell des Zuges. Man nimmt die Position des Weichenstellers ein, welcher entscheiden muss auf welchem Gleis der Zug weiterfährt. Das Problem ist, dass egal wie man sich entscheidet, die Situation stets ein schlechtes Ende nimmt, da auf beiden Gleisen sich z.B. unterschiedliche Anzahlen an Bauarbeitern befinden.

Hierzu haben wir das Video „Filosofix: Das Gedankenexperimet „Straßenbahn““ von dem SRF geschaut und ein passendes Arbeitsblatt bearbeitet. Auf diesem muss man selbst die Entscheidung treffen, welchen Weg der Zug nehmen soll.

Der Zug tötet entweder:

  1. Einen oder fünf Bauarbeiter.
  2. Fünf Bauarbeiter oder einen dicken Mann, den man selbst von einer Brücke schubsen muss und welcher den Zug stoppen würde.
  3. Einen Bauarbeiter oder fünf Bauarbeiter, zu denen man selbst gehört.
  4. Einen selbst oder fünf Bauarbeiter.

Nach der Besprechung in der Klasse, hat sich herausgestellt, dass sich die meisten folgendermaßen entschieden haben:

  1. Die fünf Bauarbeiter retten und den Einen opfern.
  2. Den dicken Mann nicht schubsen, da dies eine mutwillige Tat wäre und einen Unbeteiligten involvieren würde.
  3. Den einzelnen Arbeiter opfern und sich selbst sowie die vier anderen Arbeiter retten.
  4. Intuitiv würde sich wahrscheinlich jeder selbst retten. Hätte man allerdings länger Zeit zu überlegen, würden sich eventuell manche selbst opfern.

Gemeinsam als Kurs haben wir per Mehrheitsabstimmung den Test der Moral Machine durchgeführt. Hierbei entscheidet man in verschiedenen Szenarien, wie ein autonomes Auto in ausweglosen Situationen zu reagieren hat. Das Prinzip ist wie oben dasselbe: Man muss zwischen Leben abwägen. In diesem Gedankenexperiment geht es jedoch nicht nur darum, wie bei den Bauarbeitern die Quantität an Leben abzuwägen, sondern die Qualität muss auch berücksichtigt werden. Der Simulator stellt einen vor Entscheidungen, bei welchen die Anzahl, das Geschlecht, die soziale Stellung, das Alter, die Befolgung der Gesetze (Fußgänger überqueren die Straße bei rot/grün) und sogar die Spezies (Haustiere sind auch Teil der Aufgabe) abgewogen werden müssen. Ein angenehmes Gefühl hinterlässt das Gedankenexperiment nicht wirklich. Trotzdem war das Ergebnis sehr interessant. Nach der Beendung der Simulation, wird eine Zusammenfassung erstellt, welche Präferenzen sich während der Durchführung gezeigt haben. In unserem Kurs sah dies wie folgt aus: Im Durchschnitt hat unser Kurs sehr utilitaristisch entschieden, was sich z.B. durch das Retten von Ärzten zeigte. Es wurden von der Mehrheit eher Männer gerettet, genauso wie jüngere und sozial höher gestellten Menschen Vorrang gegeben wurde. Bei der Entscheidung zwischen Mensch und Tier hat sich der Kurs stets für den Menschen entschieden.

Führt den Test einmal selbst durch und schreibt in die Kommentare, wie eurer Ergebnis lautet. Findet ihr die Entscheidungen unseres Kurses richtig oder hättet ihr anders gewählt? Ihr könnt auch gerne zu dem oberen Dilemma mit den Bauerbeitern Stellung beziehen.

Aufschrieb

Grundgedanken

  • Gerechtigkeit
  • Allgemeinwohl vor Eigenwohl → Pro-Kopf-Nutzen steigern
  • Größtes Glück für die größte Zahl (an Menschen) → „Pig philosophy“? →langfristiges Glück, Bildung, Qualität des Glücks ( ↯ Gegensatz zu Bentham) →auch Einschränkungen der Freiheit Einzelner möglich

Kritikpunkte

  • „Pig philosophy“ (Gegner vertreten die Meinung, Mills Philosophie würde ausschließlich kurzfristige Lust erzielen)
  • Einzelinteressen werden geopfert
  • Zensuswahlrecht (Interessen von Arbeitern und Unterschicht werden nicht vertreten)
  • Gerechtigkeit ist subjektiv, wird auch von außen beeinflusst
  • Zweck kann Mittel heiligen, auch wenn diese menschenunwürdig sind

Grundprinzipien des Utilitarismus

  • Konsequenzen: Nicht die Motive, sondern die Folgen entscheiden über die Moralität und Gutartigkeit einer Handlung
  • Utilität: Der Nutzen ist der Maßstab nach dem eine Handlung beurteilt wird
  • Hedonistisches Prinzip: Das allerhöchste Gut ist die Lust oder das Glück (pleasure)
  • Prinzip der Universalität: Nicht die Individuen, sondern die Gemeinschaft steht im Mittelpunkt

Quellen

Zusammenfassung des Ethikunterrichts am 19.06.2020

19.06.2020, 9:40h – 11:15h, alle anwesend

Zu Beginn der Stunde haben wir das Dilemma des Kurzfilms „Sommersonntag“ mithilfe eines Schemas auf den Utilitarismus nach Jeremy Bentham bezogen. Dabei haben wir in einer Tabelle direktes und indirektes Glück direktem und indirektem Leid gegenübergestellt.

Direktes Glück/Leid ist unmittelbar. Das bedeutet, dass es einen sofort, also ohne einen Mittler, betrifft. Indirektes Glück ist mittelbar, was bedeutet, dass ein Mittler vorhanden ist. Ein Beispiel dafür wäre, dass ich traurig bin und meine Freunde aus Mitleid oder aufgrund der bedrückten Atmosphäre auch traurig werden. Es kann somit auch eine Woche nach dem Geschehen auftreten, da man hauptsächlich bei anderen Menschen mitfühlt.

In Bezug auf „Sommersonntag“ haben wir Glück mit weniger oder keinem Leid gleichgestellt. Das bedeutet, dass wir beispielsweise die Reisenden als glücklich bezeichnet haben, weil die nicht ertrunken sind und somit kein Leid hatten. Neben den Reisenden haben wir noch ihre direkt Verwandten in die Spalte „direktes Glück“ geschrieben, da sie auch ohne Mittler um den Verlust der Person trauern werden.

Indirektes Glück haben Familie, Freunde und Bekannte, da niemand in ihrem Umfeld gestorben ist und sie das Leid anderer Personen somit nicht belasten kann. Zudem der Bundespräsident, da wenig Leute gestorben sind, die Bahn, da sie keine Mittarbeiter und keinen Zug verloren haben und die Firmen in denen die Reisenden arbeiten, da diese keine qualifizierten Mitarbeitern verloren haben und somit keine neuen Mitarbeiter suchen mussten.

Direktes Leid hatte der Sohn, da er umgebracht wurde. Zudem hatte der Vater direktes Leid, da er seinen eigenen Sohn umbringen musste, jedoch hätte er in jedem Fall direktes Leid erlebt und die Mutter betraf ebenfalls direktes Leid, da sie ihren Sohn verloren hat und eine Teilschuld trägt, da sie ihn nicht pünktlich abgeholt hat.

Indirektes Leid haben zum einen die restliche Familie, Freunde und Bekannte des Jungens und Leute aus dem Zug, die von dem Geschehnis mitbekommen und ein schlechtes Gewissen haben, da ein Junge für sie gestorben ist.

Schließlich haben wir einen ungefähren Zahlenwert aufgeschrieben, um herauszufinden mit welcher Entscheidung die meisten Menschen glücklich sind.

Diese Zahlen sind allerdings nur grob geschätzt und es könnten eventuell noch Kategorien hinzukommen, da der Junge oder einer der Reisenden in Zukunft jemanden das Leben retten könnte. Zudem könnte unter den Reisenden sowohl ein Arzt sein, der ein Heilmittel gegen eine bisher unheilbare Krankheit entdeckt, als auch ein Serienmörder, der in der Zukunft einige Menschen töten wird.

Man hätte zudem die Zahlen des direkten Glücks/Leids höher als die des indirekten Glücks/Leids werten können, indem man beispielsweise alle Zahlen in der „direkt-Zeile“ mit zwei multipliziert. Somit gäbe es einen Unterschied zwischen der Mutter und den Menschen aus dem Zug, da die Langzeitwirkung des Leids für die Mutter wesentlich drastischer ist. Dadurch hätte man die Schwäche der unverhältnismäßigen Gegenüberstellung ausgeglichen.

Im Großen und Ganzen ist jedoch eindeutig, dass sich der Vater zugrunde des Utilitarismus richtig entschieden hat, da die Anzahl der Menschen, die Glück hatten, gegenüber denen, die leiden, überwiegt. Erstere ist nahezu 20-mal so groß.

SommersonntagGlück bzw. weniger/kein LeidLeid
direkt unmittelbarReisende 230
Direkte Verwandte 500
Sohn 1
Vater 1
Mutter 1
indirekt mittelbarFamilie, Freunde, Bekannte 1500 Bundespräsident 1
Bahn 10
Firmen 200  
Restliche Familie, Freunde, Bekannte 50
Leute aus dem Zug 75
Ergebnis2441128

Ein weiterer Kritikpunkt des Modells ist die Frage, ob es ethisch gerechtfertigt ist, quantitativ Glück gegen Leid abzuwägen.

Bezüglich dieser Frage haben wir uns Beispielsituationen durchgelesen und darüber diskutiert, ob man dieses hedonistische Kalkül anwenden kann oder nicht. Wenn man es unserer Meinung nicht anwenden konnte, mussten wir noch bestimmen, ob man es aufgrund der Langzeitwirkung oder aufgrund der aufzubringenden Mittel/Moral nicht anwenden sollte.

Ein Beispiel für die Anwendung wäre, dass ein Arzt einem Patienten das Bein amputiert, um sein Leben zu retten. Hierbei kann man das hedonistische Kalkül anwenden, da der Zweck bedeutender als das Mittel ist. Für den Patienten würde es sich auf jeden Fall lohnen, sein Bein amputieren zu lassen, wenn er anderenfalls stirbt.

Ein Beispiel, dass aufgrund von Langzeitfolgen gegen das Kalkül spricht, wäre einen Brand in einer menschenleeren Waffenfabrik nicht zu löschen, um die Produktion weiterer Kriegswaffen zu verhindern. Dagegen spricht, dass es so viele Waffenfabriken gibt, dass eine weniger keinen Unterschied machen würde. Zudem würde sie danach wieder aufgebaut oder auf einen anderen Standort verlegt werden. Langfristig gesehen würde es somit nichts an Kriegen ändern.

Ein Beispiel dafür, dass die Mittel sich dem Zweck gegenübergestellt nicht lohnen oder moralisch verwerflich sind, wäre ein Frauenarzt, der Patientinnen anstelle der Anti-Baby-Pille heimlich Plazebos gibt, um die Geburtenrate zu erhöhen und somit einen langfristigen Generationenvertrag zu gewähren. Es wäre moralisch nicht vertretbar, Frauen zu einer Schwangerschaft zu zwingen, vor allem, wenn sie nicht bereit dazu sind. Diese Frauen haben sich durch die Einnahme der Anti-Baby-Pille gegen ein Kind entschieden und dafür vermutlich Gründe gehabt werden. Es könnte unter anderem sein, dass sie noch zu jung für ein Kind sind, evtl. eine vererbbare Krankheit haben oder nicht die Zeit bzw. finanzielle Mittel haben, ein Kind großzuziehen.

Während diese drei Beispiele relativ deutlich zuzuordnen waren, gab es bei anderen längere Diskussionen. Eines dieser Beispiele wäre, dass ein Arzt einem gesunden Menschen jahrelang unter einem Vorwand heimlich Blut abnimmt, um ein Medikament zu entwickeln, dass Millionen Leben retten kann. Für die Anwendung des hedonistischen Kalküls spricht, dass es dem Patienten nicht schadet, wenn ihm Blut abgenommen wird und der Arzt gleichzeitig, wenn die Herstellung des Medikaments gelingt, Millionen Leben retten kann und ein Arzt sollte alles tun, um Leben zu retten. Doch nach dem Gesetz würde der Patient dadurch in seiner Würde verletzt werden und somit wäre das quantitative Gegenüberstellen von Leid und Glück moralisch nicht vertretbar. Der Arzt sollte den Patienten um Erlaubnis fragen oder Blut von Leuten nehmen, die es für diesen Zweck gespendet haben.

Kurz vor dem Ende der Ethikstunde haben wir uns einen Podcast über John Stuart Mill, dem Begründer des Utilitarismus, angehört.

Eckpunkte seines Lebens sind, dass er schon immer ein Querdenker war und somit andere Meinungen als die Mehrheit vertrat. Als junger Mann wurde er deshalb schon einmal zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Unter anderem setze er sich für ein Wahlrecht für Frauen und öffentliche Bildungseinrichtungen für Notarbeiter ein. Er selbst war dem gehobenen Mittelstand zugehörig und politisch liberal eingestellt. Zudem war er politischer Autor und Unterhausabgeordneter. Er verglich oft den Nutzen des Individuums mit dem der Gesellschaft, wobei die Gesellschaft stets Vorrang hatte.

Beispiele wären, ein Rauchverbot in Gaststätten und Kneipen, kein freier Erwerb von Schusswaffen oder auch ein abstürzendes Flugzeug mit 100 Insassen abzuschießen, um 1000 Menschen am Boden zu retten.

Negativbeispiele wären, dass 10% der bundesdeutschen Bevölkerung 30% des Volksvermögens besitzen oder dass in Dritter Welt Länder Pflanzen angebaut werden, die westliche Zivilisationen als Futtermittel benutzen.

Die Grundgedanken seines Utilitarismus beziehen sich darauf, dass Handlungen für so viele Menschen wie möglich den größtmöglichen Nutzen erfüllen sollen. Dabei darf die Freiheit des Einzelnen eingeschränkt werden.

Unter Wohlverstandenem Eigeninteresse versteht man, dass jeder nach seiner eigenen Lust und seinem eigenen Glück strebt, jedoch das Gesamtbild der Gesellschaft nicht aus dem Auge verloren werden darf.

Handlungen sind insoweit moralisch richtig, wenn sie kollektives Glück befördern.

Gerecht ist das größtmögliche Glück der größtmöglichen Anzahl von Menschen. Nun stellt sich wie Frage, ob Gehälter und Sozialleistungen gerecht sein können. Das Interesse bzw. das Glück von Minderheiten wird schließlich gegenüber dem der Mehrheit zurückgestellt.

Kritik an Mill wäre somit, dass sein Prinzip des Utilitarismus nicht auf Gleichbehandlung beruht, sondern Einzelne dem Unglück ausgesetzt sein dürfen. Allerdings wäre es ethisch nicht angemessen, Leuten ihr Glück zu verwehren und sie aus egoistischem Interesse der Mehrheit in extremes Unglück zu stürzen. Beispiele dafür wären der Nationalsozialismus oder auch das Verbot von Homo-Ehen. Somit wird deutlich, dass sich auch die Mehrheit irren kann. Doch auch ein Zensuswahlrecht, das nur Gebildeten das Wahlrecht gibt, ist nicht optimal. Wie bereits erwähnt,  ist es zu kritisieren, wenn Minderheiten benachteiligt werden. Schließlich muss man ein Kriterium finden, dass gebildete Menschen von ungebildeten Menschen trennt. Früher durften somit nur Menschen ab einem gewissen Einkommen wählen. Man kann es befürworten, da sie meist eine bessere Schulbildung hatten, allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass dadurch die Intressen der Ärmeren politisch überhaupt nicht vertreten werden.

Der Utilitarismus ist heute insofern aktuell, dass jeder wählen darf und somit die Mehrheit über die Regierung bestimmt und bestenfalls mit ihr zufrieden sein wird. Allerdings steht der Utilitarismus auch oft der Moral gegenüber. Es stellt sich die Frage, ob man Futtermittel in Dritter Welt Länder anbauen darf, um das Klima zu schützen. Tut man dies, hat die Bevölkerung dort nicht genug Anbaufläche für Nahrungsmittel, tut man es nicht, wird die Umwelt weniger geschützt. In diesem Fall wäre es moralisch vertretbarer, auf das Glück des Kollektivs zu verzichten und den Menschen dort beispielsweise mit Nahrungsmitteln auszuhelfen. Das Tierfutter wird zwar teurer, aber die Menschen dort müssten im Gegenzug nicht verhungern. Somit zeigt sich, dass der Utilitarismus eine Grundlage für ethische Grundkonzepte, die auf Gedankenexperimenten basieren, ist, jedoch heutzutage oft nicht auf die Gesellschaft bezogen werden kann, da es zu Benachteiligungen von Minderheiten führen kann.

Quelle:

https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/john-stuart-mill-utilitarismus100.html zuletzt aufgerufen am 25.06.2020

Zusammenfassung des Ethikunterrichtes der K1 am 29.05.2020

Themen: Zeit während der Corona Pandemie und Utilitarismus

Standort: Gymnasium Gerabronn, Raum 26  

Datum: Freitag, den 29.05.2020

Uhrzeit: 11.25 Uhr – 13.00 Uhr

Referentin: Frau Schütze

Anwesend: 15 von 15 Schülern + ein Gast

Die Ethikdoppelstunde am 29.05.2020 war der erste Präsenzunterricht in Ethik, seitdem die Schulen am Dienstag, den 17.03.2020 schlossen. Somit begann unser Unterricht damit, über die vergangene Zeit zu Hause nachzudenken. Hierfür hat sich unsere Lehrerin etwas Nettes einfallen lassen, jeder von uns, auch unser Gast, hat einen „Brief“ und einen Briefumschlag bekommen. Diesen „Brief“ sollten wir ausfüllen und anschließend die Adresse unserer Eltern auf den Briefumschlag schreiben, damit unsere Lehrerin uns diesen in zehn Jahren zukommen lassen kann. Der „Brief“ bestand aus drei Seiten, auf den ersten beiden Seiten hatte unsere Lehrerin unsere aktuelle Situation und die Geschehnisse seit dem Auftauchen des Coronavirus in einem kurzen Text zusammengefasst und anschließend Fragen zu unserer Person und zu der „Corona-Lockdown-Zeit“ formuliert. Auf der letzten Seite stand nur ein Satz „Das möchte ich dir, liebes zukünftiges Ich, noch sagen“, hier hatten wir die Möglichkeit einen wirklichen Brief an unser Ich in zehn Jahren zu schreiben (den Brief findet ihr im Anhang).

Mit dieser Aufgabe waren wir den Großteil der Doppelstunde beschäftigt, sodass wir uns erst ab 12.30 Uhr dem nächsten Thema unserer Doppelstunde zuwenden konnten, dem Utilitarismus. Hierfür sollten wir erstmal einen Text zum Utilitarismus lesen (Punkt 1-6 + 10 und 11 des ersten Kapitels), darauf folgend besprochen wir worum es sich bei Utilitarismus handelt. Der Utilitarismus ist eine Form der zweckorientierten Ethik, welche aussagt, dass eine Handlung genau dann moralisch korrekt und nützlich ist, wenn sie die Summe des Wohlergehens aller Betroffenen steigert, somit steht das Wohlergehen vieler über dem Wohlergehen weniger. Um dieses Prinzip genauer zu verstehen schauten wir uns einen Kurzfilm „Sommersonntag“ an.

Zu Beginn des Filmes sieht man einen Vater der mit seinem Kind an der Hand zu seiner Arbeitsstelle läuft. Die beiden unterhalten sich in Zeichensprache, woraus klar wird, dass das Kind taub sein muss. Als die beiden an der Arbeitsstelle des Vaters ankommen, löst dieser seinen Kollegen ab und erklärt, dass die Mutter mal wieder das gemeinsame Kind nicht abgeholt hat und er deshalb den Jungen wieder mit auf die Arbeit nehmen musste. Der Vater arbeitet an der Rethe Brücke, seine Aufgabe ist es die Brücke hochzufahren, wenn ein Schiff unter ihr durchmuss und wieder runterzulassen, wenn ein Zug über sie fährt. Als ein Schiff auf dem Weg zu der Brücke ist, bittet der Junge darum die Brücke hochfahren zu dürfen und der Vater lässt dies auch zu, nachdem er seinem Kind erklärt hat, wie das geht und ihm seine Arbeitsmütze gibt. Als Dankeschön möchte Micha, der Sohn, seinem Vater ein Bild malen und dieser schlägt vor, dass Micha ein Bild von der Brücke und einem Schiff malen soll. Hierfür will der Junge nach Draußen gehen aber davor erinnert ihn sein Vater daran gut acht auf seine Arbeitsmütze zu geben. Als das Kind draußen ist wird dem Vater durchgegeben, dass ein Zug bald planmäßig die Brücke passieren wird. Hierfür beginnt er die Brücke wieder zu senken, diese senkt sich jedoch nur ein kleines Stück, da es einen Stromausfall gibt, welchen der Vater sofort zu beheben versucht. Zeitgleich wird Micha die Mütze vom Kopf geweht und landet auf den Betonträgern, auf welchen die Brücke im geschlossenen Zustand steht. Micha schaut der Mütze erstmal nur nach und folgt ihr anschließend auf die Betonträger. Sein Vater hat derweilen mitbekommen, dass der Zug nicht mehr aufzuhalten ist und versucht alles um die Brücke zu senken indem er die Notsenkung betätigt, bis er bemerkt, dass Micha unter der Brücke steht und die dreckig gewordene Mütze putzt. Er versucht Micha von dem Betonträgern weg zu rufen, damit er die Brücke senken kann, dieser hört ihn jedoch nicht als Folge seiner Taubheit.


An dieser Stelle pausierte unsere Lehrerin und fragte uns was wir tun würden. Die meisten entschieden sich dem Utilitarismus entsprechend und stellten das Wohl vieler über das Wohl weniger, sie würden sich also in der Situation dazu entscheiden das Kind zu töten um das Leben der Insassen im Zug zu retten. Auf der anderen Seite kam jedoch die Meinung auf, dass das Wohl seines Kindes für seine Eltern immer an erster Stelle steht, hier würden sie das Leben des Kindes retten und die Insassen des Zuges sterben lassen.

 (Arbeitsblatt aus dem Unterricht, mit kompletter Gegenseite des Utilitarismus als eigene Position)

Der Vater entschied sich ebenfalls dem Utilitarismus entsprechend, so wie es die meisten von uns auch getan hätten. Er brachte sein eigenes Kind um, um die Insassen des Zuges zu retten. Am Ende des Kurzfilms sieht man ihn am Grab seines Sohnes. Mit dem Ende des Films endete auch unser Unterricht.

Was hättet ihr an der Stelle des Vaters gemacht? Schreibt es gerne in die Kommentare.

Anhang

Text zum Utilitarismus: joachimschmid.ch/docs/PAzBenthJerEinPriM.pdf

Kurzfilm „Sommersonntag“: https://www.youtube.com/watch?v=3pUgwD5NO5w

Arbeitsblatt zum Kurzfilm: https://mariakasparek.files.wordpress.com/2017/03/ab-und-nun-herr-bentham-sprechblasen.pdf

Haben Ex-Terroristen eine zweite Chance verdient?

„Das Leben war schrecklich. Wir hatten nicht genug zum Überleben, mein Mann versuchte, Zigaretten zu verkaufen, die Terroristen haben ihn festgenommen, ins Gefängnis geworfen und gefoltert. Als sie sahen, dass ich um meinen Mann weinte – und sie konnten durch den Vollschleier ja nur meine Augen sehen –, da wollten sie mich auch schlagen und einsperren. Sie zwangen mich, mein Gesicht mit Dreck zu waschen. Und ich war hochschwanger.“

https://www.deutschlandfunk.de/terrormiliz-is-frauen-wollen-vergeltung-fuer-unsagbare.724.de.html?dram:article_id=373462

Amineh, die Frau von der dieses Zitat stammt, berichtet von ihrem Leben unter dem Terrorregime Islamischen Staat. Sie ist nur eine Stimme von sehr vielen Menschen, die vom IS gefoltert, vergewaltigt oder verkauft wurden. Von diesen Misshandlungen zu lesen macht sehr wütend und wirft Fragen auf. Wie kann ein Mensch sich so einer Organisation anschließen? Wie kann jemand davon ausgehen solche Taten zu begehen und dabei im Recht zu sein?

Unverständnis und Hass sind Dinge, die Terroristen erreichen. Gerne würde man nie etwas mit jemandem zutun haben, der so etwas unterstützt. Aber was passiert, wenn ein Ex-Terrorist seine Strafen verbüßt hat? Unser Land muss die deutschen Ex-Terroristen aufnehmen, doch wie kann man als Gesellschaft mit solchen Menschen umgehen? Haben sie eine zweite Chance verdient?

Zuallererst muss man sich darüber im Klaren sein, ob man das deutsche Rechtssystem als gerecht wahrnimmt.Ich werde im Folgenden davon ausgehen, dass die Strafe im Verhältnis zum Verbrechen steht, um die Diskussionsmenge einzuschränken. Der Schuldige hätte dann immer eine zweite Chance aus rechtlicher Sicht verdient.

Grundsätzlich wird die Strafe an der Härte des Verbrechens bemessen, weshalb Schwerverbrecher für sehr lange Zeit ins Gefängnis müssen und es vielleicht nicht mehr verlassen werden. Doch wie ist es, wenn jemand nur kleine Aufgaben als Terrorist erfüllte, niemanden direkt umgebracht oder gefoltert hat? Solche Menschen fahren dann früher oder später wieder mit uns in der Bahn oder arbeiten mit uns. Was wäre, wenn dem Ex-Terrorist nur nichts „Großes“ nachgewießen werden konnte?

Ich persöhnlich finde nicht, dass ein Mensch, der bewusst jemanden anderen aus Lust oder aus einem Ideal umgebracht hat, jemals wieder frei sein sollte. Er hat anderen das Leben genommen, aber darf sein eigenes in Ruhe weiterleben? Das finde ich ungerecht. Doch im Vertrauen an unseren Rechtsstaat muss davon ausgegangen werden, dass solche Fälle erkannt und bestraft werden.

Ob jemand Reue empfindet, ist schwer zu erkennen. Viele würden so etwas auch vorgeben, um besser dazustehen. Deshalb wird mit einer Eingliederung in die Gesellschaft ein großes Risiko eingegangen. Doch wie würde ein Gegenbeispiel aussehen? Was würde passieren, wenn Ex-Terroristen nicht wieder eingegliedert werden, keine Freunde, keinen Job, keine Wohnung finden würden? Würde man sie dann nicht zurück in ihr altes Leben drängen? Wenn sich jemand wirklich geändert hat, muss man als guter Mensch nicht noch eine Chance geben?

Hier muss man sich über eine weitere Sache im Klaren sein, und zwar der Frage, ob man glaubt, dass sich ein Mensch wirklich ändern kann. Ändert er seine Überzeugung, könnte er zu einem „normalen“ Bürger werden. Viele Menschen schließen sich aus Zugehörigkeitswünschen extremen Organisationen an. Wenn hier eine offene Gesellschaft auftreten würde, wäre es vielleicht möglich, solche Menschen aufzufangen.

Es gibt Terroristen, die mehr oder weniger unbewusst in die Situaton gerutscht sind. Ein konkretes Beispiel ist unten verlinkt. Natürlich ist das keine Entschuldiung dafür, Organisationen wie den IS zu unterstützen, das möchte ich in keinster Weise andeuten. Trotzdem würde ich in individuellen Fällen eine Wiederaufnahme in die Gesellschaft auf jeden Fall beführworten. Kriterien, die mir dabei wichtig sind, sind psychologische Einschätzungen und echte Reue, damit das Risiko eines Rückfalls möglichst gering sind.

Individuelle Fälle können und sollten jedoch nicht verallgemeinert werden. Weder leichtfertige generelle Freilassungen noch rigerose Ablehnung von Freilassungen sind hier Lösungen. Stattdessen können wir nur persönlich einschätzen und dann handeln.

Zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft gibt es nur eine andere Möglichkeit und zwar das „Nicht-Eingliedern“. Lebenslänglich für jeden ehemaligen Angehörigen einer Terrororganisation – wäre das eine bessere Lösung? Anfangs hielt ich es dafür, doch nach der Auseinandersetzung mit einem Fallbeispiel (siehe Video), denke ich anders darüber. Ich glaube, dass selbst Ex-Terroristen in wenigen Fällen eine zweite Chance bekommen sollten.

Was denkst du über dieses schwierige Thema? Es gibt weder richtig oder Falsch, noch eine einfache Lösung. Schreib mir gerne einen Kommentar mit deiner Sicht dazu!

Quellen:

  • (Empfehlenswertes) Video zum Thema:

Anregungen für Beiträge III

  • Kann man überhaupt ethisch korrekt leben?
  • Macht die Beschäftigung mit philosophischen Fragen glücklich?
  • Was macht die Seele eines Menschen aus (im Unterschied zu Geist, Bewusstsein, etc.)?
  • Können wir als Menschen überhaupt Wahrheit erkennen?
  • Was sollten Kinder unbedingt von ihren Eltern lernen?
  • Gibt es „dumme“ Fragen?
  • Was ist Liebe?
  • Gibt es ein Recht auf Nichtwissen?
  • Welche Fragen werden zu selten gestellt?
  • Wir alle sind Menschen und wollen gut leben – warum ist es trotzdem so schwer?
  • Gibt es gerechte Kriege?
  • In welchen Situationen ist der kategorische Imperativ hilfreich / nicht hilfreich?
  • Alles ist möglich: wie sieht die ideale Welt aus? (Warum tun wir so wenig dafür?)
  • Ist der Mensch frei?

Anregungen für Beiträge II (Corona-Edition)

  • Wieviel wird die neue Normalität mit der alten gemeinsam haben?
  • Was sollte sich gegenüber der vor-Corona-Zeit ändern? Was sollten wir aus der Corontäne bei behalten?
  • Wieviel ist ein Mensch wert? Überlegungen zu Triage und Menschenwürde
  • Diskussion verschiedener Dilemma-Situationn (auf dieser Seite ganz unten)
  • Generationenkonflikte: Junge Menschen zu alten: warum sollte ich mich einschränken, um dich vor Corona zu schützen? alte Menschen zu jungen: Warum sollte ich was gegen den Klimawandel tun, wenn es ernst wird, bin ich längst tot. // Gibt es eine Pflicht zum verantwortungsvollen Handeln?
  • Die Einkaufsstraßen sind noch immer recht leer – es wird weniger konsumiert. Aber liegt in der Wertschätzung der Dinge tatsächlich das Problem?
  • Warum kann man die Corona-Zeit nicht besonders produktiv nutzen? Hier ein Denkanstoß: „Während der Verzicht bestärkt und sichert, macht der Mangel machtlos. Auch wenn man in beiden Zuständen nicht vor die Tür geht“
  • Eine neue Art des Zusammenlebens? Ein Denkanstoß
  • Sollten wir mehr Marx lesen? Interview mit Paul Mason

Zwangs Heirat, ist es ethisch vertretbar?

In einigen Ländern, wie Indien, China, Italien und noch vielen anderen,, existiert immer noch die Zwangs Heirat. Das bedeutet, dass die Eltern junger Menschen entschieden, wen ihr Kind heiraten darf und wen nicht. Oftmals steht hierbei im Vordergrund die Ehre der Familie zu erhalten. Meistens kennen sich die beiden die heiraten sollen entweder gar nicht oder nur ein paar Wochen oder Monate.

Um meine Meinung dazu zu unterstützen habe ich folgendes Zitat aus dem Disney Film “ Die Eiskönigin“ : “ you can’t marry a man you just met“ .Ich finde dieses Zitat aus dem Grund sehr passend,da es ja bei vielen Zwangs Hochzeiten so ist, dass sich die zwei verlobten nicht kennen. Es ist einfach sehr kritisch und auch unfair den beiden gegenüber vorzuschreiben wen sie Heiraten müssen nur für die Ehre der Familie. Ich finde eine Hochzeit aus Liebe bringt sogar mehr Ehre als eine sogenannte gute Partie. Auch ethisch finde ich es nicht vertretbar aus dem Grund, dass die beiden die heiraten sollen in ihrer Freiheit eingeschränkt werden selbst zu entscheiden wen sie lieben und wann sie heiraten wollen. Auch wird ihnen die Freiheit genommen selbst Erfahrungen in der Liebe zu machen.

Um alles zusammen zu fassen finde ich, dass die Zwangs Heirat nicht ethisch vertretbar ist. Ich finde es auch irgendwie erschreckend dass sie in vielen auch hoch entwickelten Ländern immer noch zur Tradition gehört und Praktiziert wird. Denn eine Hochzeit aus Liebe ist mehr wert, da man sich sicher ist wen man heiraten will.

Die Frage nach Gerechtigkeit

Es ist heiß.
Ich gehe mit meiner kleinen Schwester durch die Stadt, wir besorgen uns Eis, gehen in den Park. Setzen uns in den Schatten einer großen Linde. „Kim!“, ruft sie plötzlich, aufgesprungen und losgerannt zu der großen Statue, die auf dem gegenüberliegenden Platz steht. „Was ist denn?“ gebe ich -zugegebenermaßen: genervt – von mir. „Wieso hat die Frau denn verbundene Augen? Und was macht die überhaupt?“ fragt sie und ich muss erst mal hochschauen, gegen die Sonne. Oh das ist ja Justizia!

Keine blöde Frage, die meine Schwester da gestellt hatte.
Allgemein bekannt ist ja, dass Justizia ein Zeichen der Gerechtigkeit ist. Beziehungsweise der Rechtsstaatlichkeit. Oder beidem? Aber was ist denn Gerechtigkeit? Aristoteles hatte ja die Idee, dass Gerechtigkeit eine Tugend ist, die nur in konkreten Handlungen oder Taten zum Vorschein kommt, und unterschied zwischen Gerechtigkeit zwischen Staat und Bürger sowie Bürger und Bürger. Fehlverhalten sollte berichtigt werden. Aber ist das „nützlich“? Und kann ich das tun? Bzw. ein Staat, in dem er über jemanden entscheidet? Wenn jemand vor Gericht kommt, weil er etwas gestohlen hat, dann wird zum einen sein Motiv gewertet, also die Beweggründe, weshalb er die Tat beging, des weiteren die Tat selbst: Wie war der Tathergang? Wie groß der Wert des entwendeten Objekts? Und weiter: Wenn nun eine Geldstrafe verhängt wird, oder bei schlimmeren Vergehen sogar die Freiheitsstrafe, wird über die Zukunft des Angeklagten entschieden. Man geht also davon aus, dass der Schaden ausgeglichen werden muss, im materiellen Sinn (-> Geld) oder im immateriellen (->Freiheitsstrafe), und dass dies von einem Staat angeordnet werden muss. Dafür steht dann das Schwert der Justizia, also für die Durchführung der Gerechtigkeit. Nun geht man also davon aus, dass der Täter diese Tat nicht von selbst begleichen oder reflektieren würde.

Das heißt, es gibt kein Vertrauen darauf, dass er dies tun würde, bzw. die Tat gar nicht erst begehen würde, was man ja an geläufigen Kriminalitätsraten durchaus als rationale Entscheidung nachvollziehen kann.

Das heißt, dar Rechtsstaat ist eine Absicherung, falls doch etwas schief geht. Falls der Mensch die Grenze übertritt, die Grenze, an der die Freiheit des anderen beginnt. 

In einer optimalen Gesellschaft bräuchte man das also nicht. Jeder würde sich gerecht verhalten.

Keine Justizia mehr benötigt? Aber nein, sie steht noch da, auf dem Platz mit dem Kopfsteinpflaster und den roten Bänken, Sie ist keine Illusion, keine Vision, sie steht da. Und da ist meiner Meinung nach der Punkt: In einer Utopie der gerechten Gesellschaft handelt jeder gerecht. „Gerecht“ ist aber Definitionsfrage. Das geht schon beim Eis los: Wer bekommt am meisten?

Der, der am meisten benötigt?

Oder am meisten geleistet hat?

Oder, wie Walter Rathenau meinte: Allen das Gleiche?

So geht es aber nicht nur in der Nachtischdebatte zu, sondern auch bei der Steuerpolitik: Kann man, aufgrund des wachsenden Abstandes zwischen arm und reich, Steuern auf große Erbschaften, Kapitalerträge und Immobilien erhöhen, da „die (…) Konzentration von Reichtum in einer demokratischen Gesellschaft nicht zuträglich ist“, wie es Hannes Koch 2005 formulierte? Natürlich kann man hier auch fragen, ob der Kapitalismus an sich gerecht ist: Hayes meinte hierzu, er sei das, da der Markt sich selbst regle, sie starken ihren Lohn bekommen, die faulen bzw schwachen eben weniger. Wobei die Frage ist, wo dann die Empathie bzw. die christliche Nächstenliebe bleibt, wenn im Kapitalismus jeder nach größtmöglichem Eigenerfolg strebt. Mit Kapitalismuskritiker könnte man jedoch etliche weitere Seiten füllen – wäre der Kapitalismus diesem Aufwand gerecht ;)? -deshalb zurück zum Platz der Justizia:

Es gibt also unterschiedliche Weisen, Gerechtigkeit zu definieren: Einer meint, es wäre gerecht, die schwachen auf die roten Bänke sitzen zu lassen, ein anderer meint, die, die hart gearbeitet haben, dürfen sich unter dem Baum ins weiche Gras in den Schatten legen, der nächste ist der Auffassung, alle müssen auf dem Kopfsteinpflaster stehen. Und da eben nicht alle einer Meinung sein werden, diskutiert man eben zu siebenhundertneunt, lässt Gesetzte entwerfen, beschließen, die eben von den Personen in schwarzer Robe angewendet werden: Um sich auf die eine „Norm“ zu einigen. Die nie alle einhalten werden, da es eben nie der Meinung aller 80 Millionen entsprechen wird.

Ist absolute Gerechtigkeit also eine Illusion, etwas, das nie erreicht werden kann? Um die Frage, nach dem was kommen wird zu beantworten, kann man einmal den Blick auf das was war wenden:

Das erste, was einem hierbei einfällt, ist vermutlich die griechische Polis: Um die Gerechtigkeit auszuloten, wurden in regelmäßigem Abstand andere Mitglieder des „Parlaments“ durch den Zufall des Loses bestimmt. Und kann es etwas gerechteres geben als den Zufall? Doch trotz alledem traf die Möglichkeit, mitbestimmen zu können. nur auf Bürger zu. Sklaven und Frauen waren nicht mutinbegriffen.

Selbst heute scheint es, als hätten sich die Ungerechtigkeiten und Unterdrückungen der einen Gruppe durch die andere keineswegs aufgelöst, sondern sich nur in post-kolonialer Abhängigkeit über den gesamten Globus erstreckt und verschlimmert. 

Und trotzdem gibt es jeden Tag Menschen, die für ihre Rechte oder die anderer einstehen, Gerechtigkeit fordern und fördern. Nelson Mandela? Malala? Schindler? Manchmal genügt das sitzenbleiben einer Person zum Aufstand der Welt: Rosa Parks. Greta Thunberg. Manchmal fordert es hartnäckigen, langwierigen zivilen Ungehorsam: Mahatma Grandi. Wobei letzterer bekanntlich für seine Vision von einem Andersdenkenden  erschossen wurde.. Also doch nur Illusion?

Mein Blick fällt wieder auf die Statue. Sie ist noch da. Vielleicht benötigt es nur Menschen, die sie sehen. Wie meine Schwester. Die aus der Illusion eine Vision machen

„Kim!!! Was ist denn jetzt?“ Ja hmmmmm. Wie erkläre ich das jetzt?

„Schau die Frau hat die Augen verbunden dass sie uns nicht sieht, die Waage, dass sie entscheiden kann, ob wir lieb zueinander sind. Das Schwert ist zum drohen da…“ (Nicht gerade pathetisch)

Fragend blickt mich meine 5-jährige Schwester mit großen Augen an.

„Ok…wieso braucht man das denn? Naja, egal, Erwachsene sind ja manchmal komisch. Aber hey, magst du mein Eis haben? Ich kann nicht mehr!“

„Klar“, grinse ich. Kinder brauchen auch gar keine Erklärung, manche haben es einfach schon verinnerlicht – auch wenn sie es gar nicht wissen kann.

Quellen:

  • Mahatma Ghandi – „Was für einen Menschen möglich ist, ist für alle möglich“ , (2015), Planet Wissen -ARD
  • Lady_Justice (07.01.2020)
  • Bedenkliche Schieflage, (2015), Hannes Koch
  • Auf dem Fechtboden des Geistes. Aphorismen aus seinen Notizbüchern, Walther Rathenau (1953)
  • Eigenes Gehirn 🙂

Rauben Tierparks den Tieren ihre Freiheit?

Diese Frage stellen sich einige Leute wenn sie einen Ausflug in einen Zoo machen. Schließlich sind es doch wilde Tiere, die ihren Platz brauchen. Es gibt einige Argumente die dafür und dagegen sprechen.

Ich werde mit den positiven Aspekten beginnen. Zoos bieten vielen Tieren Schutz, die vom aussterben bedroht sind und helfen ihnen sich zu vermehren. In der freien Natur würde das Aussterben oft unvermeidbar sein. Außerdem bekommen die Tiere genug Futter und werden gepflegt. Durch einen Zoo-Besuch sehen wir Menschen Tiere, denen wir sonst nie begegnen werden, weil sie zu selten oder woanders beheimatet sind. Dadurch werden die Tiere eine wahre Attraktion und Zoos sind gut besucht.

Leider gibt es aber nicht nur Positives über Tierparks zu sagen. Vielen Tieren bieten sie zu wenig Platz als sie beanspruchen. Delfine sind ein gutes Beispiel, da sie Platz brauchen um sich wohlzufühlen. Die Tiere finden in Zoos auch keinen Platz um sich zurückziehen zu können falls sie ihre Ruhe haben wollten. Des weiteren werden Tiere oft von Besuchern belästigt und manchmal sogar verletzt. Manche Menschen kommen auf dumme Ideen wenn sie Tiere sehen und denken dabei oft nicht an deren Gesundheit. Es gibt Meldungen, bei denen Besucher in ein Gehege klettern und das Tier weil es als gefährlich eingestuft wird, erschossen wird.

Ich finde die Tiere haben genau so ein Recht auf Freiheit, wie wir Menschen es haben. Und um die Gefährdeten Arten können sich auch besondere Stationen kümmern.