Wie weit geht Humor? – Darf man Witze über Randgruppen machen?

Jeder kennt das, man hört einen Witz und würde gern anfangen zu lachen, doch dann denkt man darüber nach und fragt sich ob man darüber lachen darf oder ob das nicht schon zu weit geht. Doch wo ist eigentlich die Grenze für Humor? Über was darf man in der Gesellschaft noch lachen und über was nicht mehr?

Erst einmal muss man sagen, dass es sehr Situationen und Personen abhängig ist welche Witze man machen darf und welche man besser sein lassen sollte. Wenn man zum Beispiel weiß, dass sein bester Freund eine Art von Witzen nicht mag, dann sollte man dies auch respektieren. Oft überschreiten wir eine Humorgrenze ohne etwas dafür zu können, da man beispielsweise von persönlichen Schicksalen des Zuhörers nichts wusste.

Manchmal kommt es auch vor, dass man etwas lustiges sagt, es beim Zuhörer es aber falsch rüberkommt und er es als Beleidigung oder ähnliches sieht. Leichter erklären lässt sich das Ganze mit dem „Vier-Ohren-Modell“ von Friedemann Schulz von Thun. Demnach gibt es vier Ebenen, die in einer Äußerung enthalten sind: Sachinhalt, Appell, Beziehungshinweis und Selbstkundgabe. Wenn der Zuhörer die Äußerung auf einer anderen Ebene versteht als der Redende es meint, kann es also zu Missverständnissen kommen. Bei Humor kann dies auch der Fall sein. So kann ein Witz vom Zuhörer auch als Beleidigung oder ähnliches wahrgenommen werden.

Oft kommt die Frage auf, ob man Witze über Dunkelhäutige, Homosexuelle, Behinderte oder ähnlichen machen darf. Meiner Meinung nach MUSS man sogar Witze über sie machen, wenn man es auch über andere macht. Viele Leute meinen das wäre Diskriminierung oder ähnliches wenn man das tut. Ich jedoch sehe das genau andersherum: Wenn man keine Witze über sie macht dann würde man sie anders behandeln als alle andere und damit würden sie also eher ausgeschlossen werden als wenn man Witze über sie macht. Klar muss es eine Grenze geben. Wenn man diese Grenze überschreitet ist man schnell bei Mobbing, Diskriminierung und Beleidigen.

Heutzutage machen viele Comedian Witze über Behinderte, Frauen, Dunkelhäutige, etc. Der Comedian Chris Tall zum Beispiel hat mit einer solchen Art von Witzen einen riesen Erfolg in der Gesellschaft und die, die am lautesten lachen, sind meist die Betroffenen selbst.

Ich finde Humor ist in der Gesellschaft und im Alltag sehr wichtig, deshalb sollte man es nicht zu sehr einschränken. Ein Leben ohne Humor wäre öde und langweilig, warum also sollten wir Randgruppen beim Thema Humor und somit auch in Teilen unserer Kommunikation ausschließen? Wichtig ist auch, dass man mal über sich selbst lachen kann und nicht alles zu ernst nimmt, dennoch sollten gewisse Grenzen nicht überschritten werden und man sollte etwas aufpassen in welcher Situation man was sagt, denn Humor sollte nicht zu Mobbing werden!!!

Wo liegt bei euch die Grenze von Humor? Und wie seht ihr das Ganze mit den Witzen über Randgruppen? Könnt ihr über so etwas lachen? Freue mich auf eure Kommentare.

Denkt immer daran: Lachen ist gesund!!!

#IStandWithMaya – Unterstützung einer transfeindlichen Welt?

Die Gesellschaft, in der wir leben, ist nicht immer die Gesellschaft, in der man leben will. Nicht jeder kann sich mit den aktuellen gesellschaftlichen Vorstellungen einigen. Deshalb kommt es im Internet und in der Öffentlichkeit immer mehr zu Diskussionen, Meinungsäußerungen und Auseinandersetzungen. Während sich viele als Individuum in unserer Gesellschaft nicht zurechtfinden, setzen sich andere für ihre bestimmten und individuellen Vorstellungen und Werte ein. So löst auch Harry Potter-Autorin J.K.Rowling eine große Internet-Debatte aus und muss um einiges an Kritik und Empörung einstecken. Über Twitter hat sich die Autorin zu der Kündigung von Maya Forstater geäußert, was viele Fans schockiert. In einem Tweet, veröffentlicht am 19. Dezember 2019, verteidigt J.K. Rowling die genderkritische Wissenschaftlerin Maya Forstater, die aufgrund transfeindlicher Aussagen auf Twitter ihren Job verloren hat. Zum einen hat die Steuerfrau dazu aufgerufen, den Sender Recognition Act zu reformieren, der Trans Menschen erlaubt, ihr Geschlecht auszugleichen. Maya Forstater sagte in einer respektlosen Schreibweise aus, dass Männer nicht zu Frauen werden könnten. Sie glaubt nicht, dass ‚Frausein‘ eine Frage der Identität oder weiblicher Gefühle ist. Für Maya Forstater zählt die Biologie und dass beide Geschlechter nicht beschränkt oder diskriminiert werden sollten, weil sie den traditionellen, geschlechtsspezifischen Erwartungen nicht entsprechen.

Durch das Anklicken des Links https://twitter.com/mforstater?lang=de könnt ihr euch einen eigenen Zugang zu den Äußerungen von Maya Forstater verschaffen.

J.K. Rowling unterstützt die Frau über Twitter, bestätigend mit dem Hashtag #IStandWithMaya. Sie schreibt:

Die Empörung vieler Fans von dieser Autorin ist groß. Eine selbst betroffene Frau schreibt davon, als Kind Zuflucht in den Büchern gesucht zu haben und dass ihre Vorstellung von Hogwarts durch die Ansichten der Autorin geplatzt sind. Ein schwuler Fan schreibt: “Knowing that Trans people wouldn’t be able to have that safety, breaks my heart.“ Auch einem Buchhändler namens Linus Giese geht es zu weit. Er schreibt, es gäbe keine Entschuldigung mehr dafür, nicht zu wissen, dass J.K. Rowling transfeindlich sei.

Ich selbst bin ein begeisterter Fan von den Harry Potter Büchern und Filmen, und bin entsetzt davon, dass sich J.K. Rowling mit dem Hashtag öffentlich auf die Seite gegen transsexuelle Menschen stellt. Die Enttäuschung der Fans lässt sich eindeutig nachvollziehen, jedoch sagt die Autorin mit ihrem Tweet ebenso die Freiheit des Menschen aus, wie dass man sich beispielsweise anziehen soll wie man will. Zwar beschreibt J.K. Rowling, dass man sein bestes Leben in Frieden und Sicherheit leben soll, jedoch erscheint es für mich widersprüchlich, wenn man die Message mit den Reaktionen der Fans vergleicht, die sich nicht mehr in Hogwarts sicher fühlen können. Zum anderen lässt sich die Frage stellen, ob man die erfundene, fesselnde Welt der Autorin mit der Realität gleich stellen sollte, um sich persönlich zurückziehen zu können. Meinem Verständnis zufolge sagt J.K. Rowling aus, dass man zu sich stehen sollte und das machen sollte, was man selbst für richtig hält. Dennoch sollte man den eigenen Körper akzeptieren und dazu stehen, was man aus biologischer Sicht ist. Sie differenziert zwischen “wer man ist“ und “was man ist“. Ich verknüpfe das mit der Frage der Existenz des jeweiligen Individuums, dass der Mensch erst existiert und sich danach erst selbst definiert, wodurch die Identität nicht das Geschlecht miteinbezieht.

Der Mensch hat das Privileg, sich selbst zu gestalten, seine eigenen Normen zu erdenken und seine Individualität zu erkennen. Doch was haltet ihr von den Äußerungen von Maya Forstater und J.K. Rowling? Findet ihr sie berechtigt, missverstanden oder tatsächlich angreifend gegenüber der verschiedenen Identitäten?

Quelle:

https://www.google.de/amp/s/ze.tt/transfeindlichkeit-j-k-rowling-veraergert-mit-einem-tweet-tausende-fans/amp/

Der Sinn des Lebens – kann man diesen überhaupt finden?

Viele suchen ihn, doch scheitern daran ihn zu finden, den Sinn des Lebens. Doch kann man diesen überhaupt finden oder ist der Versuch letzenendes nur verschwendete Zeit. Viele Philosophen haben sich schon mit dem Versuch den Sinn des Lebens zu finden beschäftigt, unteranderem Terry Eagelton, in dem Buch „Der Sinn des Lebens“ setzt er sich damit auseinander ob es überhaupt möglich ist den Sinn zu finden und vor allem wie. Natürlich gibt es verschiedene Ansätze und Meinungen zu diesem Thema, einige vertreten beispielsweise die Ansicht, ein Leben wäre nur sinnvoll wenn man am Lebensabend für sein Leben Bewunderung und Anerkennung bekommt, sowie selbst darüber Stolz empfindet. Demnach hat also ein Arzt ein sinnvolleres Leben als ein Fabrikarbeiter, welcher Tag ein Tag aus ein monotones Leben führt und nie etwas herausragendes in seinem Leben geleistet hat. Doch kann man daran wirklich den Sinn des Lebens festmachen, kann man einfach so ein Menschenleben bewerten?

Nachdem ich mich länger mit dem Thema beschäftigt, kam ich zu dem Entschluss, dass es unmöglich ist den Sinn herauszufinden. Denn die Person die den Sinn herausfindet, müsste ja den kompletten Überblick über das Leben haben, doch das würde auch bedeuten, die Person wäre aus dem Labyrinth des Lebens ausgebrochen. Des Weiteren fande ich die Ansicht von Terry Eagelton sehr überzeugend. Die Frage nach dem Sinn des Lebens sorge dafür, dass man sich vor all den anderen Fragen verschließt und nur auf die eine Frage konzentriert. Dies würde wiederum bedeuten, dass man so den eigentlichen Sinn nie finden wird. Hinzu kommt, dass für Eagelton dieses „Problem“ ethisch und nicht metha-physisch ist. Eine andere Ansicht die ich auch treffend fande, war das Zitat aus dem Buch das Café am Rande der Welt, man könne den Sinn des Lebens nur dann finden, wenn man sich wie eine Schildkröte treiben lässt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man meiner Meinung nach den Sinn des Lebens nicht finden kann und es auch unmöglich ist, diesen durch verschiedene Methoden finden kann. Trotzdem stellen sich mir dem Thema bezüglich noch einige Fragen, kann man den Sinn des Lebens einfach tauschen, wenn dieser einer Person nicht gefällt?

Ist Obdachlosigkeit selbstverschuldet?

Im Jahr 2017 wurden in Deutschland schätzungsweise 48000 Menschen auf der Straße erfasst (bezogen auf einen Artikel der Süddeutschen Zeitung). Das sind aber längst noch nicht alle, denn es gibt auch viele Obdachlose, die bis zum heutigen Zeitpunkt nicht registriert wurden. Das sind enorm viele Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben. Dies bemerkt man auch im Alltag in den etwas größeren Städten, denn man sieht fast überall Obdachlose. Nun ruft euch ins Gedächtnis: Seid ihr die Menschen, die sich von den Obdachlosen wegdrehen und schnell vorbeilaufen oder die ihnen etwas Geld einwerfen, vielleicht sogar ein paar Worte mit ihnen wechseln? Woher kommt dieser Unterschied zwischen den Verhaltensweisen? Die Erstgenannten vertreten die Meinung, dass die Obdachlosen selbst schuld sind, wenn sie auf der Straße leben müssen und es nun alleine ausbaden sollen. Die Letzteren wollen sich entweder die Geschichte des Obdachlosen anhören, um zu verstehen, wie man dazu kommt, auf der Straße zu leben oder man ist schlicht der Meinung, dass die Person nichts für ihre Obdachlosigkeit kann und deswegen Mitleid mit ihr empfindet.

Daher stelle ich mir nun die Frage: Ist Obdachlosigkeit selbstverschuldet? So makaber diese Frage auch klingen mag, sind sich die Menschen in der Antwort auf diese Frage doch sehr uneinig.

Auch ich bin in diesem Falle sehr unschlüssig. Um zu bewerten, ob die Obdachlosigkeit einer Person selbstverschuldet ist, muss man die individuelle Situation genauer betrachten.

Zunächst möchte ich eine Situation beleuchten, in der man meinen könnte, die Obdachlosigkeit sei nicht selbstverschuldet: Wenn plötzlicher Tod eines Verwandten oder eines Lebensgefährten auftritt und man als Betroffener keine Unterstützung hat, weder im psychischen, noch im materiellen Bereich. Dies ist häufig ein Problem bei Jugendlichen und Kindern, denn diese sind im Arbeitsfeld noch nicht abgesichert, fühlen sich schnell allein und hilflos und lehnen jede Hilfe ab. An sich sind sie ja nicht selbst schuld, wenn eine naheliegende Person sie nicht mehr unterstützen kann. Jedoch ist ihr häufigster Fehler, und ja, das ist teilweise selbstverschuldet, dass man die angebotene Hilfe durch das Sozialamt nicht annimmt und sich gegenüber jeder anderen zuvorkommenden Person verschließt.

Des Weiteren ist Arbeitslosigkeit als Ursache für Obdachlosigkeit äußerst zwiespaltig. Einerseits gibt es Menschen, die mit ihrem erlernten Beruf keine Arbeit finden und dann gibt es noch die, die nicht arbeiten wollen. Jedoch ist in beiden Fällen eine gewisse Selbstverschuldung da, denn im ersten Fall kann man trotzdem notgedrungen noch einen anderen Beruf suchen oder erlernen, damit man nicht vollständig ins Arbeitslose versinkt, wobei die Menschen aber nicht Schuld sind, dass sie keine passende Arbeit in dem Moment finden. Im zweiten Fall muss die Person tatsächlich mit den Konsequenzen leben, die Arbeitslosigkeit hat, und diese Art des Lebens sucht sie sich ja im Grunde genommen selbst aus. Das, was nicht selbstverschuldet ist, und was viele Menschen im Moment der Entscheidung nicht wissen, ist der Teufelskreis, aus dem man nicht wieder hinauskommt. So kann man sich diesen vorstellen: Ohne Arbeit und damit ohne Zahlungsmittel kann man keinen Mietvertrag unterschreiben, dadurch bleibt man obdachlos. Und dadurch, dass man als Obdachloser einen schlechten Ruf hat, hat man meist auch keine Chance mehr, von einem Arbeitgeber angenommen zu werden. Außerdem ist es auch für den Arbeitgeber unpraktisch einen Menschen ohne eigene Anschrift aufzunehmen und deswegen halten sich diese häufig lieber von Obdachlosen fern.

Auch die Obdachlosigkeit aus Krankheitsgründen ist meiner Meinung nach nicht selbstverschuldet. Klar, wenn man wegen Alkohol oder Drogenkonsum nicht mehr arbeiten kann, ist es auch eine Art von Krankheitsgrund, aber in diesem Fall meine ich eher die psychischen Störungen oder körperliche Einschränkungen. In Deutschland ist in dieser Spalte schon vieles getan worden durch zahleiche Versicherungen, aber dennoch werden solche Menschen von der Gesellschaft ausgestoßen und schaffen es nicht, sowohl Arbeit als auch damit verknüpft eine Unterkunft zu finden.

Menschen, die aus anderen Ländern fliehen, sei es aus Vertreibung, Armut, fehlenden Bildungschancen oder Zerstörung ihrer Wohnungen durch Naturkatastrophen, stellen auch eine große Anzahl der Obdachlosigkeit dar. Jedoch können diese häufig nichts ausrichten, denn sie besitzen meist keinen Anspruch auf die Rechte in einem Land, in dem sie keine Bürger sind. Ist diese Art von Obdachlosigkeit selbstverschuldet? Meiner Meinung nach nicht, denn es gibt für sie weder soziale noch wirtschaftliche Hilfe und damit können sie auch keine Arbeit beantragen, die sie zum Beispiel aus mangelnder Sprachkenntnis nicht bekommen können und Unterstützungsgelder zum Lebensunterhalt werden ihnen zusätzlich auch nicht angeboten.

Fehlende Schulbildung ist zudem auch ein gravierender Faktor, denn daraus resultiert im Endeffekt die oben erwähnte Arbeitslosigkeit. Doch in Deutschland würde ich diesen Faktor zunehmend der Kategorie „Selbstverschuldete Obdachlosigkeit“ zuordnen, denn in Deutschland besteht Schulpflicht und jeder Mensch hat dieselben Bildungschancen, um später auch eine gute Arbeit zu bekommen. In anderen Ländern, häufig im asiatischen Raum, ist aber die Schulbildung nicht für alle bereitgestellt und in diesem Falle tragen die Menschen nicht die Verantwortung für ihre fehlende Bildung.

Oft werden aber auch Menschen, vor allem alte Leute, aufgezogen und man nimmt ihnen durch Betrug die Wohnung weg, was nicht selbstverschuldet ist, denn diese Betrüger legen extra alles darauf aus, solchen Menschen, die meist schon selbst Hilfe benötigen, das Letzte zu nehmen. Dies ist oft in Ländern von Zentralasien ein Problem, zum Beispiel in den russischen Nachrichten sieht man solche Konflikte immer öfter. Die Menschen unterschreiben Verträge, von denen sie keine Ahnung haben oder sich nicht gut darüber informiert haben und lassen sich dadurch ihren Besitz in Form einer Wohnung oder einem Haus wegnehmen. Dadurch landen sie auf der Straße und gesetzlich können sie meist nicht nachweisen, dass sie betrogen wurden.

Wie man sieht, gibt es unterschiedlichste Faktoren, weshalb eine Person obdachlos werden könnte. Oft treten diese in aufgehäufter Form auf und es ist sehr schwer, wieder aus der Obdachlosigkeit herauszukommen.

Mit diesem Beitrag wollte ich daran appellieren, dass ihr Obdachlose nicht gleich als Unmenschen betrachtet. Ihr müsst ihnen zwar kein Geld geben, aber es ist durchaus menschlich sie einmal anzulächeln oder mit ihnen zu reden, denn nicht jeder ist selbst daran schuld, in diese missliche Lage gekommen zu sein. Manche andere verstehen aber auch mit der Zeit, dass sie etwas falsch gemacht haben, und genau da gilt es, diese Obdachlosen zu unterstützen und sie nicht gleich auszustoßen. Insbesondere jugendliche Obdachlose sind zwar meist unnahbar, benötigen aber dringend Hilfe. Im Buch „Sackgasse Freiheit“ von Jana Frey wird die Geschichte eines Obdachlosen Mädchens geschildert, in der man nachvollziehen kann, dass durch Misshandlung durch die Eltern und anschließender innerer Verschlossenheit Obdachlosigkeit entstehen kann und wie schnell so ein Prozess von statten gehen kann. Ich empfehle euch dringend, das Buch zu lesen, denn dann bekommt man einen ganz anderen Blick auf dieses Thema, weil meistens werden Obdachlose als sehr negativ dargestellt.

Als letztes möchte ich noch erwähnen, dass es manchmal wirklich hilfreich ist, die Geschichte eines Obdachlosen von vorne bis zum Schluss anzuhören, wobei Leeroy auf YouTube schon einen großen Schritt gewagt hat, einen Obdachlosen darüber zu interviewen, wie er denn sein Leben auf der Straße beschreibt.

Denn meiner Meinung nach ist Obdachlosigkeit nicht immer selbstverschuldet, wie man an den oben genannten Beispielen sehen kann, sondern hängt von der Lebensgeschichte des Einzelnen ab.

Was denkt ihr zu dem Thema? Denkt ihr, dass es sich allgemein sagen lässt, ob Obdachlosigkeit selbstverschuldet ist, oder hängt es eurer Meinung nach von der Situation ab?

Quellen:

Obdachlosigkeit in Deutschland, aufgerufen am 04.01.2020

https://www.sueddeutsche.de/panorama/wohnungslose-obdachlose-1.4545815

Frey, J. (2001). Sackgasse Freiheit (2.Aufl.). Bindlach: Loewe Verlag

Interview mit einem Obdachlosen:

Haben künstliche Intelligenzen Gefühle?

Überall in unserem Alltag werden wir mit künstlichen Intelligenzen, kurz KIs, konfrontiert. Ob in der Medizin, wenn man Begleit- und Assistentenapps für bestimmte Krankheiten entwickelt und personalisierte Therapien umsetzen möchte, beim autonomen Fahren, bei Supportanfragen, wenn man sein Passwort vergessen hat, oder wenn man gegen einen Bot in einem Videospiel kämpft: in jedem Bereich wird heutzutage nach und nach die innovative KI integriert. Laut WELT sollen bis 2025 in Deutschland ungefähr drei Milliarden Euro in die Entwicklung der KI investiert werden. Jedoch haben auch viele Menschen ihre Zweifel, was die KI anbetrifft. Die sich immer weiter in den Vordergrund zu drängen scheinende Frage, ist, ob die KI für uns Menschen nicht eher eine Bedrohung, oder ein Rückschlag sein könnte. Wann wird denn eine KI für ein so hochentwickeltes Wesen wie den Menschen gefährlich werden? Die Antwort liegt auf der Hand: Anknüpfend an das Sprichwort „Der Mensch ist des Menschen größter Feind“ erkennt man, dass KIs uns ein enormes Problem bereiten können, wenn sie menschenähnlich agieren. Nun muss man aber erst erfassen, was genau es ist, dass uns Menschen human erscheinen lässt. Hierbei möchte ich betonen, dass ich von meiner eigenen Meinung ausgehe, die lautet, dass der Mensch durch seine emotionalen Regungen und gefühlsbedingten Handlungen sowie der daraus resultierenden Unvorhersehbarkeit aller menschlichen Handlungen, definiert wird. Genau aus demselben Grund finde ich es äußerst wichtig, den noch so kleinen Aspekt nicht aus dem Auge zu verlieren und sich die Frage zu stellen, ob künstliche Intelligenzen Gefühle entwickeln können, womit ich mich im Folgenden noch näher befassen werde.

Meine Meinung zu dem Thema ist ganz klar, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht so weit gekommen sind, dass künstliche Intelligenzen Gefühle entwickeln können. Zur Verdeutlichung meiner Aussage möchte ich euch ein höchst interessantes Gedankenexperiment namens „Marys Zimmer“ vom australischen Philosophen Frank Cameron Jackson vorstellen, der sich mit der Frage auseinandergesetzt hat, ob künstliche Intelligenzen tatsächlich reale Gefühle verspüren können oder sie diese nur auf Basis zahlreicher humaner Vorbilder simulieren und es ihnen unmöglich ist, zu ergründen, was denn nun ECHTE Gefühle sind.

Vereinfacht kann man das Gedankenexperiment so darstellen:

Mary wohnt ihr ganzes Leben lang in einem schwarz-weißen Zimmer, auch alles darin Enthaltene ist entweder schwarz oder weiß. In diesem Zimmer studiert sie Farben, sodass sie zu dem Punkt gekommen ist, alles über Farben zu wissen. Sie kann demnach jeden Fakt aufzählen und erläutern, jedoch erst nach 30 Jahren, als sie das schwarz-weiße Studierzimmer verlässt, erfährt sie zum ersten Mal in ihrem Leben, wie es wirklich IST, farbige Dinge zu sehen. Zusammenfassend heißt das, Mary wusste doch nicht alles über Farben, die autonome Erfahrung mit Farben und deren Wahrnehmung fehlten ihr. Dieses Gedankenexperiment lässt sich hervorragend auf KI übertragen. Angenommen, die Roboter bzw. die künstlichen Intelligenzen wissen alles über Emotionen, Mimik, Gestik. Jedoch verspürten sie diese die „am eigenen Leib“ und ebendiese Erfahrung fehlt ihnen, genauso wie der Mary von Frank Cameron Jackson. Daher können KI grundsätzlich nur Gemütszustände simulieren, ja so weit sind wir mit der Technik schon. Aber selbstständig entwickeln können sie (noch) keine.

Auch eben bei Dingen wie personalisierter Medizin und den dazu entwickelten Apps wird diese Gefühlslosigkeit der künstlichen Intelligenzen kritisiert. Denn diese „lernen“ nicht selbstständig und erkennen nicht das Leiden einer Person, sondern sie sammeln Informationen, strukturieren diese und geben sie nur in einer anderen Form wieder. Zugegeben, möglicherweise sind künstliche Intelligenzen besser im Umgang mit vielen Informationen als der Mensch, jedoch die Informationen und Probleme selbst erfassen und eine gewisse Empathie zum Patienten zu entwickeln, dazu sind sie noch nicht in der Lage.

Kurz anreißen möchte ich auch das Thema „Autonomes Fahren“, denn dies ist ein Problemthema geworden, da die künstlichen Intelligenzen keine Urteilskraft besitzen und nur nach einprogrammierten Algorithmen (das sind bestimmte, strukturierte Abläufe nach denen ein maschinelles Handeln bestimmt wird) agieren. Aber ist das denn nicht andererseits ein Glück für uns? Dadurch sind uns die Reaktionen auf bestimmte Situationen im Voraus bekannt und wir haben noch eine enorme Kontrolle über deren Aktionen.

Ein häufig mentioniertes Gegenargument zu meiner Meinung, dass KIs keine Gefühle besitzen können, ist die menschengemachte Nachahmung der menschlichen Sinne bei Robotern. Beispielsweise werden Aufnahmegeräte eingepflanzt, die als „Ohren“ fungieren oder aber auch neuronale Netze in KIs einprogrammiert (Philip von Breaking Lab hat dazu eine sehr umfassende und interessante Doktorarbeit verfasst und in einem Video auf YouTube dargestellt). Dabei wird aber deutlich, dass der Mensch alles vorprogrammieren muss und dem Computer auch am Anfang sagen muss, was genau zum Beispiel ein Umriss eines Tieres darstellt. Dabei empfindet die KI immer noch keine Reize, nein. Sie versucht, die Informationen, die ihm der Mensch gegeben hat, sinnvoll zu verknüpfen.

Auch können euch möglicherweise Wettbewerbe wie der „Loebner-Wettbewerb“ bekannt sein, bei denen die Teilnehmer beim Chatten herausfinden müssen, ob sie mit einem Menschen oder einer künstlichen Intelligenz, ist diesem Fall sind Chatbots gemeint (siehe Siri oder Cleverbot) , kommunizieren. Und hier findet sich ein weiterer Beweis, dass KIs noch keine Gefühle empfinden: Es ist noch keinem Chatbot gut  gelungen, über längere Zeit einen Menschen zu täuschen, das heißt so menschenähnlich sind KIs noch gar nicht.

Summa summarum kann man festhalten, dass künstliche Intelligenzen heutzutage noch nicht die Möglichkeit haben, Gefühle zu empfinden oder überhaupt zu besitzen. Im Künftigen ist zwar noch unklar, ob die Menschen in diesem Falle etwas Innovatives erfinden oder nicht, aber die künstliche Intelligenz als Gefahr aufgrund von Menschenähnlichkeit kann vorerst ausgeschlossen werden. Hervorheben möchte ich hierbei, dass KIs auch in anderen Bereichen gefährlich werden können, wie zum Beispiel dem Verschwinden von Arbeitsplätzen, aber dies werde ich hier nicht weiter ausführen.

Denkt ihr, dass künstliche Intelligenzen Gefühle besitzen können? Wenn ja, seht ihr eher Chancen oder Gefahren dahinter? Schreibt eure Meinung bitte in die Kommentare!

Quellen:

KI in der Medizin, aufgerufen am 04.01.2020

https://www.bmbf.de/de/was-ki-fuer-die-medizin-bedeutet-9177.html

Investition in die KI, aufgerufen am 03.01.2020

https://www.welt.de/wirtschaft/article183877012/Kuenstliche-Intelligenz-Deutschland-investiert-Milliarden-in-neue-Techniken.html

Gedankenexperiment „Marys Zimmer“

Nida-Rümelin, J.&Weidenfeld,N.(2018).Digitaler Humanismus(1.Aufl.).München:Piper Verlag.S.39

Doktorarbeit über neuronale Netze

Loebner-Wettbewerb und Turing-Test

Dürfen Atheisten Weihnachten feiern?

Viele Atheisten feiern trotz ihrer Nichtgläubigkeit an Gott christliche Feste wie Weihnachten. Dadurch kommen immer wieder Diskussionen zwischen Christen und Atheisten auf. Die Christen meinen oft, dass dies nicht vertretbar und inkonsequent sei. Doch haben sie recht? Darf ein Atheist keine christlichen Feste feiern? Geht es bei Weihnachten überhaupt noch jemandem um den christlichen Hintergrund? Wenn man heutzutage jemanden fragt, was ihnen das Wichtigste an Weihnachten ist, bekommt man meistens Antworten, wie „das leckere Essen und die Geschenke“ oder „das besinnliche Beisammensein mit Freunden und Familie“. Weihnachten ist also vielmehr zum Familienfest und zum Fest der Liebe geworden als zu einem christlichen Fest. Mehr noch: Heutzutage geht es oftmals sogar hauptsächlich um Konsum, da jeder die tollsten und größten Geschenke haben will. Aus welchem Grund sollte ein Atheist also kein besinnliches Familienfest feiern dürfen? Atheisten feiern ein solches Fest nicht mit dem religiösen Hintergrund, wie es vielleicht andere tun. Sie feiern es um Zeit mit der Familie zu verbringen und eine schöne Zeit zu haben. Zudem ist dazu zu sagen, dass das ursprüngliche „Weihnachten“ gar kein christlichen Hintergrund hat, da es ursprünglich ein heidnischer Brauch war. Diese feierten die Wintersonnenwende, die zu dieser Zeit stattfindet. Des weiteren wird heutzutage in fast allen Ländern Weihnachten gefeiert, also auch in Ländern, in denen die Christen eine klare Minderheit sind.

Weihnachten ist heutzutage also viel mehr als die Feier der Geburt Jesu und es gibt keinen Anlass, weshalb Atheisten kein Weihnachten feiern dürfen, da es ein schöner kultureller Brauch ist, der uns eine Zeit bringt, in der alle eine fröhliche Zeit miteinander verbringen. Umso trauriger ist es, dass man sich als Atheist dennoch fast jedes Jahr dafür rechtfertigen muss, warum man Weihnachten feiert und einen Weihnachtsbaum aufstellt.

Pränantaldiagnostik

„Sofern der Tod eines behinderten Säuglings zur Geburt eines anderen Säuglings mit besseren Aussichten auf ein glückliches Leben führt, dann ist die Gesamtsumme des Glücks größer, wenn der behinderte Säugling getötet wird.“, das ist ein bekanntes Zitat von Peter Singer, der lange Zeit ein Verfechter des Präferenzutilitarismus war. Ich habe mich für dieses Zitat entschieden, da es meiner Meinung nach sehr gut eine weit verbreitete Sicht auf die Pränantaldiagnostik darstellt und eine mögliche Antwort auf die, durch einen positiven Befund anfallende, Entscheidung liefert. Peter Singer sagt hiermit aus, dass es vertretbar ist einen Säugling zu töten, wenn durch beispielsweise einer der vier Methoden der Pränantaldiagnostik festgestellt wurde, dass das Kind in der Zukunft durch eine Krankheit wie etwa Trisomie 21 eingeschränkt sein könnte. Jedoch stellt Singer zu Bedingung, dass es nur tragbar ist einen behinderten Säugling zu töten, wenn es dadurch zu einem anderen Säugling mit besseren Aussichten auf ein glückliches Leben führt. Meiner Meinung nach verdeutlicht er mit diesem Zitat, dass er die Pränantaldiagnostik unterstützt, da durch sie eine größere „Gesamtsumme des Glücks“ entsteht. Er bezieht sich auf die „Gesamtsumme des Glücks“ mit dem Gedanken, dass ein behindertes Kind weniger Glück empfindet und auch anderen in seiner Umgebung gibt, zum Beispiel seinen Eltern, als ein gesundes Kind. Ebenfalls geht er davon aus, dass es nach einer Abtreibung eines behinderten Fötus anschließend eine erneute Schwangerschaft geben wird, die zu einem gesunden Kind und somit zu mehr Glück führen wird, anderenfalls wäre die Tötung nicht mit seinem Zitat zu belegen. In diesem Essay möchte ich mit Hilfe der Möglichkeiten und Risiken der Pränantaldiagnostik aufzeigen, dass sie sowohl viele Nachteile als auch Vorteile mit sich bringen kann und dass jede Frau bzw. jedes Paar für sich selbst entscheiden muss was für sie die richtige Wahl ist. 


Die Anlässe für die Entscheidung zu einer Methode der Pränantaldiagnostik liegen für mich persönlich klar auf der Hand. Der erste Anlass für mich und natürlich auch für viele anderen Frauen wäre eine Risikoschwangerschaft, also eine Schwangerschaft ab dem Alter von 35 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind mit einer Chromosomenstörung auf die Welt kommt ist durch die schon in die Jahre gekommenen Eizellen der Frau um einiges höher. Dies ist allgemein bekannt und somit wäre es für mich untragbar keine weiteren Untersuchungen durchzuführen und damit das Leben meines Kindes zu gefährden. Außerdem ist es in Deutschland vorgeschrieben, dass Risikoschwangerschaften intensiver untersucht werden müssen und somit mehr Untersuchungen auch von der Krankenkasse übernommen werden. Ein weiterer Anlass wären Auffälligkeiten bei den nicht invasiven Methoden wie vergleichsweise bei einem Ultraschall oder allgemeinen Sorgen der Eltern um das Wohlergehen ihres Kindes wie es auch für mich in meiner Schwangerschaft höchstwahrscheinlich eine große Rolle spielen wird, da die Erberkrankung Mukoviszidose in meinem nahen familiären Umfeld bereits aufgetreten ist. Dieser Punkt hängt auch sehr nah mit dem letzten Anlass zusammen einer vorrausgehenden Fehlgeburt, da auch hier viel mehr Sorge auf den Eltern lastet durch vorherige prägende Ereignisse. Zusammenfassend liefert die Pränantaldiagnostik somit die Möglichkeit zur Beruhigung der werdenden Eltern und einer gelassenen Weiterführung der Schwangerschaft. 


Natürlich bringt sie aber auch viele Risiken mit sich die zudem das Leben des Kindes gefährden könnten wie Fehlgeburten, vorzeitiger Blasensprung, Kontraktionen der Gebärmutter, Blutungen, Infektion und Vorzeitige Wehen. Ebenfalls kann es zu direkten Verletzungen des Fötus kommen da für drei der vier Möglichkeiten der Pränantaldiagnostik Nadeln in die unmittelbare Nähe des Fötus gebracht werden müssen. Vor allem die Chordozentese birgt große Risiken wie die eines Nabelschnurhämatoms welcher die Versorgung zum Fötus unterbrechen könnte. Diese Risiken sind Gründe weshalb ich persönlich keine Chordozentese durchführen würde und sowohl die Chorionzottenbiopsie als auch die Aminozentese nur nach genauem Prüfen und persönlichen Gesprächen mit den behandelnden Ärzten durchführen lassen würde. 


Ich persönlich finde, dass die Pränantaldiagnostik eine unglaublich große Chance sein kann. 95% aller Kinder auf dieser Welt werden gesund geboren, trotz dessen hat jede Schwangere Sorgen um ihr Kind, diese können durch schlimme Erfahrungen in der Vergangenheit, wie beispielsweise eine vorherige Fehlgeburt, auch noch viel größer sein. Hier können die Tests beruhigen und die Frau kann ihre Schwangerschaft entspannter und glücklicher fortführen. Ebenfalls können sie das Leiden aller beteiligten minimieren, wird beispielsweise bei einem Fötus Trisomie 13 festgestellt, so hat das Kind eine Lebenserwartung von wenigen Wochen. In diesem Fall würde ich einen Abbruch der Schwangerschaft nachvollziehen können und ihn auch bevorzugen, da hier das Kind leiden würde und die Eltern natürlich auch. Jedoch beinhaltet die Pränantaldiagnostik auch viele Risiken wie die einer Fehlgeburt. Ich selbst könnte nicht damit leben, wenn die Ergebnisse des Tests zwar unauffällig waren ich jedoch als Folge von ihnen mein völlig gesundes Kind verlieren würde. Ebenfalls stellt sie das Paar bzw. die Frau vor schwere Entscheidungen, denn was soll getan werden, wenn lebensbedrohliche Krankheit wie Mukoviszidose diagnostiziert wurde, laut Singer werden behinderte Kinder sowohl weniger Glück empfinden als auch geben aber diese Aussage trifft meiner Meinung nach nicht zu. In der Pränantaldiagnostik kann man nicht sagen wie stark am Ende die Krankheit ausgeprägt sein wird, somit ist es auch nicht möglich zu sagen, dass das Kind kein glückliches oder nur ein kurzes Leben haben wird. Es kann sein, dass das Kind schon im ersten Lebensjahr stirbt oder auch erst im Alter von 50 Jahren und ein glückliches und erfülltes Leben trotz der Krankheit hatte. Deshalb finde ich das jede Frau bzw. Paar welches über eine Pränantaldiagnostik nachdenkt, sich die Zeit nehmen soll sich detailliert mit dem Thema zu befassen um dann die für sich richtige Wahl zu treffen.

Kritik an Israel: Antisemitisch?

Es ist bereits schon alltäglich, in irgendeiner x-beliebigen Zeitung israelkritische Artikel lesen zu können, die sich v.a. mit dem Konflikt zwischen Israel und den Palästina, bzw. der israelischen Siedlungspolitik auseinandersetzen. Doch die meisten Menschen, die meinen diese kritisieren zu können, haben sich im Voraus nicht mit den Hintergründen dieser beschäftigt und wälzen ihre allgemein schon antiisraelische Haltung, ohne jegliche Vernunft, auf ganz Israel, und damit indirekt auf Juden ab, wodurch sie unbewusst, bzw. mittlerweile mehr und mehr beabsichtigt, Juden- und Israelfeindliches versuchen zu legitimieren. Jedoch ist Kritik am israelischem Staate nicht gleich Antisemitismus, denn kein Staat der Welt ist perfekt, und lebt daher vom demokratischen Austausch der verschiedenen Standpunkte. Doch ab wann ist “Israelkritik“ antisemitisch, bzw. ist sie überhaupt antisemitisch?

Israelkritik beinhaltet meistens einen verkapselten Antisemitismus, der darin besteht, dass man dem Staat, und dessen Politik, auf alle dort lebenden Menschen- der Großteil ist jüdisch- bezieht. Sicherlich bedeutet das nicht gleich, dass man Antisemit ist, jedoch verleitet dies, tendenziell, zu einer großen Verallgemeinerung, die dazu führen kann, dass manch dummer moderner “Halbnazi“ sich bestätigt fühlt, dass aus ihrer Sicht, das Grauen, das die Deutschen an über sechs Millionen Juden verübt haben, doch nicht so katastrophal war, da man “den Juden“ nun das “Doch-So-Schlimm-Sein“ vorwirft. Ein oft genanntes Beispiel ist die Siedlungspolitik des Ministerpräsidenten B. Netanyahus und der dazugehörigen, grob durchdachten Reaktion Palästinas, die das Gebiet Israels bombardieren, wodurch bereits sämtliche Israelis ums Leben kamen. Jedoch bewirkten die Vergeltungsanschläge Israels auf palästinensischem Boden das gleiche. Die relativ einseitige Berichterstattung der, vor allem deutschen Presse, unterstreicht den verfehlten Eindruck, da Israel meistens als das schwarze Schaf dargestellt wird. Außerdem spielt das übertriebene mit dem Zeigefinger auf Israel Zeigen eine ebenso große, wie auch wichtige Rolle. Das Ausblenden anderer, viel größerer Konflikte, wie z.B in Burkina Faso, oder in Mali, wirkt zudem kategorisch. Erschreckend dargestellt wird dies, durch die überdurchschnittliche und meist negative Berichterstattung und Publikationen über Israel, was, wie kein anderes Land, damit “beschossen“ wird, was fast schon perverse Ausmaße angenommen hat, und schon kollektiv wirkt. Ebenso wirkt das Zusichern der Bundesregierung an das Existenzrecht Israels fast schon heuchlerisch, wenn man in 83 UNO-Abstimmungen gegen Israel votiert hat. Sicherlich, Kritik an der Politik, der israelischen Regierung, ist völlig angemessen, angesichts der Tatsache, dass man das palästinensische Siedlungsgebiet zu großen Teilen geradezu abgekapselt und isoliert hat. Jedoch ist dies nun überhaupt nicht auf die Einwohner, und spezifisch auf Juden, zu zuschieben, denn es ist unmöglich, das Handeln einer kleinen Gruppe, kollektiv auf die Allgemeinheit zu übertragen. Das gilt für ALLE und sollte eigentlich unverhandelbar sein, egal ob man Jude, Syrer, Deutscher, Ukrainer, Chinese oder sonst irgendwer ist. 

 Abschließend ist es wichtig zu sagen, dass Kritik an der Politik B. Netanjahus, und damit an der Regierung Israels legitim, sogar notwendig ist. Es gehört zu jedem demokratischen Staat dazu, dass man sich kritisch mit der Politik des Landes oder sonstigen Dingen auseinander setzt. Jedoch verleitet das Thema Israel schnell zu Antisemitismus, da sich viele Menschen entweder zu wenig mit dessen Problematik auseinander setzen und bereits schon leicht antisemitische Züge aufweisen, oder eine kleine Personengruppe auf die ganze Gruppe übertragen. Die Frage ist, ob dies bewusst, oder unbewusst ist. Denn durch die Banalität des Bösen, dies einfach durchzuwinken, was momentan in der Gesellschaft geschieht, wird Antisemitismus erschreckenderweise mehr und mehr salonfähig. Es ist unsere Aufgabe differenziert und sachlich dem entgegen zu stehen und unseren jüdischen Bürgern beistand zu leisten.

Occupy Wall Street – ziviler Widerstand oder nur eine direkte Aktion?

Jeder kennt sie, Demonstrationsbewegungen die nicht durch die Straßen ziehen, sondern sich einfach auf einen öffentlichen Platz setzen und friedlich dort demonstrieren. Dies ist eine neue Form des Protests, die Besetzung von öffentlichen Plätzen. Eigentlich nichts erstaunliches, Proteste wandeln sich im Laufe der Zeit. Dennoch ist diese Form des Protests etwas besonderes. Denn diese gelebte Praxis ist eine alternative Gesellschaftsordnung und Demokratieform. Dabei steht die soziale Solidarität und der politische Diskurs unter Gleichen innerhalb der Bewegung im Zentrum. Bei genauerem hinsehen, weist die Bewegung anarchistische Akteure und anarchistisches Gedankengut auf, ebenso wichtig ist dabei die diskurs- und konsensdemokratische Ausrichtung. Allgemein kann man sagen, dass die Prinzipien einer Reorganisation der Demokratie vertreten werden.

Zu allererst ist die Unterscheidung zwischen ziviler Ungehorsamkeit und direkter Aktion wichtig. Zivile Ungehorsamkeit wird von David Graeber wie folgt definiert, bei der zivilen Ungehorsamkeit nehmen die Akteure die rechtlichen Konsequenzen in Kauf, dabei verwenden sie Blockanden, wie beispielsweise Ghandi, grundsätzlich steht hierbei die Weigerung sich nach einem ungerechten Gesetz zu beugen. Direkte Aktion hingegen besteht daraus, dass sich mehrere Personen zusammen schließen um ein neues System aufzubauen, allgemein funktioniert dies auf der Grundlage anderer Prinzipien. Dennoch überlässt die direkte Aktion das Handeln den Repräsentanten des Systems, dabei sind die Aktionen der direkten Aktion militant und symbolisch, welche wiederum ein bestimmtes Ideal darstellt, so entsteht eine Art Mikro-Utopia, was bedeutet die Akteure leben in ihrer eigenen Blase. Hinzu kommt, dass die direkte Aktion zu einem Symbol der schlichten Militanz wurde. Allgemein lässt sich über die Akteure der direkten Aktion sagen, dass diese so handeln, als wären sie schon frei, somit kann sich jeder damit identifizieren.

Trotz diesen friedlichen Protesten kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, dabei werden wie in Leipzig Polizisten angegriffen, mit der Begründung man müsse gegen das System kämpfen, doch ist das Angreifen einzelner Individuen vertretbar? Eigentlich bedeutet ein humaner Umgang nicht gleich mit den Beamten vertraulich zu werden und Polizisten können die gleichen Vorstellungen wie die Akteure haben. Dennoch ist die Polizei nur eine Ansammlung von staatlichen Funktionären und keine Ansammlung von Individuen. durch diese staatlichen Funktionäre kann überhaupt erst die Macht der Oberschicht gewahrt werden. Hinzu kommt, dass die Polizei Gewalt gegen die Demonstranten anwendet, die Demonstranten hingegen sehen Gewalt als das bevorzugte Mittel der Dummen.

Das allgemeine Ziel ist also einen Raum der Gesellschaft in Besitz zunehmen und diesen von einem gehaltvollen in einen Raum der Liebe und Fürsorge umzuwandeln, dabei ist das Bild der Liebe und Fürsorge als Hauptwaffe. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Entwicklung einer Art flexibler und intelligenter Gegenmacht, also eine radikale Alternative. Schlussendlich soll diese Art von Protest immer wieder daran erinnern wer das Fundament der Macht ist.

Quelle: Graeber, David: Occupy! Die anarchistische Theorie und Praxis der direkten Aktion. 2011

Graeber, David: Direkte Aktion. Ein Handbuch. 2009